• Unter Polizeibewachung wurde der Gedenkort eingeweiht. © Ralph Köhler/propicture

    Unter Polizeibewachung wurde der Gedenkort eingeweiht. © Ralph Köhler/propicture

  • Teilnehmer bedrängen Polizisten, als diese die Persponalien einer Störerin aufnehmen wollten. © Ralph Köhler/propicture

    Teilnehmer bedrängen Polizisten, als diese die Persponalien einer Störerin aufnehmen wollten. © Ralph Köhler/propicture

  • Pia Findeiß: „Mit diesen Gedenkbäumen erinnern wir an die Opfer des NSU. Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist." © Ralph Köhler/propicture

    Pia Findeiß: „Mit diesen Gedenkbäumen erinnern wir an die Opfer des NSU. Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist." © Ralph Köhler/propicture

Tumult überschattet Einweihung von Zwickauer NSU-Gedenkort

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Hunderte Menschen haben am Sonntag am Schwanenteich in Zwickau unter großem medialen Interesse an der Einweihung des Gedenkortes für die zehn NSU-Opfer teilgenommen. Einige von ihnen waren aus ganz Deutschland angereist. Polizei und Stadt gaben die Zahl mit rund 450 Personen an.

Die zehn gepflanzten Bäume – vornehmlich Eichen, aber auch Ahornbäume und eine Blutbuche – konnten ebenso wie die bei der Enweihung verlegten Gedenktafeln komplett aus Spenden finanziert werden. Zu diesen hatte die Stadt aufgerufen, nachdem Anfang Oktober der erste Gedenkbaum abgesägt worden war. Insgesamt gingen bisher fast 14.000 Euro ein.

Oberbürgermeisterin Pia Findeiß sagte, Zwickau habe eine besondere Verantwortung. Es mache Mut und Hoffnung, dass die Mehrheit des Stadtrates ein Memorandum unterzeichnet habe. Darin heißt es: „Wir wollen, dass die Opfer nie in Vergessenheit geraten. Wir wollen eine Stadt, aus der heraus nie wieder solche Gewalttaten geschehen.“ Das NSU-Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe hatte jahrelang unerkannt in Zwickau gelebt.

„So ein Denkmal ist dann bei den Menschen angekommen, wenn es Normalität wird in dem Sinne, dass man es im Alltag wahrnimmt“, so Findeiß weiter. Der Kritik, dass die Angehörigen der Opfer nicht eingeladen worden seien, entgegnete das Stadtoberhaupt, dass diese über die Ombudsfrau der NSU-Opfer, die CDU-Politikerin Barbara John, mitgeteilt hätten, privat an den Gedenkort reisen zu wollen.

Überschattet wurde die Einweihung von einem Tumult. Eine linke Aktivistin hatte einen von der AfD bereits am Samstag abgelegten Kranz beschädigt. Er landete in einem Mülleimer. Als Polizisten die Frau zur Identitätsfeststellung ins Polizeiauto brachten, wurden sie bedrängt. Die Veranstaltung ging dennoch friedlich zu Ende.

Zur Erinnerung an die NSU-Verbrechen wurde am Sonntag auch ein Interims-Dokumentationszentrum in Zwickau eröffnet. Es befindet sich in der Hauptstraße 46 und geht auf die Initiative eines Bündnisses lokaler und überregionaler Gruppen zurück. Die Akteure fordern ein dauerhaftes Dokumentationszentrum in Zwickau.

Audio:

Pia Findeiß

Polizeisprecher Patrick Franke