«Peace x Peace»-Benefizkonzert in Berlin

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  • Die Fantas­ti­schen Vier beim Benefiz-Konzert «Peace x Peace» zugunsten von Kriegs- und Flücht­lings­kin­dern in Berlin. Foto: Jörg Carstensen

  • Herbert Gröne­meyer (l) mit Smudo von den Fantas­ti­schen Vier beim Benefiz-Konzert «Peace x Peace». Foto: Jörg Carstensen

  • Herbert Gröne­meyer beim Benefiz-Konzert «Peace x Peace» in Berlin. Foto: Jörg Carstensen

  • Sänger Andreas Bourani auf der Waldbühne in Berlin. Foto: Jörg Carstensen

  • Jan Delay von der Band Beginner beim Benefiz-Konzert «Peace x Peace». Foto: Jörg Carstensen

  • Sänger Johannes Oerding auf der Waldbühne in Berlin. Foto: Jörg Carstensen

Berlin (dpa) - Ihr Pfandgeld wollen sich Jessica und Katja heute nicht wiederholen. Sie geben ihre schwarzen Pfandmarken lieber bei einem der zahlreichen Unicef-Stände ab.

Die ein Euro pro Becher gehen - so wie alle Einnahmen - an Familien und Kinder in Krisenländern und auf der Flucht. Das Benefizkonzert «Peace x Peace» lockt an diesem sonnigen Sonntag rund 20 000 Musikfans in die Berliner Waldbühne. Und das für einen vergleichsweise günstigen Preis. 

«Dieses Festival ist mit die egoistischste Art, wie man helfen kann», sagt Michi Beck von den Fantastischen Vier hinter der Bühne. «Die Leute zahlen 45 Euro, haben einen Hammertag mit Superacts. Wir spielen eine Stunde und machen das, was wir am liebsten machen: Musik.» Und Musik verbindet: Vor traumhafter Kulisse und bei bestem Sommerwetter kommen Menschen aller Generationen zusammen. Tanzen, trinken, lachen. Und spenden für den guten Zweck.

«Religion, Geld und Politik haben immer wieder versagt. Musik hat ihr Versprechen, zu vereinen, immer gehalten», sagt Sänger Andreas Bourani. «Wir Künstler haben eine Öffentlichkeit und können den Blick auch auf Themen lenken, die die Politik vielleicht nicht so gerne bespricht oder die im Wahlkampf nicht für Stimmen sorgen.»

Der 33-Jährige spricht im Backstage-Bereich angeregt mit Grünen-Politikerin Claudia Roth, die sich unter das Partyvolk gemischt hat. Beide stammen aus Augsburg. «Ich freue mich, wenn Künstler ihre Kraft einsetzen und dadurch Menschen mobilisieren, sich einzumischen», sagt Roth. «Die Musiker sollen ruhig mal Druck machen auf uns Politiker.»

Der Hamburger Rapper Samy Deluxe nennt einige der Staats- und Regierungschefs, die in wenigen Wochen in seiner Heimatstadt zum G20-Gipfel zusammenkommen, «Diktatoren». Unicef-Deutschlandchef Christian Schneider macht auf der Bühne auf die katastrophale Lage in Syrien aufmerksam. «Kinder werden dort getötet, verletzt und für Gewalt missbraucht.» Insbesondere vor dem G20-Gipfel wollen die Veranstalter ein Zeichen setzen «für Frieden, Mitmenschlichkeit und globale Verantwortung - und gegen einen Rückfall in Nationalismus und aggressive Rhetorik».

Die Künstler verzichten auf ihre Gage, die Vorverkaufsstellen auf die Gebühren. Im vergangenen Jahr bei der Premiere kamen mehr als 400 000 Euro zusammen, die in Projekte für sauberes Trinkwasser in Flüchtlingslagern oder für psychosoziale Hilfe für geflüchtete Kinder flossen.

Festival-Initiator Fetsum Sebhat, selbst Kind eritreischer Kriegsflüchtlinge, hat seit einem halben Jahr zahlreiche Musikerkollegen für «Peace x Peace» angefragt - keine leichte Aufgabe bei einem oft vollen Terminplan. Am Ende sind es rund 20 Acts, die für gute Laune und auch ruhige Momente in der Waldbühne sorgen: Freundeskreis und Joy Denalane, die österreichische Band Bilderbuch, Yvonne Catterfeld, der Berliner DJ Fritz Kalkbrenner, Johannes Oerding und die Beginner. 

Der musikalische Höhepunkt: das Duett der Fantastischen Vier mit Herbert Grönemeyer. Der hatte 2007 den Refrain für ihre Single «Einfach Sein» eingesungen, zusammen auf der Bühne standen sie aber noch nie. «Es ist ein wunderbarer Tag», fasst es Grönemeyer am Ende zusammen - nach fast sieben Stunden Live-Musik für den guten Zweck.