• Phillip Zulechner ist wegen einer Erkrankung durch multiresistente Keime Risikopatient. © imago images/ picture point LE

    Phillip Zulechner ist wegen einer Erkrankung durch multiresistente Keime Risikopatient. © imago images/ picture point LE

"Mulmiges Gefühl" - Aue-Profi Zulechner gehört zur Risikogruppe

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Nach jedem Einkauf wäscht und desinfiziert er sich gründlich die Hände, der Mund-Nasen-Schutz ist für ihn außerhalb des Trainingsplatzes inzwischen unverzichtbar geworden. Profi Philipp Zulechner von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue ist seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie besonders vorsichtig. «Ich glaube, dass ich zur Risikogruppe zähle», sagt der 30 Jahre alte Österreicher, der seit Januar 2019 für die Sachsen spielt: «Ein etwas mulmiges Gefühl ist dabei. Ich passe auf, will mir aber auch nicht zu große Sorgen machen.»

Zulechner war Anfang 2018 schwer erkrankt. Ein multiresistenter Keim, der über eine offene Wunde in die Blutbahn gelangt war, hatte bei ihm mehrere Organe befallen. «Ich wusste damals nicht, wie eng es um mich gestanden ist. Und ich will es, genau genommen, auch heute gar nicht wissen», sagte der Stürmer rückblickend der österreichischen «Kleine Zeitung».  

Zulechner kam mit Schüttelfrost und hohem Fieber in ein Krankenhaus. Dazu konnte er seine Beine nicht mehr bewegen. «Also bin ich mit dem Rollstuhl herumgedüst. Ich habe das ehrlich gesagt erst nach drei, vier Tagen richtig ernst genommen», erzählte der gebürtige Wiener. Mit Antibiotika und Schmerzmitteln wurde Zulechner von den Ärzten behandelt. «Ich habe gehört, dass es in Richtung Organversagen gegangen ist», äußerte Zulechner. Er musste anschließend wieder lernen, richtig zu laufen: «Da war ich auch mit 27 Jahren froh, einen Rollator zu haben. Endlich musste ich nicht mit dem Rollstuhl aufs Klo fahren.»

Der Keim verschwand zwar aus seinem Körper, doch eine gewisse Unsicherheit ist geblieben. Als sich das Corona-Virus in Europa verbreitete, wurde Zulechner vorsichtiger. Was ihm im Alltag gelingt, nämlich Abstand zu halten und auf Distanz zu gehen, ist für den Profi auf dem Rasen bei Körperkontakt in den Zweikämpfen nicht möglich. Zulechner wird wie alle Bundesligaspieler zwar regelmäßig getestet, doch ein gewisses Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren und möglicherweise erneut schwer zu erkranken, bleibt. Aber das nimmt er in Kauf. «Da ich relativ jung und sportlich bin, glaube ich nicht, dass es mich so hart treffen würde», sagte Zulechner.

Der ehemalige Spieler des SC Freiburg versucht sich so gut wie möglich auf das Sportliche zu konzentrieren. Nach der über zweimonatigen Pause sieht der Angreifer die Wiederaufnahme der Saison auch für sich persönlich als Neustart. In dieser Spielzeit blieb Zulechner in 19 Einsätzen noch ohne Treffer. «Ich bin meinen Erwartungen schon ein bisschen hinterhergehinkt und habe nicht gedacht, dass ich so schwer in die Saison reinkomme. Vielleicht habe ich mir zu viel Druck gemacht», meinte der Österreicher. Er bleibt dennoch optimistisch: «Man weiß ja, wie es für Stürmer ist: Geht einmal der Knopf auf, läuft es plötzlich wieder. Auf dieses Erlebnis warte ich natürlich und hoffe, dass ich weiterhin meine Einsatzzeit bekomme.»

Zuspruch in dieser schwierigen Zeit erhält Zulechner, dessen Vertrag im November bis 2023 verlängert wurde, vom Vereinsboss. «Wir haben in Philipp vollstes Vertrauen, er ist bei uns sehr gut abgesichert. Er zeigt im Training gute Leistungen und wird sich mit Sicherheit bald wieder belohnen», sagte Präsident Helge Leonhardt. (dpa)