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Nachhaltige Energiegewinnung in Sachsen: Geht es aktuell voran?

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Die nachhaltige Energiegewinnung ist auch in Sachsen ein großes Thema. Einerseits gibt es zahlreiche positive Ansätze, andererseits scheitern flächendeckend zufriedenstellende Ergebnisse noch immer an beispielsweise instabilen Stromnetzen bei zu viel Einspeisungen von Wind- und Sonnenenergie. Außerdem scheinen Städte, die jahrelang den Europäischen Energiepreis verliehen bekamen, langsam mehr und mehr Probleme zu bekommen.

Vor wenigen Tagen wurden etwa Stimmen aus dem Bad Dübener Rathaus laut, die besagten, es werde immer schwieriger, „die Kriterien für die Zertifizierung zur Energiesparstadt zu erfüllen“. Geht es mit der nachhaltigen Energiegewinnung dennoch weiterhin voran und falls ja, wie äußert sich dieser Fakt?

Bad Düben – ein aktueller Fall

Im Herbst vergangenen Jahres wurde der Kleinstadt Bad Düben zum vierten Mal der Europäische Energiepreis verliehen. In diesem Jahr muss der Stadtrat nun entscheiden, ob die Kurstadt sich in vier Jahren erneut dem Verfahren stellen soll oder ob man die Idee aufgibt. Aktuelle Stimmen aus dem Bad Dübener Rathaus sind skeptisch und der Meinung, den Gold-Status zu erreichen, den etwa Delitzsch, das mittlerweile auch den European Climate Award erhalten hat, sei im Grunde unrealistisch. Während Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) jüngst selbst die Schwierigkeit für die Erfüllung der Kriterien für die Zertifizierung zur Energiesparstadt betonte, äußerte sich Markus Krisch vom Bauamt zum European Climate Award unmissverständlich: Selbst 50 Prozent der notwendigen Punkte zu erfüllen, sei keine Leichtigkeit, 75 Prozent dagegen noch einmal eine andere Hausmarke. Wenn also selbst die bislang vorbildhafte Kurstadt langsam Schwierigkeiten hat, steht dann die nachhaltige Energiegewinnung in Sachsen insgesamt eher auf der Kippe?

Auch hier wieder äußert sich ein Bad Dübener und hält dagegen. Günter Dietzsch, Mitbegründer des Öko-Beirates in der Kurstadt, ist zwar selbst nicht mehr direkt politisch aktiv, steht der Stadt als Ansprechpartner und Kritiker aber immer noch beratend zur Seite. Seine Meinung ist, dass die Möglichkeiten durch technische Neuerungen, Energie etwa dort zu verbrauchen, wo sie erzeugt wird und auf diese Weise nachhaltiger zu wirtschaften vorhanden seien, dass diese Möglichkeiten jedoch auch stärker öffentlich gemacht werden müssen.

Das gilt eben nicht nur für Bad Düben, sondern für ganz Sachsen und darüber hinaus. Nur wenn die Bevölkerung einer Stadt informiert und aufgeklärt ist, kann sie sich an einer nachhaltigeren Energiegewinnung beteiligen. Eine offensivere Öffentlichkeitsarbeit ist dafür unabdingbar. Denn nur dadurch kann auch wirklich der Großteil der Bürgerinnen und Bürger beispielsweise von den seit Kurzem zugelassenen speziellen Einspeise-Modulen erfahren: Jeder, der einen Carport, eine Garage oder einen Balkon hat, der viel Sonne abbekommt, kann sie nutzen. Die kleinen Anlagen mit Steckeranschluss kosten knapp 400 Euro und sind in der Lage, einen netten Anteil erneuerbarer Energie zu erzeugen.

Wie die Stromverteilung effektiver gesteuert werden soll

Ein weiteres Problem, mit dem Vertreter der nachhaltigen Energiegewinnung auch in Sachsen noch immer zu kämpfen haben, ist die Steuerung der Stromverteilung: Noch immer müssen viele Kraftwerke wegen Überkapazitäten durch Sonnen- und Windenergie etwa manuell vom Netz genommen werden. Bei einer Länge von über 1,8 Millionen Kilometern des deutschen Stromnetzes wird dabei zwischen sieben verschiedenen Netzebenen differenziert. Man kann sich so gut vorstellen, dass manuelle Eingriffe nicht unkompliziert, aufwendig und teuer sind. Mitunter werden zudem beispielsweise mehr Windanlagen heruntergefahren, als eigentlich nötig, damit das Netz stabil gehalten werden kann. Ein neu entwickeltes System der Uni Magdeburg soll nun allerdings dabei helfen, mittels eines Netzleitstandsimulators die Steuerung von Stromnetzen zu automatisieren.

Auf einer großen Projektionswand verlaufen bei der Simulation rote Linien durch die schematische Darstellung des Landes, Umspannwerke sind durch rote und grüne Balken dargestellt. Tabellen und Karten finden sich an den Rändern, Listen, deren Werte sich farbig ändern, je nachdem, wie stark die Belastung des Stromnetzes gerade ist. Bei roten Werten droht eine Überlastung des Stromnetzes, weil etwa zu viel Windstrom gleichzeitig ins Netz drängt. Mitarbeiter müssen dann reagieren und eine weitere Stromleitung zuschalten; würde der Wind allerdings noch stärker, müssten einzelne Anlagen vom Netz genommen werden.

