• Die Zahl der Verkehrstoten geht in ganz Deutschland, aber auch in Sachsen immer weiter zurück. Doch woran liegt das genau? Fahren wir mittlerweile alle sicherer? Bildquelle: toa555 – 198275351 / Fotolia.com

    Die Zahl der Verkehrstoten geht in ganz Deutschland, aber auch in Sachsen immer weiter zurück. Doch woran liegt das genau? Fahren wir mittlerweile alle sicherer? Bildquelle: toa555 – 198275351 / Fotolia.com

     

Verkehrssicheres Sachsen - Zahl der Verkehrstoten war noch nie so niedrig

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Im Alltag vergisst man gerne, dass der Straßenverkehr zahlreiche Gefahren mit sich bringt. Das gilt auch in Ländern mit einem vergleichsweise gut ausgebauten Verkehrssystem und zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen wie Deutschland. Immerhin gibt es in diesem Zusammenhang aktuell eine gute Nachricht zu vermelden. Denn wie die Berliner Zeitung berichtet, sank die Zahl der Verkehrstoten in der Bundesrepublik 2017 auf ein Rekordtief.

Ähnliches gilt auch für das Bundesland Sachsen. Auch hier fiel die Zahl der Todesopfer deutlich niedriger aus als noch im Jahr zuvor. Doch was sind die Ursachen für diesen erfreulichen Trend und wie lässt sich die Verkehrssicherheit in Zukunft weiter erhöhen? Und welchen Beitrag kann jeder Einzelne zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr leisten?

Entwicklung der Verkehrssicherheit in Sachsen

Einen Überblick über die Entwicklung bei Straßenverkehrsunfällen im Bundesland Sachsen gibt das Statistische Landesamt Sachsen. Demnach lässt sich Folgendes beobachten:

Im Jahr 2017 gab es insgesamt 109 623 Straßenverkehrsunfälle. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber 2016 (17 462).
Deutlicher fiel der Unterschied bei den Unfällen mit Todesfolge aus. Hier sank die Zahl von 162 Getöteten auf 147.
Ähnlich sieht es mit den Schwerverletzten aus. 2017 betrug ihre Zahl 3 987, im Vorjahr waren es noch 4 128. Bei Leichtverletzten lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten.

Alles in allem geben diese Zahlen eine positive Entwicklung wider. Besonders deutlich fällt diese bei der Zahl der getöteten Personen aus. Die ist auch in Sachsen niedriger als die letzten zehn Jahre. In anderen Bereichen sind dagegen über einen längeren Zeitraum hinweg Schwankungen zu vermerken. So fällt die Gesamtanzahl der Verkehrsunfälle 2017 insgesamt vergleichsweise niedrig aus. Allerdings ist sie höher als beispielsweise in den Jahren 2010 und 2013.

Mögliche Gründe für das Absinken

Grund zur Entwarnung sehen viele Experten nicht. Denn immer noch fällt die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Personen in Deutschland erschreckend hoch aus. Trotzdem könnte die jüngste Entwicklung in Bundesländern wie Sachsen ein Hinweis darauf sein, dass bestimmte Maßnahmen Früchte tragen. Doch welche sind das im Einzelnen?

Sicherere Autos

Moderne Autos werden nicht nur immer komfortabler und sparsamer, sondern auch immer sicherer. Dabei gehören Airbags und hochentwickelte Sicherheitsgurte schon seit vielen Jahren zum Standard, ebenso wie ABS und ESP. Doch neuerdings kommen immer mehr intelligente Fahrerassistenzsysteme hinzu, die dazu beitragen sollen, Unfälle zu verhindern. Dazu gehören zum Beispiel:

1.    Spurhalteassistenten
2.    Notbremsfunktionen
3.    Automatische Abstandsregelung
4.    Spurwechselassistent
5.    Müdigkeitserkennung

Für die Zukunft sollen Autos zunehmend in der Lage sein, autonom zu fahren und damit auch selbstständig auf Gefahren zu reagieren und Unfälle zu vermeiden. Diese Vorstellung erscheint zwar aktuell vielen Menschen als besorgniserregend, in der Realität könnte sich so die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich erhöhen.

Neues Punktesystem mit höheren Strafen

Gerade auf Fahrer, die sich gerne dem Geschwindigkeitsrausch hingeben, haben höhere Strafen eine abschreckende Wirkung. Das seit 2014 geltende neue Punktesystem hat nicht nur zu einer besseren Übersichtlichkeit und einer Vereinheitlichung geführt. Es hat auch zur Folge, dass der Führerschein schneller entzogen wird als früher – nämlich schon bei 8 Punkten statt wie bisher bei 18. Auch die Geldstrafen wurden zum Teil deutlich angehoben. Gleichzeitig liegt das Augenmerk stärker als bisher auf Vergehen, die wirklich die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern gefährden. Dazu gehört auch das Telefonieren mit dem Handy. Im Gegenzug wurde auch der Punkteverfall deutlich verändert – die Taten verjähren dabei einzeln.

