• Smartphones haben absolut ihre Berechtigung – nicht jedoch dann, wenn das familiäre Miteinander im Fokus stehen soll. © stock.adobe.com – Ermolaev Alexandr / 302604767

    Smartphones haben absolut ihre Berechtigung – nicht jedoch dann, wenn das familiäre Miteinander im Fokus stehen soll.

    © stock.adobe.com – Ermolaev Alexandr / 302604767

Starke Familien 2020: 6 sinnvolle Regeln jenseits des Bundesgesetzes

Zuletzt aktualisiert:

Der Jahreswechsel brachte auch für Familien einige (politische) Änderungen. So trat der letzte Teil des bereits im vergangenen März verabschiedeten Starke-Familien-Gesetzes in Kraft. Die oberen Einkommensgrenzen für den Kinderzuschlag fallen weg; Elterneinkommen, die über der Freigrenze liegen, werden nur noch zu 45 Prozent (bislang 50) angerechnet. Außerdem soll ab dem ersten März auch die bundesweite Impfpflicht gegen Masern für alle Kinder und Beschäftigten in Kitas eingeführt werden. Zusammen mit dem auf 7.812 Euro gestiegenen Kinderfreibetrag und einem auf 9.408 Euro gestiegenen Grundfreibetrag wirkt das auf den ersten Blick nach einer Menge Paragraphen.

Eigentlich wäre das neue Jahr allerdings auch die ideale Gelegenheit, seine eigene Familie ganz persönlich zu stärken. Nicht bundes- oder landespolitisch reguliert, sondern als ganz private Angelegenheit zwischen Mama, Papa und dem Nachwuchs. Das Ziel ist gleich: Ein besseres Familienleben. Dazu haben wir für unser eigenes „Starke-Familien-Gesetz“ ein paar sinnvolle Regeln zusammengestellt, die gerne als Vorbild dienen dürfen.

1.    Jeden Abend isst die ganze Familie gemeinsam

Je mehr Köpfe eine Familie zählt, desto schwieriger wird es, alle terminlich auf einen Nenner zu bringen. Wir alle wollen/sollen/müssen nach den Pflichten des Alltags meist noch anderen Terminen zwischen Nachhilfe und Sportverein nachgehen.

Das allein tut dem familiären Zusammenhalt keinen Abbruch – wenn man nicht den Fehler begeht, keinen alltäglichen Fokuspunkt zu integrieren. Als solcher ist das gemeinsame Abendessen besonders gut geeignet. Eine Uhrzeit lässt sich finden, was gegessen wird, ist variabel. Wichtig, ganz besonders, wenn die Kids schon etwas älter sind und flügge werden, ist dabei nur, dass die ganze Familie wenigstens einmal am Tag zusammenkommt – andernfalls steigt die Gefahr, dass Eltern und (Teenager-)Nachwuchs bloß nebeneinander her leben.

Und: Jeder darf und sollte dabei Raum bekommen, von seinem Tag zu erzählen; damit es nicht ausufert vielleicht mit fester Redezeit. Denn der wichtigste Schlüssel zum gleichsamen Abbau von Stress wie Festigen der Familienbande ist Kommunikation – allerdings bitte ohne Bewertung. Hier geht es nur darum, sich den Tag von der Seele reden zu können, nicht um Kritik.

2.    Bei gemeinsamen Aktivitäten ist das Smartphone tabu

Auch wenn sich dies für Viele Eltern anders anfühlt, die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen ist nicht signifikant anders als die der Erwachsenen, Auch Papas und Mamas starren meist nicht weniger häufig und lange auf das Smartphone, sie nutzen es meist nur mit anderen Schwerpunkten.

Nichtsdestotrotz: Egal in welchem Alter man ist, selbst der kürzeste Blick auf das Display ist meist eine Störung der Gemeinsamkeit, eine Ablenkung – je nach Sichtweise sogar eine Unhöflichkeit. Bei kleineren Kids, die noch kein eigenes Gerät haben (dürfen), weckt es zudem oft Neid.

Ob nun beim gemeinsamen Abendessen oder bei sonstigen Familien-Aktivitäten: Das Smartphone sollte in der Tasche bleiben.

3.    Jedes Familienmitglied darf seine Eigenheiten haben

Wenn Erwachsene vorgeschrieben bekommen, was sie zu tun und zu lassen haben, reagieren sie oftmals ziemlich allergisch – verständlicherweise. Bei der Kindeserziehung tendieren jedoch die gleichen Menschen signifikant häufig dazu, die Grenzen der „Erziehung“ in Richtung „Bevormundung“ zu überschreiten.

Natürlich, Eltern müssen ihrem Nachwuchs eine Richtung vorgeben. Aber Dinge wie „Keine Käppis bei Tisch“ oder „Von diesem Typen hängst du dir kein Poster ins Zimmer“ werden umso nerviger, je älter ein Kind ist. Tatsache ist, dass Charakterentwicklung schon in jüngsten Lebensmonaten beginnt und vieles davon angeboren ist. Der allseits bekannte Spruch „Solange du unter meinem Dach wohnst…“ ist deshalb genau das: einfach nur alt und überkommen.

Das bedeutet kein Laissez-faire. Viel mehr, dass Eltern nur da vorgeben sollen, wo es für die Entwicklung ihres Kindes zu einem verantwortungsvollen Menschen unabkömmlich ist – nicht, wo etwas bloß dem Geschmack der Eltern nicht entspricht. Jedes Familienmitglied sollte seine Eigenheiten haben dürfen.

