• stock.adobe.com © Constantine #239202119

    stock.adobe.com © Constantine #239202119

Lieber analog? Zurückhaltender Umgang mit digitalen Anwendungen

Zuletzt aktualisiert:

Bundesweit schreitet die Digitalisierung weiter voran. Immer mehr Angebote für Bürger stehen mittlerweile digital zur Verfügung. So müssen Fahrzeuganmeldungen teilweise nicht mehr vor Ort auf der Zulassungsstelle erledigt werden, sondern können online erfolgen. Auch der individuelle Zahlungsverkehr lässt sich mittlerweile problemlos per Online-Banking erledigen und der Gang zum Schalter wird immer seltener. Obwohl die Digitalisierung öffentliche Stellen entlasten und für den Verbraucher mehr Komfort bringen soll, zeigen Studien, dass sich die Deutschen meist schwer damit tun.

Misstrauen gegenüber digitalen Angeboten teilweise hoch

Tatsächlich scheinen die Deutschen im internationalen Vergleich oft misstrauischer gegenüber digitalen Neuerungen zu sein als die Menschen anderer Länder. Seit jeher gelten die Bundesbürger als Sicherheitsliebhaber. Dieses Verhalten dominierte lange auch das Agieren von Anlegern. So wurden bevorzugt sichere Geldanlagen gewählt und dafür geringe Zinssätze in Kauf genommen. Dieses ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis ist bis heute auch in anderen Bereichen vorhanden.

So blicken die Deutschen vor allem auf den Bereich des Mobile Payments ausgesprochen skeptisch. Gerade hier haben sich die technischen Möglichkeiten in den letzten Jahren erheblich verändert. Das Mobile Payment soll das Bezahlen einfacher, schneller und günstiger machen. Bei vielen Bundesbürgern kommt es aber eher schlecht an. Das gilt gerade für die ältere Zielgruppe, die sich mit dem Bezahlen per Smartphone im Supermarkt schwertut.

Bedenken gegenüber Mobile Payment sind vielfältig

Tatsächlich sind die Bedenken der Deutschen gegenüber dem Mobile Payment vielfältig und unterschiedlichster Natur. Oft wird gerade die Sicherheit infrage gestellt. So fürchten viele Bundesbürger, dass beim Bezahlen mit dem Smartphone sensible, persönliche Daten übermittelt werden, ohne dass etwas dagegen getan werden kann. Auch die Angst vor Hackerangriffen ist gerade im Mobile Payment groß.

Viele Bundesbürger fürchten an dieser Stelle um ihre Privatsphäre. So ist es mittlerweile allseits bekannt, dass digitale Anwendungen häufig elektronisch Spuren hinterlassen, die sich dann von Dritten mit ein wenig Geschick leicht abrufen lassen. Während die Bezahlung mit Bargeld absolut anonym ist und damit später auch nicht nachvollzogen werden kann, ist das Bild beim elektronischen Bezahlen ein anderes.

Bargeld bleibt den Deutschen wichtig


Wie wichtig es den Deutschen traditionell ist, die Kontrolle zu bewahren und die Privatsphäre nicht aus den Augen zu verlieren, zeigt sich auch beim Thema Bargeld. Die Meinungen in Sachen bargeldlos Zahlen gehen auseinander. Gerade ältere Menschen finden es einfacher, mit Bargeld den Überblick über ihr Vermögen zu behalten. Dennoch denken immer mehr Länder darüber nach, das Bargeld abzuschaffen oder die Verwendung zumindest einzuschränken. Die Gründe sind nachvollziehbar. Bargeldloses Zahlen ist deutlich einfacher, schneller und komfortabler. Außerdem ist Bargeld teuer. Die Herstellung, Überprüfung und die Abwicklung der Bargeldzahlungen verursachen jedes Jahr Kosten im Milliardenbereich. Zudem ist Bargeld natürlich auch immer ein Sicherheitsrisiko, dem sich gerade Unternehmen bewusst sind.

Die Vorteile, die das bargeldlose Zahlen für allen Beteiligten mitbringen, sind also besonders vielfältig. Doch diesen Vorteilen steht die Skepsis der Bundesbürger gegenüber, denn Umfragen zeigen: Der Deutsche zeigt sich hier wenig digital-orientiert. Stattdessen hat er sein Bargeld ausgesprochen gern.

Bei der Frage nach den Gründen für die Liebe zum Bargeld sind Experten und Forscher unterschiedlicher Meinung. Ein Grund scheint jedoch das psychische Kontrollsignal zu sein, das von dem Bargeld ausgeht. Vielen Bundesbürgern fällt beim Einkaufen der bewusste Umgang mit Geld so deutlich leichter. So wird automatisch darauf geachtet werden, dass das Bargeld auch tatsächlich reicht. Der Bezug zu den finanziellen Möglichkeiten ist hier also deutlich verständlicher.

Traditionsverbundenheit auch in anderen Bereichen vorn

Doch nicht nur beim Bezahlen zeigen sich die Bundesbürger traditionsverbunden und sind echte Liebhaber. Diese Begeisterung für Nostalgie und Traditionen ist auch in anderen Bereichen deutlich erkennbar. So haben viele Bundesbürger ein Faible für besondere Uhren, edlen Schmuck und aufwendig aufbereitete Literatur. Uhren beispielsweise sind nicht nur ein Thema, das Liebhaber fesselt. Auch wer sich etwas Besonderes gönnen möchte, greift gern auf Automatikuhren als zeitlosen Klassiker zurück.

