• Häufig sind Unfälle, die durch Radfahrer und E-Biker verursacht werden, auf unachtsames oder zu schnelles Fahren zurückführbar. (c) pixabay.com © wfranz

    Häufig sind Unfälle, die durch Radfahrer und E-Biker verursacht werden, auf unachtsames oder zu schnelles Fahren zurückführbar.

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Mit Pedelec und E-Bike verkehrssicher durch Sachsen fahren – was es zu beachten gibt

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Seit einigen Jahren erlebt die Fahrradbranche in Deutschland einen Aufschwung. Auch die sächsische Bevölkerung tritt gerne regelmäßig in die Pedale. Dass dies mitunter nicht ganz ungefährlich ist, offenbart ein Blick in die jährliche Unfallstatistik. Ärzte und Verkehrsforscher zeigen sich insbesondere um ältere Verkehrsteilnehmer besorgt. Oftmals lassen sich Unfälle aufgrund einer schlechten Straßenführung oder Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer nicht vermeiden. Dennoch können Radfahrer und E-Biker in Sachsen dank einiger Hinweise selbst ihren Teil zur Verkehrssicherheit beitragen.

Zahl der Todesopfer rückläufig, aber hohe Dunkelziffer an Leichtverletzten

Radschnellwege sind ein fester Bestandteil der sächsischen Verkehrsplanung. Vor allem an befahrbaren Staats- und Bundesstraßen sollen in den kommenden Jahren bis zu 540 Kilometer Radweg entstehen. Die Kehrseite dieser Innovationen sind die damit verbundenen Verkehrsunfälle – schließlich bleiben Unglücke dort, wo viele Menschen unterwegs sind, nicht aus. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Anzahl der Todesopfer im sächsischen Straßenverkehr jedoch um 15 zurück. Eine traurige Ausnahme bilden dabei die Radfahrer, die immer öfter Opfer von Verkehrsunfällen werden. Wie Experten fürchten, könnte die Anzahl der Fahrradunfälle zukünftig weiter ansteigen. Um die absoluten Zahlen zu senken, ist neben dem Aus- und Umbau der Radwege und Kreuzungen auch umsichtiges Fahren gefragt. Denn: Bei Unfällen mit Personenschaden sind nur in rund einem Viertel aller Fälle die Radfahrer als Hauptschuldige anzusehen.

Erschwerend hinzu kommt die hohe Dunkelziffer leichter Unfälle. Alleine im Raum Dresden verzeichnen, wie die GIDAs Studie feststellt, 60 Prozent aller Unfälle mindestens einen verletzten Radfahrer. Gerade leichte Unfälle werden von den Verletzten nicht anzeigt und tauchen somit in keiner Statistik auf. Viele leicht verletzte Fahrer warten stattdessen einige Tage ab, bis sie sich überhaupt mit ihren Blessuren in ärztliche Behandlung begeben.  

Besondere Vorsicht ist für Pedelec-Nutzer geboten

Pedelecs und E-Bikes sind nicht ein- und dasselbe. Zwar unterstützen „Pedal Electric Cycles“ den Fahrer mit ihren Elektromotoren. Dennoch müssen Pedelec-Fahrer aus eigener Kraft in die Pedale treten. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit liegt bei 25 km/h. Moderne E-Bikes für alle Klassen fahren wiederum auf Knopfdruck ohne weiteres Zutun des Fahrers. Der leistungsfähige Elektromotor kann das Rad selbstständig antreiben, sodass das Fahrzeug rechtlich als Kleinkraftrad gilt. Fahrberechtigt sind nur diejenigen, die einen gültigen Mofa-Führerschein und ein Versicherungskennzeichen besitzen.

Problematisch im laufenden Straßenverkehr bleibt bei beiden Transportmitteln die fehlende Helmpflicht. Dabei treten Gesichts- und Schädelverletzungen prozentual am häufigsten auf. Zusätzlich leiden verletzte Pedelec-Fahrer häufig an Verstauchungen oder Prellungen an Beinen oder Armen. Besonders betroffen ist die Gruppe der Senioren, die in akuten Gefahrensituationen zu langsam reagiert. Ein Beleg dafür ist der Anteil getöteter Pedelec-Fahrer über 65 Jahre, der zuletzt 71 Prozent aller Fahrradopfer ausmachte.

