Ruhestätte für Mensch und Tier: Fazit nach einem Jahr

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Aschersleben und Magdeburg waren in Sachsen-Anhalt die Vorreiter, seit etwa einem Jahr ist es auch in Görlitz möglich: Auf dem Städtischen Friedhof können sich dort Tierliebhaber gemeinsam mit ihrem Haustier bestatten lassen. Dafür war eine Änderung der Friedhofssatzung notwendig gewesen. Es wurde eine gesonderte Fläche für die spezielle Art der Beerdigung geschaffen. Die Stadt reagierte damit auf veränderte Wünsche der Menschen im Umgang mit Todesfällen. Wie sieht die Akzeptanz dieser Bestattungsmöglichkeit heute aus?  

Seit Februar 2017 kann eine sogenannte Mensch-Tier-Bestattung in Görlitz umgesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings eine Einäscherung des Haustiers, dies schreibt das Gesetz vor. Auf diese Weise können dann jedoch alle Tiere mit dem Besitzer die ewige Ruhe finden, bei denen eine Einäscherung grundsätzlich machbar ist. Zwei Beigaben pro Grab sind möglich, dazu zählen eben auch die Urnen mit der Tierasche.

Aschersleben hat nach der Einführung der gemeinsamen Beisetzungsmöglichkeit auch viele Anfragen von außerhalb bekommen. In Sachsen fehlte ein vergleichbares Angebot bislang. Allgemein gibt es in Deutschland eine solche Möglichkeit noch in Essen oder Grefrath in Nordrhein-Westfalen und im Rheinland-Pfälzischen Braubach.

Fazit nach einem Jahr

Bis Dezember wurde beim Magdeburger Friedhofsamt erst zweimal nach der besonderen Bestattungsform nachgefragt. Der Magdeburger Tiermediziner Klaus Kutschmann – Mitinitiator der Mensch-Tier-Bestattung in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts sieht den Grund dabei vor allem noch bei bürokratischen Hürden. In Magdeburg kann das verstorbene Tier nur gemeinsam mit seinem Herrchen oder Frauchen in der Urne beigesetzt werden, so die Stellungnahme der Stadtverwaltung.

Hier zeigt sich die Friedhofssatzung von Görlitz oder Aschersleben etwas freier: Die Bestattung des Haustiers kann dort sowohl vor dem Ableben seines Besitzers, als auch noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Diese Regelung scheint in jedem Fall näher an der Realität zu liegen. Dies bestätigt auch das Interesse der Bürger. Hier gibt es rund ein bis zwei Nachfragen pro Woche. 

Grundsätzlich wünscht sich Kutschmann, das Thema auch für andere Begräbnisstätten zu übernehmen. „Damit das Angebot angenommen wird, sollte man es sicher nicht auf einen Friedhof beschränken“, sagt er. Auch im Friedwald oder Ruheforst könnten geeignete Flächen geschaffen werden. Grundsätzlich müsse die Bestattung gemeinsam mit einem Tier noch praktikabler werden.

Dass zunehmend Menschen sich für eine gemeinsame Ruhestätte mit ihrem Haustier wünschen zeigt auch, dass immer weitere Gemeinden in Deutschland dem Beispiel folgen und spezielle Gräberfelder dafür vorsehen. Im November wurde auch im Thüringischen Jena die Friedhofssatzung entsprechend geändert.

Umgang mit einem heiklen Thema

Mit dem eigenen Gräberfeld soll auch auf andere Personen Rücksicht genommen werden, für die eine Grabstätte in der Nähe von Tieren nicht in Frage kommt. Beim Thema Bestattung gilt es grundsätzlich, viel Fingerspitzengefühl zu beweisen und unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen zu respektieren.

Eine Bestattung zusammen mit einem Tier ist nicht neu. Schon früher ließen sich Feldherren etwa gemeinsam mit ihrem treuen Pferd beerdigen. Kutschmann bestätigt, dass auch heute wieder ein größeres Interesse daran besteht. „Die Intensität der Bindung zum Tier hat deutlich zugenommen. Das Haustier wird immer stärker als echtes Familienmitglied, als Partner älterer Menschen, als Mitgeschöpf wahrgenommen“, so Kutschmann. Viele wünschen sich deshalb, ihr geliebtes Tier auch im Tod an ihrer Seite zu haben.

Veränderungen in der Trauerkultur

Seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass mehr Anfragen zu ganz individuellen Beisetzungen bei den Dienstleistern eingehen. Hier spielen nicht nur verschiedene kulturelle Einflüsse eine Rolle. Denn auch damit sind die Bestattungsunternehmen konfrontiert: In anderen Religionen gelten zum Teil ganz eigene Regelungen zum Umgang mit dem Tod. So wurde die Sargpflicht für Muslime 2014 aufgehoben. Sie können seitdem auch nur in ein Leinentuch gehüllt begraben werden. 

Die Vermischung von oder Öffnung für andere Weltanschauungen führt auch hierzulande dazu, dass andere Rituale für eine Beerdigung gewünscht werden. Urnengräber sind heute etwa viel stärker verbreitet als noch vor einigen Jahren. Selbst einen Grabstein wollen inzwischen einige nicht mehr unbedingt haben. Die anonymen Begräbnisse sind ebenfalls auf dem Vormarsch.

