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Schock! Waggonbau Niesky insolvent

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Der Waggonbau Niesky hat das Insolvenzverfahren beantragt. Darüber wurde heute die Belegschaft informiert. Der Besitzer – die Quantum-Gesellschaft -sehe sich nicht in der Lage, den Verlust aus dem letzten Geschäftsjahr auszugleichen. Das teilte die IG Metall mit. Das Werk soll aber erhalten bleiben und der Betrieb mit der Stammbelegschaft fortgesetzt werden - daran seien die Großgläubiger interessiert, so die IG Metall. Im Werk sind derzeit rund 400 Beschäftigte tätig - davon 100 Leiharbeiter.

Grund seien zu viele Aufträge mit hoher Komplexität, die «unter dem Strich defizitär abgeschlossen wurden», erklärte Eduard Janßen, der erst im November die Geschäftsführung bei WBN übernommen hatte. Damit drohe die Zahlungsunfähigkeit.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde nach Angaben des Gerichts der Dresdner Rechtsanwalt Jürgen Wallner bestellt. Die Staatsregierung kündigte Unterstützung zur Sicherung der Arbeitsplätze an.

Ziel des Verfahrens ist es laut Janßen, die Zukunft von WBN zu sichern und die 320 Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sowie rund 700 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Zeitarbeitern «wo immer möglich» zu erhalten. Löhne und Gehälter seien bis einschließlich Februar über das Insolvenzgeld gesichert.

Nach Angaben der IG Metall soll die Quantum die Gewinne aus den vorangegangenen Jahren aus dem Unternehmen herausgezogen haben. Investitionen seien nie geflossen, so die Gewerkschaft. Weiterhin ist unklar, wieso es mit vollen Auftragsbüchern zu so einer Situation kommen kann. Die Aufträge reichen angeblich über das Jahr 2020 hinaus.

Im vergangenen Jahr freute sich der damalige Geschäftsführer Steiner über  einen  Rekord bei den Auftragseingängen.  Im November schloss der Güterwagenhersteller in  Shanghai zwei Verträge im Wert von insgesamt knapp zehn Millionen Euro ab. Einen Monat zuvor bestellte die BASF Spezialwagen in Niesky.

Im Oktober wurde der Geschäftsführer ausgewechselt. Steiner ging, Schröder kam. Wenige Wochen später drehte sich erneut das Personalkarussell. Schröder ging, Janßen kam.

Die Münchner „Quantum“-Gruppe hatte den Güter­wa­gen­her­steller im Juli 2014 von der Deutschen Bahn übernommen. Dabei handelt es sich um eine Investmentgesellschaft.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig bedauerte die Insolvenz – angesichts der gut gefüllten Auftragsbücher. Er sicherte den Nieskyer Waggonbauern zu, die Weiterführung des Betriebes mit allen Kräften zu unterstützen. „Wir stehen mit dem Unternehmen in Kontakt. Die Insolvenz ist auch eine Chance für einen Neustart,, besonders aufgrund der hochqualifizierten, motivierten Mitarbeiter und des vorhandenen technischen Know-hows. Hier stehen auch die Gesellschafter und die Gläubiger in der Verantwortung“, sagte Dulig.