Mutige Auer bezwingen im Heimspiel den VfL Bochum

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Martin Männel streckte nach dem Schlusspfiff beide Fäuste in den Abendhimmel. Der Torwart und Kapitän von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue hatte nach dem 1:0 (1:0) gegen den VfL Bochum doppelten Grund zur Freude. Zum einen bejubelte er drei wichtige Punkte für sich und sein Team, zum anderen ist Männel seit Freitagabend neuer Rekordspieler des FC Erzgebirge. Der 32-Jährige absolvierte gegen Bochum seinen 419. Pflichtspieleinsatz für Aue und löste damit den bisherigen Rekordhalter Holger Erler ab.

Zum Matchwinner gegen Bochum avancierte Gaetan Bussmann. Der Linksverteidiger erzielte in der 29. Minute den entscheidenden Treffer. Nach dem neunten Saisonsieg klettern die Auer in der Tabelle mit nun 32 Punkten zumindest vorübergehend auf den achten Platz, während Bochum die Tabellenführung verpasste.

Männel konnte sich in seinem Rekordspiel zumindest in der Anfangsphase über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. Der VfL agierte zunächst wie ein Spitzenteam und setzte das Team von Trainer Dirk Schuster gleich mächtig unter Druck. Gerrit Holtmann traf in der 4. Minute aus halblinker Position nur den Außenpfosten. Kurz darauf vergab Robert Tesche (5., 7.) zwei weitere Möglichkeiten für Bochum. 

Die Auer brauchten eine Viertelstunde, um sich aus der Umklammerung des VfL zu befreien. In der 21. Minute besaß Clemens Fandrich die bis dato beste Chance für die Gastgeber. Der Mittelfeldspieler zog von der Strafraumgrenze ab, VfL-Schlussmann Manuel Riemann lenkte den Ball mit den Fingerspitzen an den Pfosten.

Die Aktion gab den Sachsen Auftrieb und mehr Sicherheit. Jan Hochscheidt versuchte Riemann nach einer halben Stunde aus 25 Metern mit einem Heber zu überraschen, Bochums Torwart rettete im letzten Moment zum Eckball. Diesen zirkelte Hochscheidt an den kurzen Pfosten, wo Bussmann relativ unbedrängt zum 1:0 einköpfte - das erste Saisontor für den französischen Außenverteidiger.

Plötzlich hatte Aue das Spiel komplett im Griff und hätte bis zur Pause sogar nachlegen können. Ben Zolinski vergab in der 38. Minute die beste Chance auf den zweiten Treffer. Nach perfektem Zuspiel von Florian Krüger stürmte der Offensivspieler allein auf Riemann zu und probierte es mit einem Lupfer. Der Ball flog allerdings über die Querlatte.

Auch der erste gefährliche Abschluss des zweiten Durchgangs gehörte den «Veilchen». Riemann, inzwischen bester Bochumer, lenkte einen Flachschuss von Krüger zur Ecke (56.). Wenige Sekunden später scheiterte auch Zolinski am VfL-Keeper. 

Das Schuster-Team verteidigte gegen zunehmend aktiver werdende Bochumer geschickt, in der 73. Minute hatte Aue allerdings Glück. Silvère Ganvoula köpfte an die Latte und vergab die Chance zum Ausgleich. In der Schlussphase stürmte auch Riemann mit nach vorn, doch Aue hielt auch dank eines starken Männel dem Druck stand.

«Ich bin stolz auf die Leistung. Meine Spieler haben sich das mit sehr viel Aufwand, sehr hoher Intensität, Kampfkraft und Leidenschaft verdient und haben dafür auch zweieinhalb Tage frei», sagte Trainer Dirk Schuster. Nach dem Auslaufen am Samstagvormittag steigt die Mannschaft erst am Dienstag wieder in das Training ein. 

Nach dem 3:3 vor zwei Wochen gegen den Hamburger SV hatten die Auer am Freitagabend erneut gegen eine Spitzenmannschaft der zweiten Liga für eine Überraschung gesorgt. «Wir sind keine Ballbesitz-Mannschaft. Deshalb liegt es uns besser, gegen Teams zu spielen, die punkten müssen. Dass wir im Spiel gegen den Ball vor allem zu Hause eine eklige Truppe sind, weiß jeder. Hier fährt keiner gerne her», sagte Mittelfeldspieler Louis Samson beim TV-Sender Sky.

Der 25-Jährige war als Bewacher von Robert Zulj vorgesehen und ließ den torgefährlichen VfL-Spielmacher nicht zur Entfaltung kommen. «Ich sollte ihn ärgern, bis er irgendwann keine Lust mehr hat. Ich denke, dass mir das ganz gut gelungen ist», sagte Samson. «Irgendwann hat er zu mir gesagt, dass ich ihn wahrscheinlich bis in die Kabine verfolge. Ein besseres Lob kann man als Mittelfeld-Sechser nicht bekommen.» (dpa)