Pfarrer aus Niesky zu Geldstrafe verurteilt

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Was macht ein Pfarrer? Er predigt, nimmt die Beichte ab, er gibt Beistand. In diesem Fall hat ein Pfarrer aus Niesky selbst Beistand gebraucht. Er musste sich heute wegen fahrlässiger Tötung in Weißwasser vor Gericht verantworten. Ein tragischer Fall.

 Es war der Totensonntag vor zwei Jahren.  Der Pfarrer wollte zum Gottesdienst. Er setzte sich in sein Auto. Die Sonne stand tief. Plötzlich gab es einen Knall.  Der Pfarrer war gegen einen Rollstuhlfahrer gestoßen. Der Mann stürzte aus dem Sitz mit dem Gesicht auf die Straße. Seine Betreuerin wurde zur Seite geschoben. Wenige Tage später war der Rollstuhlfahrer tot. Er wollte wie der Pfarrer zum Gottesdienst.

In der Verhandlung ließ sich der 86-jährige Nieskyer von seinem Sohn, selbst Rechtsanwalt, vertreten. Sein Vater habe den Rollstuhlfahrer  wegen der tiefstehenden Sonne nicht sehen können. Als der Unfall passierte, habe sich der Mann und seine Begleiterin am Straßenrand  im Schatten eines Wohnhauses befunden.  Sie hatten dunkle Kleidung an. Der Verteidiger sprach von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“.

Der Gutachter  kam zum Schluss, dass der Pfarrer durch die innen verschmutzte Scheibe und die blendende Sonne nichts sehen konnte.  Er hätte sie vor Fahrtantritt reinigen müssen, so  Richter Christoph Pietryka.

Der Angeklagte bedauerte den Unfall zutiefst und entschuldigte sich. „Als ich ihn liegen sah, war ich geschockt.“ Er habe den Rollstuhlfahrer seit mehr als 30 Jahren gekannt, ihn nach dem Unfall auch im Krankenhaus und in der Tagespflege besucht. Mit dem Geschehenen müsse er leben bis zu seinem Tod.

Der Richter schlug vor, das Verfahren gegen  Zahlung von 7.500 Euro an die Tafel Weißwasser einzustellen. Das aber wollte die Staatsanwältin nicht. Sie forderte, dass der Pfarrer verurteilt wird, und zwar zu 4.200 Euro.  Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. 

Das Urteil: 3.150 Euro Geldstrafe. Es ist noch nicht rechtskräftig.

Übrigens: Nach der Unfallaufnahme eilte der Pfarrer dienstbeflissen zu seiner Gemeinde und spielte    – „mit schlotternden Knien“, wie er sagte –  die Orgel bis zum Ende des Gottesdienstes. Auch nach dem Vorfall werde er als Pfarrer akzeptiert, antwortete der Angeklagte auf die Frage des Richters, wie die Gemeinde reagiert habe.