Streit um Bismarck-Denkmal für Czorneboh in Bautzen

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In Bautzen ist Streit um ein Denkmal entbrannt. Reichsgründer Otto von Bismarck (1815 bis 1898) soll wieder auf den Sockel. Der Hauptausschuss des Stadtrates ist dafür. Die Meinungen in der Stadt gehen auseinander.

Bismarck soll wieder den Czorneboh erklimmen, den Hausberg der Bautzener. Auf dem Gipfel steht ein Aussichtsturm und daneben, da stand er, der erste Reichskanzler. Zu seinen Ehren wurde sechs Jahre nach seinem Tod ein Denkmal errichtet. In den 1950er Jahren wurde es aber zerstört.  

Nun ist ein Bautzener Verein auf die Idee gekommen, auf eigene Kosten eine Kopie des Denkmals auf dem Czorneboh aufzustellen und sie der Stadt zu schenken. Bismarck soll wieder auf den noch vorhandenen Sockel gehoben werden. Nichts dagegen hat der Hauptausschuss des Bautzener Stadtrates. Vor gut einer Woche stimmte er dem Wunsch der „Bautzener Liedertafel“ – so heißt der Verein – zu.

Daraufhin ist der Streit entbrannt. Auf der einen Seite steht das Sorbische Institut. Es distanziert sich von der Entscheidung und sieht in der Rückkehr Bismarcks eine „beispiellose Geschichtsvergessenheit“. Es werde da eine Persönlichkeit auf den Sockel gehoben,  die nicht im Geringsten als positiver Bezugspunkt der Erinnerungskultur einer demokratischen und weltoffenen Gesellschaft tauge. Bismarck habe nach außen „Blut und Eisen“ und nach innen „Zuckerbrot und Peitsche“ vertreten.

Und was ist mit seinen Verdiensten?, fragt der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens, der zugleich Vorsitzender des Hauptausschusses ist. Bismarck sei eine ambivalente Persönlichkeit, er habe auch Fehler gemacht. Die müssten aber im Spiegel der damaligen Zeit gesehen werden. Seine Verdienste seien die Reichseinigung und die Gründung eines modernen Sozialstaates.

Strikt gegen das Denkmal ist die Domowina. Dawid Statnik erklärte in einer Pressemitteilung: "Wir haben mit der friedlichen Revolution und politischen Wende 1989/90 inzwischen eine bessere Grundlage für die 'Einheit Deutschlands'. Wollen wir neue Denkmäler errichten, dann bitte Persönlichkeiten, die sich für gleichwertigen Umgang mit Menschen unterschiedlicher Herkunft einsetzen".

Audio:

Dawid Statnik, Vorsitzender der Domowina

Reporter Knut-Michael Kunoth