Grundsätzlich zeigt sich, dass sich die Menschen viel intensiver mit ihrem Tod beziehungsweise der Art ihrer letzten Ruhestätte beschäftigen. Viele versuchen sich frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, sich über die notwendigen Formalitäten zu informieren, die bei einem Sterbefall auf einen zukommen. Auf diese Weise verliert der Tod etwas von seinem angsteinflößenden Charakter.

Auch für die Angehörigen kann es einfacher sein, wenn jemand zu Lebzeiten bereits Wünsche für seine Bestattung äußert. Zudem fällt es für die jeweilige Person leichter, Vorkehrungen zum Umgang mit dem digitalen Nachlass zu treffen. Auch dieser Punkt gewinnt heute stark an Bedeutung.

Digital Trauern

Denn die Digitalisierung macht auch vor dem Grabstein nicht halt. Ein besonderer Trend der sich hierbei entwickelt hat, ist das Anbringen eines QR-Codes an der letzten Ruhestätte. Mithilfe eines Smartphones können die Besucher des Grabes über den Code dann beispielsweise auf eine Trauerseite im Internet weitergeleitet werden. Das Andenken an den Verstorbenen „lebt“ auf diese Weise in digitaler Form weiter. Auf den speziellen Seiten können Fotos, Videos oder auch nur Texte eingestellt werden, um einen virtuellen Platz für die Trauer zu schaffen.

Laut Psychotherapeutin Anette Kersting sei dies nur eine logische Konsequenz unserer veränderten Kommunikationsgewohnheiten. „Wer wenig soziale Netzwerke nutzt, spricht vielleicht mit seinen Freunden auf herkömmliche Weise über Trauer oder geht zu Trauergruppen. Aber Menschen, die einen Teil ihrer Kontakte im Netz haben, werden dort auch über ihre Trauer kommunizieren“, sagt Kersting.   

Wandel der Friedhöfe als komplexe Aufgabe

Aber auch so spiegelt Bestattungskultur verschiedene gesellschaftliche Veränderungen wider. Fehlt der Bezugspunkt zu einer eigenen Familie, tritt für manche das Verhältnis zu ihrem Haustier stärker in den Vordergrund. Mit dem gemeinsamen Grab soll keinesfalls der Unterschied zwischen Mensch und Tier verwischt werden, vielmehr geht es dabei um die enge Beziehung zwischen beiden.

Viele Friedhöfe oder Bestattungsunternehmen müssen sich diesem Wandel anpassen. Eine größere Vielfalt an Angeboten sowohl bei der Form des Grabes als auch bei der Gestaltung von Trauerfeiern ist heute notwendig, um auf die Veränderungen zu reagieren. Oftmals müssen dafür neue Konzepte für die Friedhöfe erarbeitet werden oder es sind verschiedene Umbaumaßnahmen notwendig.

Hier stehen die Gemeinden auch vor der Aufgabe diese Umgestaltung zu finanzieren. Die Sächsische Gemeinde Kirchberg profitiert hierbei von ihrer Lage im ländlichen Raum. So konnten zum Bau einer neuen Trauerhalle Fördergelder der EU gewonnen werden. Rund 80 Prozent der Kosten werden durch ein Entwicklungsprogramm (Tor zum Erzgebirge - Vision 2020) getragen. Das Gebäude soll im November 2018 fertiggestellt werden, so die Planungen. Die Räumlichkeiten sind dann künftig auch barrierefrei zugänglich.   

Friedhöfe als Begegnungsstätte

Friedhöfe als Orte der Trauer verlieren heute zunehmend ihren düsteren Charakter. Die öffentlichen Ämter und für den Unterhalt zuständigen Stellen versuchen immer häufiger, sie auch als Begegnungsstätte attraktiver zu gestalten. Wird ein Friedhof zu einem freundlichen Park, in den Menschen auch zum Spazierengehen kommen, verliert dieser Ort etwas von seinem Schrecken. Auf diese Weise können diese Flächen zu etwas Alltäglicherem werden.

Ein spezielles Beispiel ist hier der Nordfriedhof in Dresden. Das kleine Areal ist vielen relativ unbekannt. Er wurde bereits 1901 angelegt und diente lange als Garnisonsfriedhof der Sächsischen Armee. Erst seit 1961 ist die Stadt für die Fläche zuständig. Neben zahlreichen Soldatengräbern sind hier jedoch auch „normale“ Bürger beerdigt.

Holger Hase, Vorsitzender des Vereins DenkMalFort beschreibt, was den Friedhof so besonders macht: „Hier sind Menschen nebeneinander beerdigt, deren Leben unterschiedlicher nicht hätte sein können.“  Kaum ein anderer Ort spiegelt die Dresdner Zeitgeschichte so facettenreich wider, denn überraschenderweise finden sich dort auch Gräber polnischer oder russischer Kriegsgefangener. Der Verein engagiert sich dafür, den Friedhof als lebendige Geschichts- und Begegnungsstätte zu erhalten.  
Zudem können auch heute noch Menschen auf dem städtischen Kleinod begraben werden. An einem umfangreichen Konzept, das auch die Nutzung für Vorträge beinhaltet, wird derzeit gearbeitet. Zuletzt wurde die denkmalgeschützte Kapelle umfangreich saniert, um sie weiter nutzen zu können. Grundsätzlich gilt es jedoch, den versteckten Friedhof wieder stärker ins Bewusstsein der Bürger zu rücken.