Straßenverhältnisse

Je besser Straßen beschaffen und abgesichert sind, desto mehr sinkt die Gefahr von Unfällen. Vor allem in ländlichen Gegenden ist dies ein wichtiger Aspekt. So könnten auch der schrittweise Ausbau und die zunehmende Absicherung von Straßen einen Beitrag zu der jüngsten Entwicklung in Sachsen geleistet haben. Allerdings nützen die besten Straßen nichts, wenn bei den Verkehrsteilnehmern selbst das Bewusstsein für einen umsichtigen Fahrstil fehlt.

Höhere Sensibilisierung von Fahrern

Ein zentrales Element im Verkehrssicherheitsprogramm des Freistaats Sachsen sind Aktionen und Veranstaltungen, mit denen Verkehrsteilnehmer auf drohende Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden sollen. Dazu gehören Verkehrssicherheitsprojekte ebenso wie Plakataktionen an den Straßen. Dabei ist „Verkehrserziehung“ an sich nichts Neues. Doch ihr steigender Stellenwert könnte sich in den sinkenden Zahlen von Unfällen mit Todesfolge bemerkbar machen.

Schließlich gibt es noch eine Reihe von Faktoren, die sich schlecht beeinflussen lassen. Dazu gehört zum Beispiel die Witterung. Denn unbestritten ist die Gefahr, mit Auto oder Motorrad schwer zu verunglücken, größer, wenn es dunkel ist und Sturzbäche regnet, als wenn bei klarer Sicht die Sonne scheint.

Was können einzelne Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr tun?


In Hinblick auf die Sicherheit im Straßenverkehr ist jeder einzelne gefragt. Dabei gibt es einige Grundsätze, die man im Gedächtnis behalten sollte:

•    Auf Rauschmittel verzichten: Auch wenn man mit einem Bier in der Regel noch nicht die Promillegrenze erreicht hat, ist es die beste Lösung, auf Alkohol ganz zu verzichten, bevor man sich ans Steuer setzt. Schließlich kommt immer noch ein großer Teil von Unfällen unter dem Einfluss von Rauschmitteln zustande.
•    Geschwindigkeit drosseln: Je höher die Geschwindigkeit, desto länger der Bremsweg. Vor allem auf kurvigen Landstraßen und bei schlechten Sichtverhältnissen ist langsam Fahren ein wichtiger Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit.
•    Auto regelmäßig kontrollieren lassen: Wer sein Fahrzeug in regelmäßigen Abständen von Fachleuten unter die Lupe nehmen lässt, geht auf Nummer sicher, dass nicht plötzlich die Bremsen versagen oder der Reifen platzt.
•    Aufmerksam bleiben: Ob Auto, Motorrad, oder Fahrrad, die Teilnahme im Straßenverkehr erfordert Aufmerksamkeit. Deshalb ist es wichtig, sich nicht ablenken zu lassen. Wird die eigene Müdigkeit zu stark, ist es besser, auf einen Parkplatz zu fahren und ein Nickerchen zu halten. Außerdem ist es ratsam, auf Telefonanrufe während des Fahrens zu verzichten.
•    Entspannt bleiben: Gerade wenn es eilt, können einen andere Verkehrsteilnehmer schnell an den Rand des Wahnsinns bringen. Doch Wutanfälle am Steuer führen gerne dazu, dass man die Kontrolle verliert.

Schließlich beginnt Verkehrssicherheit schon beim Kauf des jeweiligen Fahrzeugs. Das gilt vor allem für Autos. Moderne Wagen mit einer umfangreichen Sicherheitsausstattung bringen hier deutliche Vorteile mit gegenüber gebrauchten Kleinwagen. Deshalb lohnt es sich häufig schon aus diesem Grund, etwas mehr Geld zu investieren.

Wichtig: Mit einem unvorsichtigen Verhalten im Straßenverkehr gefährdet man nicht nur die eigene Sicherheit, sondern immer auch die der anderen Verkehrsteilnehmer. Wer sich dies vor Augen hält, dem fällt es leichter, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und auf das Glas Wein vor der Heimfahrt am Abend zu verzichten. 

Fazit

Es kann so schnell passieren: Schon ein übersehenes Vorfahrtsschild bezahlen manche Verkehrsteilnehmer mit dem Leben. In diesem Sinne ist der jüngste positive Trend bei den Unfallzahlen in Sachsen und deutschlandweit kein Anlass, sich entspannt zurückzulehnen. Doch könnte er, je nachdem wie sich die Entwicklung weiter gestaltet, ein positiver Beleg dafür sein, dass die Sicherheit im Straßenverkehr steigt – vorangetrieben von vielen kleinen Maßnahmen, die zusammen eine große Wirkung zeigen. Einige der Faktoren könnten zudem in Zukunft einen noch deutlicheren Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten.