• Die Angeklagte verbarg ihr Gesicht zu Prozessbeginn hinter einem Aktenordner. (c) Irving Cova

Prozess um totes Baby - Angeklagte Mutter räumt Vorwürfe ein

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Zwickau -

Erst brachte sie ihre zwei Kinder zur Kita, dann heimlich zuhause in der Badewanne einen kleinen Jungen zur Welt: Eine 33-Jährige hat am Donnerstag vor dem Landgericht Zwickau gestanden, für den Tod ihres Neugeborenen verantwortlich zu sein. Sie habe das Kind nach der Hausgeburt in der ersten Augustwoche 2016 in zwei Handtücher gewickelt, aber sonst nicht versorgt, berichtete die Angeklagte zum Prozessauftakt unter Tränen.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau aus Wilkau-Haßlau Totschlag durch Unterlassen vor. Nachdem sie das Bad gereinigt hatte, habe sie den Säugling zu einer Babyklappe nach Aue bringen wollen, so die Erzieherin. Auf der Fahrt dahin habe sie aber festgestellt, dass das Kind tot war. "Ich bin in Panik geraten und wusste nicht mehr weiter", sagte sie. Schließlich habe sie die Babyleiche in einen Müllsack verpackt und auf einer Wiese nahe einer Bushaltestelle im Ortsteil Culitzsch abgelegt. Dort war die Leiche im Juni 2017 gefunden worden. Zwei Monate später wurde die Deutsche anhand eines DNA-Abgleichs identifiziert und in dem Kindergarten verhaftet, wo sie arbeitete.

Die Erzieherin hat drei Kinder. Ein viertes Kind brachte sie 2014 vertraulich in einem Krankenhaus zur Welt und gab es zur Adoption frei. Nach Aussage der Angeklagten sollen ihr damaliger Lebensgefährte und Vater der Kinder sowie ihr Umfeld weder von der vierten noch der fünften Schwangerschaft gewusst haben. Demnach fuhr die Familie noch im Juli 2016 in den Urlaub, die Frau wanderte hochschwanger durch die Berge - immer begleitet von der Angst, die Geburt könne losgehen und damit alles auffliegen. Wenige Tage nachdem sie ihr fünftes Kind in einer Mülltüte abgelegt hatte, feierte sie den Schulanfang ihres zweiten Sohnes. "Ich habe mein Leben weiter gelebt, es wusste ja niemand."

Nach Aussage des Vorsitzenden Richters soll sich das Paar - das mittlerweile getrennt ist - bereits beim zweiten und beim dritten Kind nicht einig gewesen sein. "Es gab deshalb große familiäre Turbulenzen", sagte Richter Klaus Hartmann. Es sei für Außenstehende schwer nachvollziehbar, dass die Frau das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft wieder und wieder auf sich genommen habe.

Am ersten von sechs geplanten Verhandlungstagen blieben viele Fragen offen. So sagte die Angeklagte, sie selbst habe die Nabelschnur nicht zerschnitten. Laut Obduktionsgutachten soll diese aber sauber durchtrennt gewesen sein. Unklar ist auch, ob das Baby noch gelebt hat, als die Frau es in einem Korb gepackt etwa drei Stunden nach der Geburt ins Auto brachte. Nach Aussage der Mutter hat es nicht ein einziges Mal geschrien, sondern nur hin und wieder gewimmert.

Der Prozess wird in zwei Wochen mit der Befragung der Angeklagten fortgesetzt. Zudem soll der Ex-Lebensgefährte aussagen. (dpa)