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Schließung von Haribo-Werk: Kritik an Geschäftsführung

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In das einzige ostdeutsche Haribo-Werk in Wilkau-Haßlau sind zu Beginn der 1990er Jahre mehr als eine halbe Million Euro an öffentlichen Fördermitteln geflossen. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums an die Zwickauer Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke) hervor. Demnach wurden dem Unternehmen 1993 im Rahmen des Programms «Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur» knapp 539 000 Euro für Investitionen bewilligt - die Gelder stammten je zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln.

Eine solche Fördersumme sei kein «Pappenstiel», kritisierte Zimmermann. «Öffentliche Fördergelder abgreifen, Gewinne abschöpfen, in nicht ausreichendem Maße modernisieren und nun die Beschäftigten mit der Begründung eines zu hohen Modernisierungsbedarfes vor die Tür setzen, ist wirklich schlechter Stil der Haribo-Geschäftsführung.» Die Politikerin appellierte an das Unternehmen, Alternativen für eine Schließung zu prüfen.

Haribo hingegen verwies darauf, dass nach der Übernahme hohe Investitionen nötig waren, um das Werk zu modernisieren. «Wir haben das Werk anschließend 30 Jahre lang betrieben und in dieser Zeit ebenfalls kontinuierlich investiert, beispielsweise in den Maschinenpark», erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Die Investitionen hätten sich auf mehrere Millionen Euro belaufen.

Das Unternehmen hatte kürzlich bekanntgegeben, das Werk in Wilkau-Haßlau mit rund 150 Beschäftigten zum Jahresende zu schließen. Dagegen wächst seither der Widerstand. Für diesen Samstag haben Gewerkschafter und Politiker zu einer Demonstration auf dem Platz der Völkerfreundschaft in Zwickau aufgerufen.

Auch die Landesregierung hat sich eingeschaltet. «Ich habe das Unternehmen erst am Donnerstag wieder in einem Telefongespräch aufgefordert das Angebot des Freistaates Sachsen anzunehmen und gemeinsam nach Alternativen zur Standortschließung zu suchen», sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Mit der Entscheidung von Haribo zeige sich erneut, dass der Osten «nur die verlängerte und preiswerte Werkbank von Westunternehmen ist und beim kleinsten wirtschaftlichen Gegenwind hier die Segel gestrichen werden, ohne Rücksicht auf Verluste.»

Nach Unternehmensangaben ist der Entscheidung für eine Schließung eine «intensive Wirtschaftlichkeitsprüfung» vorausgegangen. «Wir wissen, dass dies ein schwerer Schritt für unsere Mitarbeitenden vor Ort und den Standort ist», hieß es. Deshalb soll nun mit dem Betriebsrat nach sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiter in Wilkau-Haßlau gesucht werden. (dpa)