Sechs Jahre Haft für mörderischen "Liebesbeweis"

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Er wollte seine Freundin nicht verlieren, ihr einen „Liebesbeweis“ erbringen, deshalb sollte eine  andere Frau – ihre beste Freundin aus Zittau- sterben. Wegen versuchten Mordes ist heute ein 21-Jähriger in Görlitz zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht führte Heimtücke und niedrige Beweggründe als Tatmotive an.  Die Kammer verurteilte den zur Tatzeit im vergangenen Sommer 20 Jahre alten Angeklagten nach Jugendstrafrecht.  Er habe mit der Tat eine Art Opfer bringen wollen, dass er seine Freundin liebe, so sinngemäß der Vorsitzende Richter Theo Dahm.

Der aus Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen stammende Abiturient sah in der Frau eine Rivalin. Er habe verhindern wollen, dass sie sich weiter in seine Beziehung einmische, gestand der Angeklagte. Er fuhr Ende August vergangenen Jahres mit der Bahn 700 Kilometer nach Zittau, klingelte an ihrer Tür und gab sich als Postbote aus. Im Hausflur drückte er der 21-Jährigen die Kehle zu und schlug auf sie ein. Sie wurde bewusstlos. Ein herbeigeeilter Zeuge zog ihn von der Frau und verhinderte so ihren Tod. Eine Woche vor der Tat hatte er den Tatort ausgekundschaftet. Er war um das Mehrfamilienhaus an der Eckartsberger Straße  geschlichen,  gab sich als Heizungsmonteur aus und gelangte so in den Keller des Hauses. "Ich wollte mir einen Überblick verschaffen."

"Ich war so wütend, so verzweifelt"

Der Angeklagte – ein jungenhafter Typ mit schwarzer Brille  - erklärte, sie habe ihn und seine Freundin auseinander bringen wollen. Er sei so wütend gewesen, so verzweifelt. Mit der Tat habe er seiner Freundin beweisen wollen, dass es ihm ernst sei.Beide hatten sich 2017 in einem Internetforum kennengelernt. Da war er 16.  Sie lebten zunächst in einer Fernbeziehung,  schickten sich kleine Päckchen, schauten zeitgleich Filme im Internet. Später zog sie in seine Nähe. Viermal trafen sie sich. Für ihn sei sie die erste Freundin, die erste Liebe gewesen. Seine Eltern hatten sich getrennt. "Er isolierte sich, hatte keine Freunde, außer das Internet. Das Studium brach er ab. Mit seiner ersten Liebe entwickelte er eine gewisse Besessenheit. Er konnte sich erstmals einem Menschen anvertrauen, der auch psychische Probleme hatte", so sein Verteidiger André Kanzog. Die beste Freundin seiner Freundin sei ein Störfaktor gewesen. Motive für einen versuchten Mord vermochte der Anwalt nicht zu erkennen. Er plädierte auf versuchten Totschlag.

Der Angeklagte war seinem späteren Opfer bis zur Tat noch nie persönlich begegnet. Sie hatten nur per WhatsApp und auf Instagram Kontakt, tauschten dort ihre sexuellen Phantasien aus, so Staatsanwalt Jürgen Ebert.  Die Zittauerin sollte an jenem Morgen des 27. August vergangenen Jahres ein Päckchen für eine Nachbarin annehmen. Der 21-Jährigen kam die Sache spanisch vor und die Stimme bekannt. Sie rief ihre Freundin in Görlitz an.  Sie beruhigte sie, dass er es nicht sein könne, weil er doch gerade in Köln seine Wohnung renoviere. So ging die Zittauerin arglos die Treppe hinab und öffnete ihm. 

"Er kann Menschen manipulieren"

Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten Heimtücke vor.  "Er hatte schon Ostern vor der Tat den Plan, die Rivalin im Zittauer Westpark zu töten.Seine Tötungsphantasien bezog er aus Computerspielen." Zu diesem Zeitpunkt war die Beziehung zu seiner Freundin in die Brüche gegangen.  Der Angeklagte sei in der Lage, Menschen zu manipulieren. Der Staatsanwalt forderte zehn Jahre Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Dem schloss sich der Nebenklagevertreter an.

Unter Tränen und mit gebrochener Stimme entschuldigte sich der Angeklagte bei der jungen Frau aus Zittau. Soweit hätte es nicht kommen dürfen. "Ich bin trotzdem kein böser Mensch", waren seine letzten Worte.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.