Pavo Pavo: Retro-Pop ohne Staubschicht

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Berlin (dpa) - Merkwürdiger Bandname: Pavo Pavo. Geht zurück auf lateinische und spanische Wörter - und klingt gerade mit der Doppelung schön eingängig. So ähnlich verhält es sich auch mit der Musik dieser fünfköpfigen US-Truppe aus Brooklyn.

Etwas schräg und bisweilen verschroben, aber toll gemacht und bei aller kunstvollen Vertracktheit zugänglich. Konkreter: Der Sixties-Harmony-Sound der Beach Boys (oft) oder Zombies (etwa im Zitatreigen von «No Mind») trifft beim Pavo-Pavo-Debüt «Young Narrator In The Breakers» (Bella Union/Pias) auf den Pracht-Folk der Fleet Foxes und die Psychedelic-Artpop-Extravaganz von The Flaming Lips oder Super Furry Animals.

Da hört man originale «Pet Sounds»-Orgeln und -Ploppbässe (etwa im Instrumental «A Quiet Time With Spaceman Sputz»), Mellotron-Schwaden wabern durchs Klangbild, männlich-weibliche Vocals erzeugen himmlische Harmonien (Anspieltipp: «Wiserway»). Dezente elektronische Experimente stehen für die Modernität eines Retro-Sounds, der so gar nicht angestaubt oder verkrampft wirkt.

In einem «Guardian»-Interview offenbarte Frontmann Oliver Hill kürzlich diverse Bezugspunkte und Einflüsse für diese in ihrem melodieseligen Phlegma wunderbar entspannende Platte. Dazu gehört etwa Woody Allen, dessen Kinofilm-Heldin Annie Hall Pavo Pavo ein eigenes Lied gewidmet haben.

In mehreren Studios seien die Songs von «Young Narrator...» aufeinandergeschichtet und zusammengeschraubt worden, erzählte Hill, dessen wichtigster Partner die Co-Vokalistin, Geigerin und Keyboarderin Eliza Bagg ist (die im abschließenden Highlight «2020...» fast so schön kiekst wie Kate Bush). So entstand in sorgfältigen Sessions ein Sound-Puzzle, dem man die immense Mühe einerseits anhört, das andererseits schwebend leicht klingt.