Winterwunderland ohne Skifahrer - Liftbetreibern "blutet das Herz"

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Schnee liegt im Erzgebirge reichlich, aber an den Skihängen ist coronabedingt nichts los. "Da blutet einem das Herz", sagt der Betreiber des Skigebiets Holzhau, Alexander Richter. "Langlauf darf man machen, auch joggen, aber alpiner Skisport ist nicht möglich - wer soll das verstehen?" Er fordert, Skigebiete für eine begrenzte Personenzahl öffnen zu dürfen.

Frage: Sachsen ist von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Wie ist die Lage bei Ihnen im Osterzgebirge? 

Antwort: Wir haben hier in Holzhau einen knappen Meter Naturschnee. Eine Situation mit derart viel Pulver-Naturschnee und so einer stabilen Wetterlage hatten wir das letzte Mal vor 15 Jahren.

Frage: Ideale Bedingungen für Skifahrer, aber die Lifte stehen coronabedingt den ganzen Winter still.

Antwort: Ja, da blutet einem das Herz. Wir können zwar technisch bei der Beschneiung nachhelfen, so dass wir in den vergangenen Jahren immer einen Durchschnitt von 79 Skilift-Tagen hatten. Aber eigentlich müssen wir in einem guten Winter wie jetzt Geld für schlechtere Winter in den nächsten Jahren mitverdienen. Wenn die Lifte offen wären, hätten wir täglich 300 bis 400 Leute auf dem Hang.

Frage: Im Januar hat die Landesregierung die alpine Skisaison abgesagt und angekündigt, Einbußen kompensieren zu wollen. Ist das seither geschehen?

Antwort: Nein, da ist bisher nichts passiert. Es sind ein paar hunderttausend Euro, die fehlen. Dafür brauchen wir einen adäquaten Ausgleich, um eine Perspektive für die kommenden Jahre zu haben. Ich habe meine Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit schicken müssen. Dabei wäre der herrliche Winter jetzt gerade eine geniale Werbung für unser Tal hier. Auch das betrübt mich sehr.

Frage: Um auf die Misere aufmerksam zu machen, haben Sie eine Schneekanone im Internet zum Verkauf angeboten. Das klingt nach Ausverkauf. Haben Sie ans Aufhören gedacht? 

Antwort: Ja, na klar. Wenn wir keine Einnahmen haben, können wir auch keine Rechnungen bezahlen. Für die Kanone gibt es Interessenten - einer will sie kaufen und uns im Winter weiterhin zur Verfügung stellen. Wir haben sie aber noch nicht verkaufen müssen, weil sehr viele Spenden eingegangen sind.

Frage: Der Spendenaufruf hat bisher mehr als 22 000 Euro eingebracht. Die Hilfsbereitschaft scheint in der Corona-Zeit zu wachsen.

Antwort: Wir haben sehr viele Briefe, E-Mails und Anrufe bekommen, in denen uns Menschen motiviert haben, weiterzumachen. Für sie hängen brutal viele Erlebnisse und Emotionen hier dran. Das ist Wahnsinn und hat uns überwältigt. Ich habe aber erfahren, dass die Spenden wohl auf mögliche Überbrückungshilfen angerechnet werden. So etwas ist absolut unverständlich, da muss sich was ändern.

Frage: Was wäre Ihre Lösung für die momentane Situation?

Antwort: Die Skigebiete sollten zumindest für eine begrenzte Zahl von Skifahrern öffnen dürfen. Langlauf darf man machen, auch joggen, aber alpiner Skisport ist nicht möglich - wer soll das verstehen? Wir haben hier in Holzhau 50 Hektar befahrbare Fläche, auf der sich die Skifahrer verteilen. Ich wäre gern bereit, ein Musterskigebiet zu etablieren, um alpinen Skisport unter Corona-Bedingungen zu erproben.

Alexander Richter betreibt das Skigebiet in Holzhau, einem Ortsteil von Rechenberg-Bienenmühle im Osterzgebirge, nach eigenen Angaben seit mehr als 25 Jahren. Dazu gehören auch eine Ski-Schule und eine Berghütte. Der 49-Jährige ist Vater von zwei Kindern.