Wie Neulinge auf E-Bikes im Straßenverkehr sicherer unterwegs sind

Der erste Schritt zu mehr Verkehrssicherheit beginnt oftmals bereits beim Fahrradkauf. Insbesondere Pedelec-Fahrern rät der Leipziger Unfallchirurg Johannes Fakler zu einer „umfassenden Beratung“. Es sei angebracht, das neue Produkt in erster Linie nicht nach dem Preis auszusuchen. Vielmehr käme es darauf an, nach Leistung und Gewicht auszuwählen sowie den Vorderradantrieb auszuprobieren. Bei älteren Menschen bieten sich mehrere Probefahrten an, bei denen die Senioren langsam ein Gefühl für das Transportmittel bekommen. Vor der ersten richtigen Fahrt sollte das E-Bike auf seine Fahrtüchtigkeit geprüft werden. Alle Schrauben sollten richtig sitzen, daneben sollte der Akku aufgeladen sein. Sicheres Fahren ist zudem an aufgepumpte Reifen und funktionsfähige Bremsen geknüpft.

Wer zum ersten Mal E-Bike fährt, sucht sich idealerweise ein verkehrsberuhigtes Umfeld wie einen Parkplatz aus. Eine ruhige Seitenstraße oder ein einsehbarer Feldweg ermöglichen es ebenfalls, sich an den zusätzlichen Anschub zu gewöhnen. Der Akku sollte bei den ersten Fahrten prinzipiell auf niedrigster Stufe laufen. Dennoch gehört zum sicheren Fahren die während der Fahrt einstellbare Schaltung. Empfehlenswert sind etwa minütliche Pedalumdrehungen von 70, die eine gleichmäßige Trittgeschwindigkeit unterstützen.

Schwierige Situationen verkehrssicher meistern

Höhere Geschwindigkeiten vergrößern das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden. Dennoch können E-Bike-Fahrer in Notsituationen mit der richtigen Reaktion schlimmeres verhindern. Vor einem Aufprall schützt eine mit Vorder- und Rückbremsen ausgelöste Vollbremsung. Dafür sollte der eigene Körperschwerpunkt ein Stückchen hinter dem Sattel liegen. Mit durchgestreckten Armen und Beinen lässt sich das Eigengewicht gegen den Lenker stemmen. Bei Schlaglöchern oder Bordsteinkanten ist eine Vollbremsung nicht das erste Ausweichmittel. Stattdessen empfiehlt sich eine Fahrweise im rechten Winkel, die das Vorderrad entlastet. Im Moment des Fahrens sollte der Oberkörper in aufrechter Position leicht nach hinten lehnen. Enge Kurven verlangen es, den Akku aus- oder auf eine niedrige Stufe einzustellen. Auf diese Weise lässt sich unbeabsichtigtes Schnellfahren verhindern.  

Richtig anfahren, anhalten und absteigen lernen

Eine sichere Fahrweise beginnt mit dem richtigen An- und Absteigen. Schon beim Anfahren begehen Neulinge häufig den Fehler, indem sie den Motor auf volle Leistung bringen. Sicherer ist es, wie bei einem Auto langsam hochzuschalten. Mit dem Absteigen sollten Pedelec-Fahrer so lange warten, bis das Transportmittel steht. Auch beim Anhalteweg, der länger als bei herkömmlichen Fahrrädern ausfällt, gilt es vorsichtig zu sein. Zum Vergleich: Ein 15 km/h schnelles Fahrrad steht nach 6,55 Metern, ein 25 km/h schnelles Pedelec erst nach 13, 75 Metern.

Vorausschauendes Fahren minimiert das Unfallrisiko

Sicheres Fahren bedeutet in erster Linie, im Straßenverkehr vorausschauend zu agieren. Dabei hilft der Schulterblick, der beim Abbiegen oder Spurwechsel tote Winkel sichtbar macht. Auch langsames Fahren und das Beherrschen von Wendemanövern wirken Unfällen entgegen. Im Zweifelsfall kann es sich lohnen, defensiv statt aktiv zu agieren. Besser ist es, nicht stur auf das eigene Recht zu bestehen. Auf die eigene Vorfahrt zu verzichten, kann schwere Zusammenstöße mit Fahrzeugen verhindern.

Daneben trägt die richtige Kleidung zum sicheren Fahren bei. Wer fluoreszierende Kleidung trägt und mit Licht fährt, ist abends besser für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar. Auch der altbekannte Fahrradhelm, der bei Unfällen im Straßenverkehr einen sicheren Schutz bietet, gehört dazu. Dieser mildert den Sturz oftmals so ab, dass der Unfall keine schlimmen Kopfverletzungen nach sich zieht.