• In Sachsen laufen viele Initiativen zum Umwelt- und Klimaschutz. stock.adobe.com © Jürgen Fälchle # 84392910

    In Sachsen laufen viele Initiativen zum Umwelt- und Klimaschutz.

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Nachhaltigkeit in Sachsen – aktuelle Maßnahmen und Initiativen

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Der Freistaat Sachsen befasst sich schon seit geraumer Zeit mit dem Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Demensprechend hat das Bundesland einige Maßnahmen und Initiativen in die Wege geleitet, um seinen Beitrag zu einem grüneren Deutschland zu leisten.

Reparieren statt wegwerfen

In ganz Deutschland werden immer mehr Stimmen laut, gegen die Wegwerfgesellschaft und den rasanten Ressourcenverbrauch vorzugehen und damit den stetig wachsenden Müllbergen Einhalt zu gebieten.
Ein wichtiger Schritt bestünde darin, dass Hersteller ihre Produkte nicht weiter mit bewussten Schwachstellen ausstatten. Es ist inzwischen gängige Praxis, dass elektronische Geräte wie Drucker, Computer, Fernseher, Staubsauger und Waschmaschinen nach einer bestimmten Zeit nicht mehr funktionieren. Durch diesen geplanten Verschleiß verkürzt sich die Lebensdauer dieser Geräte enorm.

Dazu kommt, dass heutzutage kaum noch jemand weiß, wie diese Geräte funktionieren und noch weniger, wie man sie reparieren könnte. Eine Reparatur – sofern sie denn möglich ist – lässt sich nur mit Fachpersonal bewerkstelligen, was wiederum mit hohen Kosten verbunden sein kann. Dementsprechend landen kaputte elektronische Geräte häufig auf dem Müll.

Umso wichtiger ist es, ein Bewusstsein für Alternativen zu schaffen. Eine Möglichkeit bieten die sogenannten Repair-Cafés, die es auch in Sachsen immer häufiger gibt. Hier können Verbraucher ihre elektronischen Geräte oft kostenlos oder zu einem geringen Entgelt reparieren lassen. Ähnliche Reparaturnetzwerke sind der Verbund Offene Werkstätten und das Netzwerk Reparatur-Initiativen.

Nachrüsten statt neukaufen

Eine weitere Maßnahme, um gegen das Konzept der Wegwerfgesellschaft anzugehen, besteht darin, Besitztümer nachzurüsten. Statt also gleich ein neues Auto, Fahrrad oder Musikinstrument zu kaufen, nur weil das Modell, das man bereits hat, nicht über alle gewünschten Features verfügt, kann man in vielen Fällen nachrüsten. Das bewahrt vor einer teuren Neuanschaffung und bestehende Besitztümer lassen sich mit wenigen Handgriffen aufwerten.

Ein gutes Beispiel ist der Heimcomputer. Wer einen stationären PC nutzt, hat die Möglichkeit, das Gerät bezüglich der Rechen- und Speicherkapazität nochmals aufzurüsten. Zwar ist dies nicht unbegrenzt (oft) machbar, dennoch lässt sich der Kauf eines neuen Computers somit nochmals herauszögern und unnötiger Elektroschrott vermeiden.

Selbst bei Musikinstrumenten sind Nachrüstungen möglich. Um den Tonumfang zu erweitern, ist es beispielsweise möglich, bei einer vierventiligen Es-Tuba ein fünftes Ventil nachzurüsten. Dadurch erhält man den Tonumfang und die Möglichkeiten einer F-Tuba. Statt ein komplett neues Instrument anschaffen zu müssen, kann die Tuba somit noch relativ kostengünstig lange weiter genutzt werden.

Das Thema Smart Home ist ebenfalls in aller Munde. Dabei ist es mittlerweile möglich, auch ältere Heimelektronik so nachzurüsten, dass sie einen Zugang zum Internet oder einem anderen Netzwerk erhalten und somit smart steuerbar werden. Eine recht einfache Lösung bietet der Weg über die Stromleitung, etwa per Powerline-Adapter. Damit lassen sich auch ältere Hifi-Geräte per WLAN-Zugriff steuern. Für Fernsehgeräte sorgt alternativ auch ein mobiler Surfstick als Brücke zum Internet und somit zu verschiedenen Online-Streaming-Anbietern.

