AfD gewinnt Bundestagswahl in Sachsen

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Die AfD hat die Bundestagswahl in Sachsen gewonnen. Nach Angaben des Landeswahlleiters aus der Nacht (Stand: Montag, 2:33 Uhr) holte nach Auszählung aller Stimmen die AfD 24,6 Prozent der Zweitstimmen. SPD: 19,3 Prozent, CDU: 17,2 Prozent, FDP: 11,0 Prozent, Linke: 9,3 Prozent, Grüne: 8,6 Prozent, Sonstige; 9,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 76,5 Prozent.

CDU-Generalsekretär Alexander Dierks zeigte sich bitter enttäuscht. «Wir haben deutliche Verluste zu verzeichnen und das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten. Ein Wahlergebnis, das wir mit großer Demut vor den Wählerinnen und Wählern annehmen», sagte er im MDR-«Sachsenspiegel». Marco Wanderwitz, Spitzenkandidat der CDU im Freistaat, führte die Verluste für seine Partei auch auf die späte Kandidatenkür und die Diskussionen darüber zurück. Im Wahlkampf habe man das als «Klotz am Bein» gespürt. 

Auch die Linken empfanden sich als Wahlverlierer. «Das ist zweifelsfrei ein herber Schlag, nicht nur für uns als Partei, sondern auch für unser Hauptanliegen, etwas gegen die große soziale Ungleichheit zu tun», sagten die Parteivorsitzenden Susanne Schaper und Stefan Hartmann der Deutschen Presse-Agentur. Die Linken mussten angesichts der Hochrechnung mit 5 Prozent am Abend noch um ihren Einzug ins Parlament bangen. Die frühere Bundesvorsitzende Katja Kipping, die als Spitzenkandidatin der sächsischen Linken antrat, sprach von einem «Knabberergebnis».

Die sächsischen Direktkandidaten für den Bundestag:

Nordsachsen - René Bochmann AfD
Leipzig 1 – Jens Lehmann CDU
Leipzig II - Sören Pellmann Linke
Leipziger Land - Edgar Naujok AfD
Chemnitzer Umland – Erzgebirgskreis II – Mike Moncsek AfD
Zwickau - Matthias Moosdorf AfD
Vogtlandkreis - Yvonne Magwas CDU
Erzgebirgskreis - Thomas Dietz AfD
Chemnitz - Detlef Müller – SPD
Mittelsachsen – Carolin Bachmann AfD
Meißen – Barbara Lenk AfD
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge- Steffen Janich AfD
Dresden I - Marcus Reichel CDU
Dresden II - Bautzen II - Lars Rohwer CDU
Bautzen I – Karsten Hilse AfD
Görlitz - Tino Chrupalla AfD
 

Ergebnisse der Direktkandidaten:

Mike Moncsek (AfD) gewinnt im Wahlkreis Chemnitzer Umland - Erzgebirgskreis II mit 28,9 Prozent das Direktmandat vor dem Ostbeauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), mit 23,7 Prozent.

35,8 Prozent der Stimmen holt AfD-Spitzenkandidat Tino Chrupalla im Landkreis Görlitz. Er gewinnt damit gegen CDU-Kandidat Florian Oest, der 26,1 Prozent der Stimmen auf soch vereinen kann.

Karsten Hilse (AfD) gewinnt den Wahlkreis Bautzen I. Für ihn stimmten 33,4 Prozent der Wähler. Auf CDU-Kandidat Roland Ermer entfallen 26 Prozent der Stimmen.

Im Vogtlandkreis hat Yvonne Magwas von der CDU das Direktmandat gewonnen - mit 27,7 Prozent der Erststimmen. Ihr Kontrahent von der AfD, Mathias Weiser, landet knapp dahinter bei 25,1 Prozent.

im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge siegt Steffen Janich (AfD), 29,7 Prozent, vor CDU-Kandidatin Corinna Franke-Wöller (23,4 Prozent).

Das Direktmandat im Landkreis Meißen gewinnt Barbara Lenk (AfD) mit 31 Prozent vor CDU-Kandidat Sebastian Fischer (22,3 Prozent).

