• Eine Germania-Maschine beim Start in Dresden. Archivbild (c) Redaktion

Insolvenz: Aus für Germania - andere Airlines bieten verbilligte Tickets an

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Autor: dpa

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb eingestellt. Wie das Unternehmen in der Nacht mitteilte, sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH betroffen. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter.

Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. «Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb», erklärte Balke laut Mitteilung. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten, auch in den zuletzt angespannten Wochen. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung.

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

Insolvenz trifft auch den Flughafen Dresden hart

Germania flog bislang von Dresden aus in viele Urlaubsregionen Europas - auf die spanischen Inseln, Griechenland, Ägypten, Madeira oder auch nach Island.

Germania sei ein wichtiger Kunde gewesen, vor allem im touristischen Bereich, sagte ein Sprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG am Dienstag. Im aktuellen Winterflugplan hatte die Airline 23 Starts pro Woche nach Ägypten, Portugal, Spanien und die Türkei geplant.

Es würden aber Gespräche mit den Reiseveranstaltern geführt, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, betonte der Sprecher. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Flughafen Dresden gut 1,76 Millionen Passagiere und damit 3,1 Prozent mehr als 2017 abgefertigt.

Flughafen Dresden informiert

Die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania und die damit verbundene Einstellung des Flugbetriebs wirkt sich auch auf den Flughafen Dresden aus. Im laufenden Winterflugplan 18/19 plante die Airline bis zu 23 Abflüge pro Woche zu insgesamt elf Zielen in Portugal, Spanien, Ägypten und der Türkei.
Bereits seit den 90er Jahren verband Germania Dresden mit touristischen Zielen. Im zurückliegenden Jahr flog die Airline ab Dresden zu 27 Zielen, darunter auch als Vollcharter für Reiseveranstalter.

Wie Germania in einer Pressemitteilung erklärt, können sich betroffene Passagiere, die ihren Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, an ihren jeweiligen Reiseveranstalter wenden. Weitere Informationen: www.flygermania.com

„Wir bedauern außerordentlich, dass unser langjähriger Partner Germania in diese wirtschaftliche Situation geraten ist. Die Insolvenz ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fluggesellschaft ein schwerer Schlag“, erklärt Götz Ahmelmann, Vorstandsvorsitzender der Mitteldeutschen Flughafen AG und Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Dresden und ergänzt: „Infolgedessen stehen wir mit verschiedenen Airlines und Reiseveranstaltern im Gespräch, um die Auswirkungen der Germania-Insolvenz auf den Flughafen Dresden so gering wie möglich zu halten.“ (PM Flughafen Dresden)

Airlines bieten Germania-Passagieren verbilligte Tickets an

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania bieten verschiedene Fluggesellschaften den betroffenen Passagieren verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, erklärte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Die Angebote richten sich insbesondere an Passagiere, die nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs sind.

Im Ausland gestrandete Germania-Kunden könnten für Rückflüge bis Ende Februar 2019 ab sofort auf der Eurowings-Seite Flüge buchen und erhielten im Nachhinein die Hälfte des Flugpreises erstattet. Das gleiche Verfahren bietet Tuifly an. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern im Standby-Verfahren Plätze frei sind.

Zusätzlich soll auf lufthansa.com in den kommenden Tagen ein Buchungsverfahren eingerichtet werden, mit dem verbilligte Tickets der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian gebucht werden können. Hier sind pauschale Nettopreise von 50 Euro (Europa) und 200 Euro (Naher Osten) geplant.

Verbraucherzentrale fordert besseren Kundenschutz

Angesichts der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania fordern Verbraucherschützer eine bessere Absicherung der Kunden. Eine Insolvenzversicherung für Fluggesellschaften, die bei einer Pleite Kunden helfe, sei noch immer nicht beschlossen, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, und appellierte an die Politik, endlich zu handeln. «Trotz der Erfahrungen mit der Insolvenz von Air Berlin haben Bundesregierung und EU nichts unternommen. Das rächt sich nun.» Den Germania-Kunden drohe nun «immenser Schaden».

Auch der ADAC forderte eine Festschreibung des Insolvenzschutzes für Fluggäste, wie sie für Pauschalreisen bereits existiere. Alternativ bestehe die Möglichkeit, Fluggesellschaften dazu zu verpflichten, beim Ticketverkauf eine Versicherung für den Ticketpreis und die Rückbeförderung mit anzubieten. «Dadurch wird beim Verbraucher ein Risikobewusstsein geweckt und zugleich eine Lösung auf freiwilliger Basis geschaffen», so der Verkehrsclub.

