Nadine Khouri: Viel Raum für eine reife Stimme

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  • Nadine Khouri startet äußerst vielver­spre­chend. Foto: Steve Gullick

Berlin (dpa) - Der erste Track führt ein wenig in die Irre: Irgendwie Weltmusik, denkt man, mit nahöstlich-arabischen Klangfarben, daneben dezent «westliche» Singer-Songwriter-Ästhetik. Nadine Khouris Album-Opener «Thru You I Awaken» flirtet mit Exotik, ist aber nicht unbedingt typisch für den Rest ihres Studiodebüts.

Auch dank renommierter Mitstreiter wie John Parish, Adrian Crowley und Emma Smith ist «The Salted Air» (One Flash/Indigo) letztlich ein dunkles, minimalistisches Indiepop-Album, das an Hope Sandoval (Mazzy Star) und PJ Harvey ebenso erinnert wie an Beth Gibbons (Portishead) oder Jeff Buckley.

Vor allem lässt die reduzierte Instrumentierung der zehn Songs Khouris reifem Gesang dankenswerterweise viel Resonanzraum. Denn der hat es in sich: kein kraftstrotzendes, zu Showeffekten neigendes Soul-Organ - eher verhalten, hauchend, träumerisch, dabei sehr warm und eindringlich. Dass diese Platte live in einem schummrigen georgianischen Kellergewölbe in Bristol aufgenommen wurde - es passt zu dieser ungewöhnlichen Stimme.

Im Libanon geboren, floh Nadine Khouri während des Bürgerkriegs mit ihren Eltern nach England, wo sie nach einem New-York-Intermezzo inzwischen wieder lebt. Ihre erste künstlerische Visitenkarte war vor sieben Jahren die Fünf-Song-EP «A Song To The City». Dieses hoch gelobte Minialbum führte zum Kontakt mit John Parish, der «The Salted Air» nun als Produzent nun zu einem Dreampop-Juwel geschliffen hat. Ein vielversprechender Start einer Singer-Songwriter-Karriere.