Automatikuhren sind ein Beispiel für exzellentes Handwerk und genießen dadurch bei vielen Bundesbürgern einen hohen Stellenwert. Die Arbeit, die in einer solchen Uhr steckt, wird geschätzt. Zugleich strahlen diese auch eine gewisse Zeitlosigkeit aus und verlieren nicht an Wert. Auch hier zeigt sich wieder das Sicherheitsbedürfnis, für das heute viele Bundesbürger bekannt sind.

Ähnlich groß ist die Beliebtheit der Oldtimer, die sich seit Jahren auf einem hohen Niveau bewegt. Immer mehr Deutsche entdecken ihre Begeisterung für die historischen Fahrzeuge für sich. Sie sind ein gravierendes Pendant zu den vielen neuen Modellen, die nicht zuletzt aufgrund der Klimadebatten immer ein gewisses Gefühl von Unsicherheit mitbringen. Oldtimer dagegen strahlen Beständigkeit aus und laden zudem zum Ausprobieren ein. Die historischen Autos haben sich weiterhin als Wertanlage etabliert.

Was macht Nostalgie so liebenswert?


Die Nostalgieverbundenheit der Deutschen hat viele Gesichter und zeigt sich nicht nur bei Uhren und Fahrzeugen, sondern beispielsweise auch bei Lebensmitteln. So wird gern zu Produkten gegriffen, die Erwachsene noch aus der Kindheit kennen. Forscher betonen dabei immer wieder, dass die Nostalgie für ein Sicherheitsgefühl sorgt. Sie strahlt Geborgenheit und Wärme aus und sorgt deswegen im Bewusstsein des Einzelnen für Glücksgefühle. Außerdem lässt sie den Einzelnen optimistischer in die Zukunft schauen.

Das Sicherheits- und Nostalgiebedürfnis wächst dabei, umso unsicherer die Zeiten eigentlich sind. Sobald Körper und Geist ein gewisses Gefühl von Ungleichgewicht empfinden, sucht das Gehirn automatisch nach Halt und Sicherheit. Diese findet der Geist insbesondere in den Erinnerungen.

Bundesbürger sind Digitalisierung aufgeschlossen

Doch trotz dem Sicherheitsbedürfnis und der Nostalgie gelten die Deutschen der Digitalisierung gegenüber als aufgeschlossen. Insbesondere durch die zunehmende Verbreitung von Lösungen wie dem Mobile Payment nimmt auch das Interesse an den modernen Angeboten zu. Diese Offenheit zeigt sich auch in internationalen Vergleichen. Während das Interesse an digitalen Anwendungen an sich groß ist, sind die Bundesbürger bei der Inanspruchnahme allerdings noch zurückhaltend. Dieser Gegensatz zeigt sich in vielen Bereichen und macht sich über das Mobile Payment hinaus beispielsweise bei medizinischen Angeboten bemerkbar.

Immer einfacher und häufiger können medizinische Angebote auf digitalen Kanälen in Anspruch genommen werden. Mediziner, aber auch Therapeuten bieten längst digitale Beratungen an und sorgen dadurch dafür, dass das Thema E-Health für die Verbraucher immer präsenter wird. Während digitale Gesundheitsangebote zur Überwachung des Blutzuckers oder des eigenen Blutdrucks immer häufiger in Anspruch genommen werden, zeigt sich bei den digitalen Sprechstunden eine deutliche Zurückhaltung. Auch hier sehen die Experten den Grund für die Zurückhaltung der Bundesbürger vor allem im fehlenden Vertrauen, das viele Bundesbürger in die Sicherheit der technischen Grundlagen haben.

Datenweitergabe wird kritisch bewertet

Besonders kritisch wird dabei auch weiterhin die Datenweitergabe im E-Health-Bereich betrachtet. Hier wünschen sich viele Deutsche aber nicht nur ein deutliches Sicherheitsplus, sondern auch mehr Transparenz. So möchten die Bundesbürger genau wissen, welche Informationen von den Medizinern weiterverarbeitet werden und was mit den Daten passiert. Viele wünschen sich außerdem, dass die Weiterleitung der Daten an Dritte strengstens untersagt ist. Werden all diese Anforderungen erfüllt, zeigen sich viele Bundesbürger aber auch aufgeschlossen gegenüber den digitalen Gesundheitsangeboten und nehmen diese in Anspruch.

Die Datensicherheit ist vor allem bei sensiblen, persönlichen Daten von hoher Bedeutung. Bei anonymisierten Daten zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Hier haben die Verbraucher kein Problem damit, die Informationen beispielsweise an die App-Entwickler weiterzugeben. Relativ hoch ist die Bereitschaft Daten zu teilen, übrigens bei der Weitergabe an Notfalldienste, die alarmiert werden, wenn es medizinisch erforderlich ist.

Auch wenn die Deutschen in vielen Bereichen analoge Angebote weiterhin bevorzugen, ist das Interesse an digitalen Lösungen da. Darüber hinaus schreitet die Digitalisierung in Deutschland unaufhaltsam voran. Das Angebot wird also in den kommenden Jahren weiter zunehmen, weshalb auch die Verbreitung und das Interesse weiter steigen werden. Wie schnell die Akzeptanz der neuen Angebote wächst, dürfte aber auch von der Art des digitalen Produkts abhängig sein.