Auto

Nahezu jeder Neuwagen – und längst nicht mehr nur ein Modell einer höheren Fahrzeugklasse – ist heutzutage mit diversen Assistenzsystemen ausgestattet. Dazu gehören Abstandshalter, Lichtsensoren, Einparkhilfen, Regensensoren, Rückfahrkameras und Kollisionswarner. Das weckt bei den Fahrern älterer Automodelle Begehrlichkeiten. Statt sich aber nach einem neuen Auto umschauen zu müssen, kann man viele Assistenzsysteme inzwischen problemlos nachrüsten lassen.

Auch andere Features wie eine Klimaanlage oder ein Digitalradio können noch nachträglich eingebaut werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Features in einer Fachwerkstatt eingebaut werden, um die Funktionsweise des Autos gewährleisten zu können.

Fahrrad

Wer statt seinem normalen Fahrrad lieber ein E-Bike hätte, braucht sich ebenfalls keine Gedanken um eine teure Neuanschaffung zu machen. Es gibt Nachrüstsätze, mit denen man das Fahrrad nachträglich mit einem Elektromotor ausstatten kann. Dazu braucht man nicht zwingend Fachkräfte – wer ein wenig Geschick hat und beispielsweise einen Fahrradschlauch wechseln kann, schafft auch die Nachrüstung zum E-Bike.


Die sächsische Nachhaltigkeitsstrategie

Am 27. November 2018 wurde die „Nachhaltigkeitsstrategie für den Freistaat Sachsen 2018“ beschlossen. Sie stellt eine Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Jahr 2013 dar und berücksichtigt gleichermaßen die ökonomische, ökologische und soziale Dimension nachhaltiger Entwicklung.

Der erste Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2016 hat eine insgesamt positive Bilanz gezogen: Im Freistaat Sachsen hat sich der CO2-Ausstoß verringert, der Anteil der erneuerbaren Energien ist angestiegen und die Waldflächen wurden erfolgreich vermehrt, um nur einige Aspekte zu nennen.

Mit der Anpassung der bisherigen Nachhaltigkeitsstrategie orientiert sich die Sächsische Regierung an der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und den fünf Leitprinzipien der globalen Nachhaltigkeitsziele. Statt der acht bisherigen, erstreckt sich die neue Strategie auf neun Handlungsfelder:

  • Bildung und Wissenschaft
  • Öffentliche Finanzen
  • Energie und Klima
  • Natürliche Lebensgrundlagen und Ressourcenschutz
  • Städte und Ländlicher Raum
  • Wirtschaft, Innovation, Fachkräfte
  • Gesundheit und Lebensqualität
  • Kulturelle Vielfalt, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Chancengerechtigkeit
  • Internationale Beziehungen und Entwicklungszusammenarbeit


Artenschutzprogramme in Sachsen

Weltweit sind eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, die Roten Listen werden immer länger. In Sachsen gelten laut dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie über 1.100 Arten als vom Aussterben bedroht, weitere 4.000 Arten sind gefährdet.

Einige Arten sind schon seit vielen Jahren von der sächsischen Bildfläche verschwunden. Darunter sind das Auerhuhn, die Uferschnepfe, der Gartenschläfer, das Europäische Ziesel und mehrere Arten von Tagfaltern sowie Farn- und Samenpflanzen. Insgesamt ist der Zustand besorgniserregend.

Dagegen geht Sachsen mit verschiedenen Artenschutzprogrammen aktiv an. Eine Maßnahme ist das Artenschutzprogramm Birkhuhn, das im Jahr 2016 ins Leben gerufen wurde.


