Update: Sarrasani meldet sich nach Donnerwetter vom OB zu Wort

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+++Stand Montag 06:59+++

Nachdem OB Dirk Hilbert im Stadtrat zum Thema Sarrasani- Zelt der Kragen geplatzt ist, hat sich der Varité-Chef nun selbst zu Wort gemeldet. In einem schriftlichen Statement entschuldigte sich André Sarrasani zunächst,  falls er ...Menschen oder Institutionen falsch behandelt haben sollte. Man habe alles gemacht wie immer und sei sich keines vorsätzlichen Fehlverhaltens bewusst.  Das komplette Statement finden Sie unten.

Das Trocadero-Zelt neben der Marienbrücke muss wieder abgebaut werden, weil der Standort laut Stadt nicht genehmigungsfähig ist und das schon zu Jahresbeginn so kommuniziert wurde. Wie uns eine Stadtsprecherin auf Nachfrage mitgeteilt hat. 

+++Stand Freitag 15:41 Uhr +++

Sarrasani baut das Zelt an der Marienbrücke wieder ab. Eine Woche nachdem die Bauaufsicht den Baustopp verhängt hat, sind am Freitagnachmittag die Arbeiter angerückt. Der Standort am Elbufer zwischen Kongresszentrum und Marienbrücke war von vornherein nicht genehmigungsfähig. Der Platz befindet sich  im Überschwemmungsgebiet der Elbe und durch den geringen Abstand zur Marienbrücke ist auch der Brandschutz nicht gewährleistet.

Wie uns die Stadt auf Nachfrage mitgeteilt hat, wurde Varieté-Chef André Sarrasani schon bei einem persönlichen Gespräch Anfang des Jahres darüber informiert. Man habe ihm Alternativstandorte angeboten: am Airportpark in Klotzsche, neben dem Alten Schlachthof auf der Leipziger Straße und ein Grundstück an der Freiberger Straße ( ehemaliger Kohlebahnhof).

Zudem erklärter OB Dirk Hilbert im Stadtrat man habe Hinweise zu einem dauerhaften Standort gegeben. " Wer dann einfach meint, er kann jetzt  einfach mal aufbauen und es wird schon mit meinem Namen klar gehen. Entschuldigung, da muss er in andere Republiken gehen. Wir haben in Deutschland immer noch Recht und Gesetz und das wird hier eingehalten", wetterte der Oberbürgmeister im Dresdner Stadtrat.

Die Freien Wähler vermuteten bei dem Verbot des Zeltes an der Marienbrücke Willkür der Verwaltung. Ein Eilantrag der Fraktion wurde aber im Stadtrat abgeschmettert.

Für Sarrasani hingegen drängt die Zeit. Am 20.November soll die neue Dinnershow  "Showtime" Premiere feiern.

Audio:

Erkärung von Sarrasani nach OB-Statement im Stadtrat

Statement von André Sarrasani zur Standort-Thematik

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei erhalten Sie ein persönliches Statement von André Sarrasani zum Thema Standort Trocadero, Dresden, 18. Oktober 2020:

„Jetzt sieht es dann doch so aus, dass wir nach dem emotionalen Statement des Oberbürgermeisters Dirk Hilbert, das für unser diesjähriges Sarrasani Gastspiel vorgesehene Gelände freigeben müssen. Selbstverständlich beugen wir uns dieser final wirkenden Entscheidung der Verwaltung, auch wenn uns deren Entstehung, Begründung und Ausrichtung fragend und traurig zurücklassen. Falls wir mit unserer Art und Weise, mit der wir versuchten durch eine außergewöhnliche Locationwahl unser Unternehmen durch die schwierigen Zeiten dieser Pandemie zu manövrieren, Menschen oder Institutionen falsch behandelt haben sollten, dann tut uns das leid. Dieses war genauso wenig unsere Absicht, wie es auch nicht geplant war, sich über bestehende Regeln oder gar geltendes Recht hinwegzusetzen.

Wir haben uns zu 100 Prozent analog zum bisherigen gültigen Procedere ähnlicher, ebenfalls vorerst temporärer Zeltaufbauten vergangener Jahre in Dresden, verhalten. Daher sind wir uns keines vorsätzlichen Fehlverhaltens bewusst, welches so ein heftiges und restriktives Einschreiten der Verwaltung und deren Spitze rechtfertigen würde. Darüber hinaus verwundert auch der Zeitpunkt dieses städtischen Einschreitens.

Vor dem Hintergrund, dass seit Monaten unterschiedliche Medien in ganz Dresden und aus dem Umland über unser Aufbauvorhaben an genau diesem Ort informiert haben, wäre ein konstruktiver Dialog mit den Verantwortlichen weit im Vorfeld wünschenswert gewesen. Die ebenfalls vorgebrachte städtische Aussage, dass unser Vorhaben an dieser Location aufzubauen, schon im Frühjahr negativ beurteilt wurde, verwundert. Haben doch die Auskünfte damals, sich nach unserem Verständnis, nur auf einen wirklichen Bauantrag bezogen und nicht auf die von uns favorisierte zeitlich begrenzte Nutzung der Liegenschaft. 

So sehr wir als Showmenschen insbesondere in diesen äußerst stressigen Zeiten eine emotionale Überreaktion des Stadtoberhauptes in dieser Sache nachvollziehen können, so sehr verbitte ich mir Angriffe auf meine Person, meine Familie und meine Zunft. Der Circus, das Varieté, SARRASANI und die gesamte Kultur haben es schon schwer genug, sind sie doch der Kollateralschaden jeglicher Aktionen der Pandemie-Bekämpfung. Wir - und auch die Menschen dieser Stadt - können daher alles besser gebrauchen, als diese unwirschen Grabenkämpfe, die nur Kräfte zehren und dazu noch enorme Verunsicherung beim Publikum schaffen.

Es bleibt nun festzuhalten, dass die erhoffte Hilfe der Stadtväter ausblieb und Sarrasani weiter ziehen wird. Und wieder einmal, wie auch schon immer wieder in den letzten hundert Jahren, werden wir uns dafür aber umso mehr auf die Unterstützung unseres treuen Publikums verlassen können! So wie sich unser Publikum auch auf uns, Sarrasani, verlassen kann. Denn, wie mein Vater schon sagte: „der Circus muss spielen. Jetzt und in Zukunft!“