• Hier hat der Unbekannte das Mädchen in den Transporter gezerrt. (c) Ralph Köhler/ propicture

  • Wir dürfen das Phantombild leider nur gepixelt zeigen. © Polizei

Versuchte Entführung - Polizei veröffentlicht Phantombild

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Nach der Entführung eines Mädchens im Landkreis Zwickau, das flüchten konnte, suchen die Ermittler nach dem Täter. Mit der Hilfe des Mädchens wurde ein Phantombild erstellt, das Online-Medien aber nicht zeigen dürfen - auf richterlichen Beschluss, so ein Polizeisprecher. Erlaubt ist nur eine Verlinkung mit der Internetpräsenz der Zwickauer Polizei.

Bis zum Freitagmittag sind laut Polizei 34 Hinweise zum Fahrzeug und zu dem Unbekannten eingegangen. Nach Beschreibungen der 13-Jährigen habe der weiße Kleintransporter des Mannes keine Fenster oder Aufschriften gehabt.

Das Mädchen war am Donnerstagmorgen gegen 6.30 Uhr an einer Straße in der Gemeinde Mülsen von einem unbekannten Mann gepackt und in das Auto gezerrt worden. Als der Wagen nach einigen Minuten hielt, wehrte sich das Mädchen mit Schlägen und Tritten und konnte fliehen. Der Mann sei weggefahren. Polizei und Kriminaltechniker ermitteln nach Angaben des Sprechers weiter vor Ort. Auch suche man weiter Zeugen des Vorfalls. Die Schule wurde am Freitag nicht gesondert gesichert.

Der Schulleiter wendete sich noch am Donnerstag mit einem Schreiben an die Eltern der rund 320 Oberschüler. Darin erklärte er mit kurzen Worten das Geschehen und rief dazu auf, in den nächsten Tagen besonders aufmerksam zu sein und die Kinder nach Möglichkeit den Schulweg nicht allein gehen zu lassen. «Das war eine ganz wichtige erste Maßnahme in einer solch besonderen Situation. Einen Grund, den Schulbetrieb auszusetzen, sehen wir aktuell aber nicht», sagte der Sprecher des zuständigen Regionalschulamts Zwickau, Arndt Schubert.

Vielmehr hätten die Lehrer ihren Schülern das Gespräch angeboten und das Geschehen thematisiert. Auch Schulpsychologen und ein Schulsozialarbeiter seien involviert. Prinzipiell seien Schulleitung
und Lehrerkollegium durch präventive Maßnahmen für solche besonderen Vorkommnisse sensibilisiert. So gibt es laut Schubert etwa entsprechende Krisenpläne und Handlungsempfehlungen.

Ein Vater von zwei Töchtern schilderte die Stimmung an der Schule am Freitag als ruhig und sachlich. Natürlich sei die versuchte Entführung das bestimmende Thema unter den Kindern gewesen, sagte er
der dpa. Manche hätten sich auch verängstigt gezeigt. Zudem seien viele Eltern dem Aufruf des Schulleiters gefolgt und hätten ihre Kinder anders als sonst mit dem Auto zur Schule gebracht, so der Mann aus Mülsen.

Der Fall weckt Erinnerungen an die Entführung der damals 13-jährigen Stephanie aus Dresden im Jahr 2006. Die Gymnasiastin war ebenfalls in ein Auto gezerrt worden. Erst nach fünfeinhalb Wochen konnte das Mädchen aus der Wohnung des Entführers befreit werden. Der Mann wurde dafür zu 15 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. (mit dpa)

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Mülsener Mütter haben Angst