• (Symbolbild: dpa/David-Wolfgang Ebener)

Lehrermangel in Sachsen? Stundenkürzung!

Zuletzt aktualisiert:

Dresden -

Im übernächsten Schuljahr (2019/2020) sollen in Sachsen Unterrichtsstunden gekürzt werden. Es geht um Sport, Kunst, Musik und die zweite Fremdsprache. Das sächsische Kultusministerium hat einen Bericht der Freien Presse auf Anfrage grundsätzlich bestätigt. In der Reaktion wird allerdings ein Zusammenhang zum Lehrermangel in Sachsen, der Nahe liegt, nicht erwähnt. In einem kurzen Statement heißt es:

"Das Kultusministerium bestätigt Pläne, die Stundentafeln zu überarbeiten. Ziel ist es, die Unterrichtsbelastung zu senken." Und weiter heißt es in der Pressemitteilung: "Bereits die ehemalige Kultusministerin Brunhild Kurth hatte angekündigt, mit dem neuen Schulgesetz auch die Lehrpläne aller Schularten zu überprüfen."

Hohe Unterrichtsbelastung senken

Weiterhin schreibt das Ministerium: "Gründe für die Überarbeitung sind einerseits ein gesetzlich neu formulierter Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schulen sowie eine schulgesetzlich beabsichtige Stärkung der Medienbildung und politischen Bildung. Dabei soll gleichzeitig die deutschlandweit sehr hohe Unterrichtsbelastung sächsischer Schülerinnen und Schüler nicht gesteigert, sondern gesenkt werden, was eine Überarbeitung der Stundentafeln zur Folge hat. Auch soll allen Schülerinnen und Schülern zeitlich die Möglichkeit gegeben werden, die ab 1. August 2018 in allen allgemeinbildendenden Schulen einzurichtenden schulischen Ganztagsangebote besuchen zu können."

Und abschließend heitß es: "Eine Veränderung der Stundentafeln darf aber nicht zu Lasten der Berufs- und Studierfähigkeit sächsischer Schüler gehen. Deshalb gilt es, die Qualität und Quantität des Kernfachbereiches als eine wichtige Grundlage zu erhalten, anderseits aber auch Synergien mit den schulischen Ganztagsangeboten in den Blick zu nehmen. Eine Entscheidung zu Kürzungen der Stundentafeln ist noch nicht getroffen." Aussagen zum Lehrermangel wurden in diesem Zusammenhang in der kurzen Stellungnahme nicht getroffen. Das Ministerium verwies dagegen auf mehrere Berichte zum Thema Entlastung und Stundentafelkürzung im Ministeriums-Blog.

Freie Presse berichtet über Details in Papier

Die Freie Presse berichtete, dass Kultusminister Piwarz und Finanzminister Haß ab dem Schuljahr 2019/20 in den fünften Klassen die Fächer Kunst und Musik um eine Wochenstunde reduzieren wollen. Die Sechstklässler sollen laut Bericht sowohl an Oberschulen als auch an Gymnasien in ihrer zweiten Fremdsprache eine Stunde weniger als bisher unterrichtet werden. Geplant ist demnach auch, das Fach Sport "einheitlich für alle Klassenstufen und Schularten auf zwei Wochenstunden" zu begrenzen. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Lehrerverband entsetzt

Der Sächsische Philologenverband äußerte sich dazu am Vormittag per Twitter: "Stundenkürzungen wegen Lehrermangel?! Die sächsischen Gymnasiallehrer/innen sind entsetzt!" Und weiter: "Lehrerinnen und Lehrern vermeintlicher Mangelfächer nun ihre Stunden zu kürzen und immer mehr Einstundenfächer zu schaffen, steigert nicht die Attraktivität des Lehrerberufs in Sachsen. Und konterkariert die Idee der vertieften Bildung am Gymnasium."

(11:50 Uhr Redaktioneller Hinweis: Artikel wurde um die Reaktionen von Kultusministerium und Philologenverband ergänzt.)

Lehrerinnen und Lehrern vermeintlicher Mangelfächer nun ihre Stunden zu kürzen und immer mehr Einstundenfächer zu schaffen, steigert nicht die Attraktivität des Lehrerberufs in Sachsen. Und konterkariert die Idee der vertieften Bildung am Gymnasium.

— Philologenverband Sn (@PhVSachsen) 2. März 2018