Ähnlich der Simulation an der Uni Magdeburg könnte die tägliche Arbeit in tatsächlichen Netzleitwarten deutschlandweit in Zukunft ablaufen. Diese Netzleitwarten kontrollieren und steuern den die Stromnetze bislang manuell. Macht das System zukünftig aber Vorschläge, wie sich das Stromnetz möglichst effektiv steuern lässt, kann ein Herunterfahren von zu vielen Wind- oder Sonnenanlagen vermieden werden. Zusätzlich dazu ließe sich mit der „Automatisierung“ außerdem eine Menge Geld sparen, was letztlich auch den Stromkunden wieder zugutekommt.

Am 8. Januar dieses Jahres gab Armin Willingmann, Wissenschaftsminister Sachsen-Anhalts, den offiziellen Startschuss für das rund eine halbe Million Euro teure Netzleitsystem. Der SPD-Politiker ist überzeugt davon, dass eine stabile Energieversorgung das Rückgrat der Wirtschaft und der modernen Gesellschaft im Allgemeinen ist. Mit dem neuen Netzleitstand könne Forschung und Ausbildung auf Top-Niveau betrieben werden. Außerdem, so Willingmann, könne die Uni Magdeburg eine bundesweite Vorreiterrolle bei der Energieforschung einnehmen und für einen Ausbau der Zusammenarbeit mit Netzbetreibern sorgen. Diese haben bereits teilweise ihr Interesse bekundet. Gerade in Ostdeutschland, wo viele kleine Windkraftanlagen über weite Flächen verteilt sind, ist der Bedarf groß. Eine effiziente Steuerung des Systems ist für die Mitarbeiter in den Leitwarten zukünftig nur mit einer automatisierten Lösung garantiert.

Die Förderung dezentraler Stromspeicher und E-Mobilität

Eine Lösung, wie die der effektiveren Steuerung der Stromverteilung entspricht auch den Plänen Sachsens was die Zukunft der dezentralen Stromspeicher zur Erzeugung nachhaltiger Energie sowie der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge angeht. Denn das erfolgreiche Landesprogramm zur Förderung dieser Stromspeicher, die zur Flexibilisierung selbst erzeugten Stroms aus Photovoltaikanlagen beitragen, wird fortgesetzt. 3,5 Millionen Euro sollen 2018 dabei helfen, die Markteinführung von Stromspeichern weiterhin zu begleiten. Wird die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Zukunft zusammen mit einem Stromspeicher oder auch einem Nachrüstsatz beantragt, kann auch diese seit Neustem gefördert werden.

Seit dem 4. Januar 2018 gelten höhere Fördergrenzen bis 50.000 Euro sowie an die Marktentwicklung angepasste Fördersätze. Mit einem Sockelbetrag von 1.000 Euro zzgl. eines Leistungsbetrages in Höhe von 200 Euro pro kWh Nutzkapazität wird die Anschaffung konventioneller, nachhaltiger Stromspeicher unterstützt. Wer sich für eine mit dem Stromspeicher verknüpfte Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge entscheidet, erhält außerdem 400 Euro pro Ladepunkt AC und 1.500 Euro pro Ladepunkt DC.

Indem Strom und Mobilität auf diese Weise verknüpft werden, könnte die Entwicklung in Richtung nachhaltigerer Energien und nachhaltiger Mobilität in Sachsen weiter rasch voranschreiten. Außerdem werden Netze vor Ort entlastet und Kommunen und Unternehmen, die ihre Eigenversorgungsquote erhöhen wollen, effektiv unterstützt.

Sachsen und der Energiepflanzenanbau

Neben Wind- und Sonnenenergie dürfte weiterhin auch der Energiegewinn aus dem Energiepflanzenanbau für Sachsen interessant sein. Denn die nachwachsenden Rohstoffe, die gezielt für die Erzeugung von Wärme, Strom und Kraftstoffen in der Landwirtschaft angebaut werden, könnten in einer ölknapperen und vielleicht gar nicht mehr so weit entfernten Zukunft noch wichtigere Energieträger werden, als sie es bisher schon sind.

Denn die Energie aus pflanzlicher Biomasse ist:

•    erneuerbar
•    vielseitig
•    speicherbar
•    grundlastfähig
•    bedarfsgerecht
•    und regional verfügbar

Bereits 2015 betrug der Anteil der Erneuerbaren Energien in Sachsen 10,5 % am Endenergieverbrauch und 19,5 % am Bruttostromverbrauch. Die Bioenergie mit 8,5 % leistete dabei einen entscheidenden Beitrag. Die Tendenz ist bundesweit steigend: Von 2010 bis 2015 nahm die Zunahme der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Anbau von Energiepflanzen um 13 % zu. Die meiste Fläche nahmen dabei Mais und Raps in Anspruch. Insgesamt ist zu beobachten, dass sich die Anbaufläche für Energiepflanzen verschiedener Verwertungsrichtungen in Deutschland unterschiedlich entwickelt. Wo jene für Öl und Biodiesel sowie für Bioethanol leicht abgenommen hat, ist jene für Biogas, und Brennstoff stark angewachsen. Die Gesamtanbaufläche für Energiepflanzen betrug, zum Zeitpunkt der Datenerhebung des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, immerhin 125.000 ha. Umgerechnet sind das knapp 14 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche und 18 % der Ackerfläche, womit Sachsen leicht über Bundesdurchschnitt liegt. Bleibt abzuwarten, ob die positiven Entwicklungen, Ansätze und Ideen auch weiterhin erfolgreich umgesetzt werden können.