Tipp von Verbraucherschützern

Wer per Kreditkarte bezahlt hat, sollte seine "Kreditkartenbedingungen auf einen möglichen Insolvenzschutz prüfen". Wurde der Flug über einen Vermittler gebucht - etwa ein Reisebüro oder ein Online-Portal, bestehen die Ansprüche laut dem EVZ nur gegenüber der Airline. "Der Vermittler ist in diesem Fall zwar der Ansprechpartner für den Verbraucher, er haftet allerdings nicht selbst." Betroffene sollten trotzdem den Vermittler kontaktieren. Dieser könne "die Zahlung möglicherweise erstatten, falls er sie noch nicht an die Airline weitergeleitet hat."

Kann ich von der Kreditkartenbank die Rückzahlung verlangen, wenn der Flug nicht stattfindet?

Die Kreditkarten übernehmen für die gekauften Leistungen nach ihren AGB keine Haftung. Da aber die Zahlung durch Kreditkarte juristisch "lediglich ein Zahlungsversuch (Leistung erfüllungshalber) des Kunden ist, tritt Erfüllung erst dann ein, wenn sich der Gläubiger aus dem erfüllungshalber Geleisteten befriedigt hat (Führich, Wirtchaftsprivatrecht, 13. Aufl., Rn. 422)". Übersetzt aus dem Juristendeutsch heisst dies, der Kunde kann bei seiner Kreditkartenbank so lange widersprechen, wie die Zahlung noch nicht auf dem Konto der Airline gutgeschrieben ist. Ab Insolvenzantrag darf die Airline jedoch keine Zahlungen mehr annehmen. Daher rate ich, die Erstattung des Gezahlten bei der Kreditkartenbank bzw. bei dem Reisevermittler - der für die Bank den Zahlungsversuch entgegengenommen hat - so schnell wie möglich zu beantragen, da möglicherweise die Forderung der Bank noch nicht der Airline in Rechnung gestellt wurde.

Altmaier: Keine Staatshilfe bei Germania geplant

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht bisher keinen Anlass für staatliche Hilfen wegen der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania. «Das ist ein Anwendungsfall von Marktwirtschaft», sagte Altmaier am Dienstag in Berlin. Erfolg und Misserfolg seien Teil der Marktwirtschaft. So habe der Staat auch nicht versucht, das Unternehmen Air Berlin zu retten. «Und die Dinge haben ihren Gang genommen, wie hier auch.»

Bei Air Berlin habe man geholfen, damit gestrandete Passagiere zurückkommen. Bei Germania gehe es um einen Fall «von viel begrenzterer Dimension», den allermeisten Passagiere könne wohl von Veranstaltern und Reisebüros geholfen werden, über die Flüge gebucht worden seien. Innerhalb der Bundesregierung werde die Lage derzeit analysiert, betonte Altmaier, unter anderem mit Vertretern von Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium.

Verdi sichert Airline-Beschäftigten Hilfe zu

Die Gewerkschaft Verdi hat den Mitarbeitern der insolventen Fluggesellschaft Germania rechtliche Unterstützung zugesichert. «Die Crews haben trotz der Turbulenzen den vollen Einsatz gezeigt und dürfen jetzt nicht allein gelassen werden», sagte Christine Behle vom Verdi-Bundesvorstand am Dienstag. Weil es bei Germania keine Tarifverträge und keine Betriebsräte gebe, sei die Gewerkschaft eigentlich nicht in das Insolvenzverfahren involviert.

Für das Scheitern von Germania und Air Berlin machte Verdi einen ruinösen Wettbewerb unter den Airlines verantwortlich. Billige Tickets seien zulasten der Beschäftigten gegangen. Die Mitarbeiter würden in vielen Fällen schlecht bezahlt und hätten keine Mitbestimmungsrechte, so die Gewerkschaft.

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hatte in der Nacht zu Dienstag einen Insolvenzantrag und die Einstellung ihres Flugbetriebs bekanntgegeben. Die aktuelle Zahl der Beschäftigten nannte das Unternehmen nicht. In einem Jahresabschluss-Bericht zum Geschäftsjahr 2016 waren 954 Mitarbeiter aufgeführt. Verdi spricht von rund 1150 betroffenen Arbeitsplätzen.