Zahl rechter Gewalttaten in Sachsen wieder rückläufig

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Autor: dpa

Leipzig -

Vor dem Hintergrund des deutlich zurückgegangenen Flüchtlingszuzugs ist auch die rechte Gewalt in Sachsen wieder auf das Niveau von vor 2015 gesunken. «Ohne regelmäßige Mobilisierung gegen Geflüchtete wie noch vor zwei Jahren ist die Stimmung weniger zugespitzt und es fehlen Gelegenheiten für Angriffe», sagte Robert Kusche von der Opferberatung RAA Sachsen bei der Vorlage der aktuellen Zahlen.

Gezählt wurden im vergangenen Jahr 229 rechte und rassistische Angriffe mit mindestens 346 Betroffenen. Schwerpunkte waren die Städte Dresden (52 Angriffe), Leipzig (36) und Chemnitz (20). Bei den Landkreisen liegen Leipzig (22) und das Erzgebirge (18) vor Bautzen (17) und Zwickau (16). Am häufigsten kam es zu Körperverletzungen (167). Auch 9 Brandstiftungen wurden verübt, 4 davon auf Asylunterkünfte.

Die Opferberatung bezieht ihre Zahlen von Betroffenen, Kooperationspartnern, der Polizei oder wird durch Presse oder Landtagsanfragen auf Fälle aufmerksam. Ausschlaggebend sei die Wahrnehmung der Betroffenen, sagte Kusche. Die Zahlen der RAA liegen daher meist oberhalb der von der Polizei erfassten Taten.

Kusche sieht einen Grund für den Rückgang der gewaltsamen Angriffe auch in der mittlerweile vorwiegenden Unterbringung der Flüchtlinge in dezentralen Einrichtungen. Die Stimmung sei inzwischen «weniger aufgeregt» als noch vor zwei Jahren, als vielfach auch Turnhallen genutzt wurden. Gerichtsverfahren wie gegen die rechtsextreme «Gruppe Freital» oder die «Freie Kameradschaft Dresden» könnten zudem dazu beigetragen haben, «dass wir da einen Rückgang der Gewaltbereitschaft sehen».

Die Opferberater zählen in ihrer Statistik ausschließlich Gewalttaten. Dennoch werde in Gesprächen mit Betroffenen auch ein zunehmender Alltagsrassismus deutlich, der unterhalb dieser Schwelle
liege, sagte Beraterin Suede Dandas. Vor allem in Schulen habe das stark zugenommnen. Meistens gehe das von Mitschülern und Mitschülerinnen aus. Es habe aber auch Fälle gegeben, in denen die Beleidigungen von den Lehrern und Lehrerinnen ausgegangen sei. (dpa)

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