Kritik an geplanter 2G-Regel - Neue Kontaktbeschränkungen

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Die Vorwarnstufe in Sachsen ist erreicht - deshalb gelten ab Freitag wieder Kontaktbeschränkungen. Im öffentlichen Raum und auch privat dürfen sich nur noch zehn Personen treffen. Ausgenommen sind Kinder bis 14 Jahren sowie Genesene oder Geimpfte. Weitere Maßnahmen will die Staatsregierung am Freitag mit einer neuen Corona-Verordnung beschließen.

Für die geplante 2G-Regel in vielen Bereichen bekommt das Kabinett allerdings heftigen Gegenwind. Vertreter von Wirtschaft, Sport, Kultur und Tourismus kritisieren die Pläne und fordern stattdessen eine umfangreiche Teststrategie. Mit der geplanten Einführung der 2G-Regel werde den Bürgern eine Sicherheit vorgespielt, die angesichts der aktuellen Erkenntnisse zur Infektiosität auch von Geimpften nicht gegeben sei, sagte der Präsident des Sächsischen Landkreistages, Frank Vogel (CDU), am Donnerstag nach einer Sitzung der Landräte.

"Wir sehen vielmehr in dem verbindlichen Hochfahren einer umfassenden Teststrategie mit der Wiedereinführung von kostenlosen Tests einen wirksameren Beitrag zur frühzeitigen Erkennung von Infektionen", betonte der Landrat des Erzgebirgskreises. Zudem appellierten die Landräte an Einzelhändler, Gastronomen, Hotelbesitzer und Veranstalter, dass sie ihren Verpflichtungen zur Einhaltung der geltenden Zugangsregelungen nachkommen.

Auch das Handwerk kritisierte den Plan der Staatsregierung. Wenn die Impfkampagne stagniert, brauche es statt der 2G-Regel umgehend eine funktionierende und flächendeckende Teststrategie, sagte Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. "Das Handwerk braucht Planbarkeit, weshalb wir seitens der Landespolitik eine Kultur des Ermöglichens fordern."

Die 2G-Regelung würde mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften, betonte der Präsident der Sächsischen Industrie- und Handelskammern, Kristian Kirpal. "Es steht zu befürchten, dass besonders in der Gastronomie und Veranstaltungsbranche viele Reservierungen storniert werden und Veranstaltungen abgesagt werden müssen. Aus den wirtschaftlichen Schäden wiederum dürften Entschädigungsansprüche entstehen, die der Freistaat dann bedienen müsste."

Der sächsische Tourismusverband befürchtet wegen der geplanten Einführung der 2G-Regel Umsatzeinbrüche im Gastgewerbe. Dadurch würde sich die angespannte Arbeits- und Fachkräftesituation weiter zuspitzen, teilte der Landesverband mit.

Update Freitag, 13 Uhr: Die geplante 2G-Regel würde auch die Sportvereine hart treffen, denn es dürften nur maximal zehn Ungeimpfte gemeinsam Sport treiben. Die AfD im Landtag sprach am Freitag von "Regelungswahn". Er könne den Unmut gut nachvollziehen, denn Bewegung halte gesund, sagte der sportpolitische Sprecher Holger Hentschel. Auch aus juristischer Sicht sei die Kontaktbeschränkung „hanebüchen“. Vereinstrainer hätten nicht das Recht, den Impfstatus ihrer Mitglieder abzufragen oder sogar zu dokumentieren.