Weitere Maßnahmen sind:

  • das Akteursnetz „Kleingewässer für die Kreuzkröte“
  • der Quartierschutz für Nordfledermaus und Kleine Hufeisennase
  • der Schutz verschiedener Wiesenbrüter-Arten wie Braunkehlchen, Bekassine und Wachtelkönig
  • Schutz verschiedener Bodenbrüter-Arten wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche
  • das Artenschutzprogramm Weißstorch
  • Maßnahmen zum Schutz des Feldhamsters

Dazu hat Sachsen 270 sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH), 77 Europäische Vogelschutzgebiete und 52 Fledermausschutzgebiete.

Luftreinhalteplan für Sachsens Großstädte

In den sächsischen Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz wurde jeweils ein Luftreinhalteplan erstellt. Die Strategien werden stetig weiterentwickelt.

In Dresden wurde zur Weiterführung des Luftreinhalteplans 2011 im November 2017 ein Neuentwurf verabschiedet. In Leipzig wurde der Plan von 2009 im Jahr 2018 fortgeschrieben und in Chemnitz wurde der Luftreinhalteplan von 2008 durch eine Neuauflage im Jahr 2011 ersetzt.

Diese Luftreinhaltepläne der Städte sollen gewährleisten, dass die für Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2) gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte zukünftig nicht mehr überschritten werden.

Um die Schadstoff- und Feinstaubbelastung dauerhaft zu senken, wurden in den einzelnen Städten verschiedene Maßnahmen ergriffen. Dazu gehört du Ergänzung der Infrastruktur, die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und die Anpassung der Verkehrsorganisation. Des Weiteren wurden Tempobeschränkungen herabgesenkt, die Verbesserung des Verkehrsflusses etwa durch die Optimierung der Ampelanlagen sowie Konzepte zur Stärkung des Fuß- und Radverkehrs eingeführt.


Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Um in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu stärken, gibt es im Laufe des Jahres immer wieder Veranstaltungen in Sachsen.

Ausstellung „Don’t think, just use? – Nachhaltigkeit neu denken“

Im März 2020 können sich Interessierte in Dresden die Ausstellung zum Thema „Nachhaltigkeit neu denken“ anschauen. Es geht vor allem um die Frage nach der Vermittlung es Themas Nachhaltigkeit und den bisherigen Strategien für die Umsetzung nachhaltiger Konzepte.

Kursangebote an den Volkshochschulen

An Sachsens Volkshochschulen werden in diesem Jahr wieder einige Kurse angeboten, auch zum Thema Nachhaltigkeit, Klima und Umwelt:

  • Chemical Cotton Kills – Workshop mit Diskussion (VHS Chemnitz)
  • "Direkt vom Beet". Eine Plattform für einen nachhaltigeren Alltag (VHS Chemnitz)
  • Eine andere Welt ist möglich – Eine Exkursionsreihe zum Thema Nachhaltigkeit in Theorie und Praxis (VHS Dresden)
  • Naturschutz und Nachhaltigkeit – Herausforderung vor der eigenen Haustür! (VHS Dresden)


Leipziger Umwelttage

Pünktlich zum Weltumwelttag am 5. Juni finden in Leipzig die Umwelttage statt, in diesem Jahr vom 5. bis 21. Juni. Für alle Altersstufen wird ein buntes Programm mit Umweltveranstaltungen in und um Leipzig geboten. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Leipziger Ökofete am 21. Juni. Hier gibt es Wissenswertes über Umwelt, Nachhaltigkeit und Naturschutz sowie Bio- und Fairtrade-Produkte.

Forum Nachhaltiges Leipzig

Seit 20 Jahren vergibt das Forum Nachhaltiges Leipzig (ehemals Leipziger Agenda 21) den Leipziger Zukunftspreis (früher Leipziger Agenda-Preis) an Akteure, Projekte und Vereine, die sich aktiv für die nachhaltige Entwicklung der Stadt einsetzen. Im vergangenen Jahr fand die Preisverleihung am 26. September statt. Dabei wurden Preisgelder von insgesamt 12.000 Euro vergeben.

Sächsische Nachhaltigkeitskonferenz

Die 8. Sächsische Nachhaltigkeitskonferenz findet am 6. und 7. November in Chemnitz statt, inklusive der Verleihung des Nachhaltigkeitspreises.