4.    Jedes Familienmitglied sollte feste, aber begrenzte Finanzmittel haben


Apropos Laissez-faire: Für viele Eltern scheint dieser Erziehungsstil, bei dem Kinder kaum/keine Vorschriften bekamen, wie ein Überbleibsel aus den experimentierfreudigen 1970ern – heute glaubt man diesen total-antiautoritären Ansatz überwunden zu haben.

Dabei handeln viele Eltern nach wie vor an einem Punkt so: Beim Geld. In immer mehr Familien verfährt man nach der Devise, dass das Kind bei Dingen, die es haben möchte, nur bitten muss – man möchte sich ja nicht dem Vorwurf aussetzen, geizig zu sein. So sehr dieser Ansatz ebenso verständlich ist wie die gesamte antiautoritäre Erziehung, so falsch ist er doch. Denn diese Geldvergabe entrückt den Nachwuchs von einem signifikant wichtigen Lerninhalt: den richtigen Umgang mit Geld, und vor allem dessen begrenzter Menge, selbst zu erlernen.

Ein festes, begrenztes Taschengeld ist zwar ein umfassendes Thema für sich, bei dem das Kindesalter ebenso eine Rolle spielt wie das Elterneinkommen. Aber: Nur durch die Freiheit, eine gewisse Summe unabhängig von Elternkontrolle zur eigenen Verfügung zu haben, erlernen Kinder auch die Pflichten, die mit dieser Freiheit einhergehen – wenn sie es nicht via Taschengeld spielerisch mit elterlichem Sicherheitsnetz erlernen, fallen sie später mit dem Gehalt häufig regelrecht ins kalte Wasser.

5.    Regelmäßig werden Ausflüge gemacht

Ein tägliches gemeinsames Abendessen ist wichtig. Doch je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist es obendrein, dass ihr Leben noch mehr von festen Ritualen bestimmt wird – denn Rituale sind ein unfassbar wichtiger Haltepunkt für die Orientierung von Kindern.

In diesem Sinne kommen Ausflüge bzw. familiäre Unternehmungen ins Spiel. In den meisten Familien sind sie zwar Usus. Das Problem entsteht aber dadurch, dass sie oftmals mehr spontan geplant werden – und somit nicht selten mit den anderen Terminen des Alltags kollidieren.

Beschließt aber eine Familie beispielsweise, dass jeder zweite und vierte Samstag im Monat felsenfest für eine solche Unternehmung verplant ist, muss sich alles andere daran orientieren; meistens Dinge, die weniger familiär sind. Dabei kommt es gerade den Bewohnern unseres Freistaates unendlich zupass, dass es hier Familien-Freizeitangebote in Hülle und Fülle gibt. Besonders beliebt bei den Sachsen ist beispielsweise der Zoo in Leipzig.

Bedeutet, der Termin steht fest, er muss dann nur noch nach Bedarf mit einem Inhalt gefüllt werden – das ist deutlich einfacher als ein Ausflugsziel zu haben und dann einen Termin zu finden. Besonders, wenn die eigene Familie aus mehr als den statistischen 1,57 Kindern besteht.

6.    Familienleben ist keine Leistungsschau, bei der mit anderen verglichen wird


Wer eine Familie hat, neigt ungleich mehr als alle anderen Lebensentwürfe dazu, sie mit anderen zu vergleichen: Der Junge von Gegenüber hält sich viel eher an elterliche Regeln, bei Bekannten ist der Haushalt trotz Drillingen immer blitzblank und ohnehin scheinen andere Eltern den Spagat zwischen Beruf und Familie immer viel besser hinzubekommen, als man selbst …

Tatsache ist, wir alle neigen dazu, uns, unsere Familie, unser Familienleben mit anderen zu vergleichen. Einen Grund dafür nennt ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der die britische Erziehungssoziologin Ellie Lee zitiert: „Elternschaft ist heute eine Möglichkeit, eine Identität aufzubauen, das Gefühl zu erleben, dass man etwas richtig macht.“  Wenn der eigene Nachwuchs etwas besser kann oder tut als seine gleichaltrigen „Kollegen“, verstärkt sich dieses Gefühl.

Allerdings ist dieser Wunsch nach Identität keine Ausrede für das ständige Vergleichen. Im Gegenteil:

1.    Es ignoriert völlig, dass jede kindliche Entwicklung, jede elterliche Beziehung, jedes familiäre „Gesamtpaket“ auf unzähligen und dazu völlig unterschiedlichen Säulen fußt. Selbst wenn oberflächlich alles gleich sein mag, gibt es hinter den Kulissen buchstäblich tausende Unterschiede, die dafür sorgen, dass in einer Familie etwas blendend funktioniert, was in einer anderen schon im Ansatz scheitert.

2.    Es sorgt dafür, dass man seine Kinder, sich selbst und die Familie im ständigen Wettbewerb sieht. Und egal wie gut man in einer Disziplin abschneidet, man wird nie völlig zufrieden sein, denn anderswo wird es immer eine Baustelle geben.

Der sechste und vielleicht wichtigste Paragraph dieses „Gesetzbuches“ lautet deshalb, zwar im Stillen zu vergleichen, aber nur als Kenntnisnahme. Niemals als Anforderungsprofil, um etwas im eigenen Familienleben zu ändern. Jede Familie ist einzigartig. Und das ist gut so.