• Foto: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)

    Foto: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)

Rentner ermordet - lebenslang für Weißwasseraner

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Das Landgericht Görlitz hat heute einen 28-jährigen Mann aus Weißwasser zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt – und zwar wegen Mordes aus Habgier. "Der Angeklagte wartete, bis der Rentner eingeschlafen war. Er holte sich dann zwei Messer und stach damit 19 Mal auf den Mann ein. Der Rentner war sofort tot", sagte Richter Theo Dahm in der Urteilsberündung. Danach hob der Angeklagte mit der EC-Karte des 69-Jährigen insgesamt 1.000 Euro ab.

Von dem Geld kaufte er Rauschgift, kehrte in eine Pizzeria ein und bezahlte Schulden. Anschließend ging er zurück in seine Wohnung an der Glückaufstraße in Weißwasser. Vor dem Haus warteten schon Jugendliche. Der Angeklagte nahm sie mit nach oben. Dort  rauchte er mit ihnen "Gras". "Er inszenierte sich vor den 14- bis 17-Jährigen als freigiebiger Spender", so Dahm.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung plädierten auf Mord. Der Angeklagte legte zuvor ein Geständnis ab. Während der Tat stand er unter Drogen. Außerdem hatte er Antidepressivum genommen. Das Gericht hielt ihn dennoch für schuldfähig.

Das Opfer hatte keine Chance

Das Opfer hatte keine Chance. Es wurde vom Angeklagten im Schlaf erstochen. Der 69-Jährige verblutete. Als er wenige Stunden nach der Tat gefunden wurde, hatte er 2,8 Promille Alkohol im Blut. Eine der beiden Tatwaffen wurde gefunden: in einem Schneehaufen am Kaufland-Markt in Weißwasser. Der  Mörder kannte sein Opfer. Beide wohnten fast Tür an Tür in einem Plattenbaublock an der Glückaufstraße in Weißwasser. Sie trafen sich häufig: Der Angeklagte trank Kaffee, der Rentner seinen täglich Mix aus Kornschnaps und Orangenlimonade.

Drogen und Antidepressiva "eingeworfen"

Am Tag vor der Tat hatte der Angeklagte Marihuana geraucht und „Citalopram“ genommen - ein Psychopharmakon, das gegen Depressionen verschrieben wird. Tags darauf ging er wieder einmal zu seinem Nachbarn. „Ich war nervös und aufgewühlt“, schilderte er im Prozess. Zwischendurch habe er Gras geraucht und wieder Tabletten eingeworfen.Er sei dann wie ferngesteuert gewesen, habe alles verschwommen gesehen. Als der Nachbar auf dem Sofa lag, um seinen Alkoholrausch auszuschlafen, will der Angeklagte wie im Rausch gehandelt haben. Er sah angeblich keine klaren Bilder. Den schlafenden Nachbarn hielt er für einen Bekannten, einen Drogendealer, auf den er Hass hatte.

 Anlaufpunkt für Drogenszene

Seine Wohnung war  ein Anlaufpunkt für die Drogenszene der Stadt. Kleindealer und Konsumenten gingen bei ihm ein und aus. Auf die Frage des Staatsanwaltes, wie alt denn die Abnehmer gewesen seien, antwortete er: zwischen 14 und 17 Jahren. Es gab fast alles, von Haschisch bis LSD.

Geständnis am Schweren Berg

Nach der Bluttat wollte sich der Angeklagte angeblich nach Bayern absetzen. Für ein paar Tage, erzählte er dem Zeugen. Dann änderte er seinen Plan. Er rief einen Kriminalisten aus dem Drogenkommissariat an. Er hatte sich wenige Wochen zuvor der Polizei als Informant der Weißwasseraner Drogenszene angedient. Mit ihm traf er sich an der Esso-Tankstelle in Weißwasser. Sie fuhren zum Aussichtsturm am Schweren Berg. Dort offenbarte er sich seinem Kontakt-Beamten.

"Ich will Tischler werden"

In seinem letzten Wort bedauerte der Angeklagte die Tat. Er könne die Schuld kaum tragen. Im Gefängnis will er eine Tischlerlehre machen und sich in Drogentherapie begeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Audio:

Weißwasser hat ein Drogenproblem. Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu