Sächsische Impfkommission empfiehlt Corona-Impfung für alle Kinder ab 12 Jahren

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Die Sächsische Impfkommission (Siko) empfiehlt eine Corona-Schutzimpfung für alle Kinder ab zwölf Jahren. Das geht aus einem Update der Empfehlungen zum 1. August hervor. Damit hat die Siko ihre Impfempfehlung für Kinder ausgeweitet. Bisher hatte sie die Schutzimpfung im Alter von 12 bis 15 Jahren bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf empfohlen - sowie für alle nach einer ausführlichen Aufklärung über Nutzen und Risiken.

Sachsens Gesundheitsstaatssekretärin Dagmar Neukirch begrüßte den Schritt und appellierte, das Impfangebot anzunehmen. Kritik an dem sächsischen Kurs kam dagegen von der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

In die neue Bewertung seien Daten aus den USA und Israel eingeflossen, schreibt die Impfkommission. Die Nutzen-Risiko-Abwägung falle demnach zugunsten der Impfung für alle Kinder ab zwölf aus. Die Mediziner haben dabei vor allem den Zusammenhang zwischen einer Impfung und Herzmuskelentzündungen bei Jugendlichen und jungen Männern angeschaut. Die Sächsische Impfkommission bezieht ihre Empfehlung auf die Impfstoffe von Biontech und Moderna. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat bei beiden Impfstoffen grünes Licht für einen Einsatz ab zwölf Jahren gegeben.

Die Siko-Empfehlung weicht nunmehr von der Haltung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts ab. Diese empfiehlt bislang eine Impfung nur für 12- bis 17-Jährige, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung haben. Sachsen hat als einziges Bundesland eine eigene Impfkommission.

Staatssekretärin Neukirch teilte mit, Kinder ab 12 könnten sich in den Kinder- und Hausarztpraxen impfen lassen; ab 14 Jahren sei das auch in den Impfzentren möglich. Weitere Angebote für Familien seien in Vorbereitung. «Mit der neuen Empfehlung, die auf der Auswertung neuer Daten beruht, sind auch die impfenden Ärztinnen und Ärzte auf der sicheren Seite. Dies unterstützt den Fortgang unserer Impfkampagne, gerade mit Blick auf den Start in den Schulen nach den Sommerferien», erklärte Neukirch.

Dagegen kritisierte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, die Siko-Empfehlung. Alle seien sich einig gewesen, dass es ein großes Problem in der Pandemiebekämpfung war, dass jedes Bundesland eigene Wege beschritten habe. Nun gebe es selbst beim Impfangebot Abweichungen. «Das kann zu nichts Gutem führen», sagte Brysch. Er fürchte, dass Impfgegner sich nun bestätigt fühlen in ihrer Ansicht, dass es nicht um wissenschaftliche sondern um politische Entscheidungen gehe. Von Dresden über München bis Hamburg müssten beim Impfangebot die gleichen Prinzipien gelten.