Carolin Bachmann (AfD) heißt die Gewinnerin des Direktmandats in Mittelsachsen. Mit 33,4 Prozent der Stimmen das setzte sie sich gegen Veronika Bellmann (CDU) durch, die 23,8 Prozent erhielt.

Matthias Moosdorf (AfD) gewinnt den Wahlkreis Zwickau mit 25,6 Prozent der Stimmen gegen CDU-Kandidat Carsten Körber (21,2 Prozent).

Im Landkreis Nordsachsen hatte AfD-Kandidat René Bochmann die Nase vorn: 27,8 Prozent der Erststimmen für ihn, CDU-Kandidatin Christiane Schenderlein holte 22,8 Prozent.

Im Wahlkreis Dresden I gewinnt Markus Reichel (CDU) mit 21,1 Prozent das Direktmandat vor Katja Kipping (Linke) mit 18,9 Prozent und Jens Maier mit 18,8 Prozent (AfD).

Knapp ging es zu im Wahlkreis Dresden II – Bautzen II: Lars Rohwer (CDU) siegte mit 18,6 Prozent, gefolgt von Andreas Harlaß (AfD) mit ebenfalls 18,6 Prozent. Die beiden trennen insgesamt 39 Stimmen.

Im Wahlkreis Chemnitz hat Detlef Müller (SPD) das Direktmandat gewonnen. Er kam auf 25,1 Prozent der Stimmen. Platz zwei ging an die AfD und Michael Klonovsky mit 21,9 Prozent.

Der sächsische AfD-Spitzenkandidat und Bundesvorsitzende Tino Chrupalla sah das Abschneiden der AfD «insgesamt positiv». Man habe erneut eine starke Stammwählerschaft motivieren können, sagte er im MDR-Fernsehen. In der Prognose von ARD und ZDF lag die AfD zu diesem Zeitpunkt bei 11 Prozent. Laut Chrupalla werde die AfD aber analysieren, warum sie ein paar Prozentpunkte verloren hat. Vor vier Jahren hatte die Alternative für Deutschland 12,6 Prozent der Zweitstimmen für sich verbuchen können. Das Sachsen-Ergebnis kannte Chrupalla zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 

Bei den anderen Parteien dominierte Zufriedenheit. «Wir sind die Gewinner dieses Abends», sagte SPD-Parteichef Martin Dulig unter dem Jubel der Genossen bei der Wahlparty in einem Dresdner Biergarten. 

Die sächsischen Grünen hielten eine Regierungsbeteiligung für erforderlich. Die Notwendigkeit ergebe sich «aus den Verhältnissen und den Herausforderungen der Zeit», sagte Landesvorstandssprecherin Christin Furtenbacher.

Der sächsische FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt sah seine Partei in einer Wartestellung. «Das Wahlergebnis bietet mehrere Optionen. Wir müssen abwarten, in welcher Konstellation die Freien Demokraten liberale Ziele umsetzen können. Denn wie schon 2017 gilt: Wir wollen mitregieren, aber nicht um jeden Preis», erklärte Müller-Rosentritt. «Wir haben heute das Ende der Volksparteien erlebt. Keine einzige Partei ist mehr über 30 Prozent. Das verändert die gesamte politische Landschaft in Deutschland», sagte FPD-Spitzenkandidat Torsten Herbst. 

Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eric Linhart zeigte sich von den Hochrechnungen auf Bundesebene nicht überrascht. Sie würden ungefähr den Erwartungen entsprechen, die man nach den jüngsten Stimmungsbildern haben konnte. Auch das Ergebnis der Linken überrasche nicht. Ihnen sei es bei den letzten Bundestagswahlen aber gelungen, mindestens drei Direktmandate zu gewinnen. Das sei mit dem Ergebnis vom Sonntag zwar nicht ausgemacht. Dennoch könne es der Partei wieder gelingen, dann spiele die Fünf-Prozent-Hürde keine Rolle mehr für ihren Einzug in den Bundestag. (mit dpa)