• Immer mehr Kinder und Jugend­liche haben zu hohen Blutdruck, weil sie überge­wichtig sind. Foto: Waltraud Grubitzsch

Hoher Blutdruck bei Kindern: eine besondere Herausforderung

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München (dpa) - Ein erhöhter Blutdruck wird vor allem mit älteren Menschen in Verbin­dung gebracht. Zuneh­mend sind jedoch auch Kinder und Jugend­liche betroffen.

«Wir können in west­li­chen Ländern eine deutliche Zunahme an erhöhten Blutdruck­werten bei überge­wich­tigen Kindern feststellen», sagt Robert Dalla Pozza, leitender Oberarzt der Abtei­lung für Kinder­kar­dio­logie am Unikli­nikum München, anläss­lich des Welt-Hyper­tonie-Tages am 17. Mai.

Zwar habe es schon immer Kinder mit einem erhöhten Blutdruck gegeben, etwa aufgrund einer Nieren­er­kran­kung, erklärt Dalla Pozza. Seit einigen Jahren aber würden zuneh­men­d ­über­ge­wich­tige Kinder wegen höherer Blutdruck­werte an Kin­der­kar­dio­logen überwiesen. Um der gefähr­li­chen Entwick­lun­g etwas entge­gen­zu­setzen, müssten ­Über­ge­wicht und Fettsucht behan­delt werden.

Aller­dings, so sieht es der Ex­perte für Gefäßer­kran­kungen, fehle oftmals das nötige Bewusst­sein in Fa­mi­lien, aber auch bei Medizi­nern. «Diese Kinder werden dann völlig unnöti­ger­weise mit Medika­menten behan­delt, obwohl die richtige Therapie die Gewichts­ab­nahme in Verbin­dung mit sport­li­cher Betäti­gung wäre», so der Medizin­pro­fessor. Dass die Zahlen steigen - manche Experten gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Kinder und Jugend­li­chen betroffen sind - ist aus Sicht des Medizi­ners auch ein gesell­schaft­li­ches Problem.

Mit Blick auf die schwer­wie­genden Krank­heiten, die sol­chen Patienten im Erwach­se­nen­alter drohen - etwa Herzin­farkt, Schlag­an­fall oder Nieren­ver­sagen - müsse der Lebens­wandel Heran­wach­sender stärker zum Thema werden. So müsse etwa ein Verbot von Softdrinks an Schulen e­benso disku­tiert werden wie eine Sonder­ab­gabe auf Fastfood-Produkte, sagt Dalla Pozza. «Zu einem tatkräf­ti­geren Handeln hat sich die Politik bisher nicht aufraffen können.»

Auch Elke Wühl, Oberärztin am Zentrum für Kinder- und Jugend­me­dizin am Heidel­berger Univer­si­täts­kli­nikum, sieht Überge­wicht bei Kindern als einen Grund für die alarmie­rende Entwick­lung. «Jedes vierte Kind mit Fettlei­big­keit leidet unter Bluthoch­druck», sagt die Profes­sorin, die Mitglied der Kommis­sion «Hyper­tonie bei Kindern und Jugend­li­chen» bei der Deutschen Hochdruck­liga ist. Aller­dings könnten auch normal­ge­wich­tige Kinder an Bluthoch­druck erkranken. Eine frühzei­tige Diagnose sei notwendig. Aber gerade das ist schwierig: Blut­hoch­druck bei Kindern bleibt oftmals unbemerkt. 

Daher ha­t ­die ­Eu­ropean Society of Hyper­ten­si­on ihre Leitli­nien zur Behand­lung von Hochdru­cker­kran­kungen bei Kindern und Jugend­li­chen überar­beitet. Bekräf­tigt wird die Forde­rung, dass Kinder- und Hausärzte bei allen Kindern und Jugend­li­chen den Blutdruck checken sollten. Zwar gibt es in Deutsch­land viele Ärzte, die bereits so verfahren - aber es sind längst nicht alle. «Ab dem dritten Lebens­jahr sollte dies bei jeder ärztli­chen Vorstel­lung erfolgen», fordert Wühl. 

Das unter­stütz­t auch der Göttin­ger Kin­der­kar­dio­lo­ge ­Martin Hulpke-Wette. Gleich­wohl sei die Diagnose des Bluthoch­drucks bei Kindern und Jugend­li­chen nicht einfach. So benötigten Kinder­ärzte etwa spezi­elle Blutdruckm­an­schetten, deren Breite und Länge den kleinen O­ber­ar­men an­ge­passt sein muss. Vor allem aber müssten Kinder­ärzte und Kardio­logen enger zusam­men­ar­beiten, um früh mögliche Fehlent­wick­lungen zu diagnos­ti­zieren.

Auch Hulpke-Wette sieht es als notwendig an, bei der Lebens­weise von Kindern und Jugend­li­chen anzusetzen. Sogenannte Energy-Drinks etwa könnten mit ihrem hohen Koffe­in­ge­halt den Bluthoch­druck erhöhen und stellten ein großes Risiko für Heran­wach­sende dar. Es gebe Kinder, die nahezu tägli­ch ­solche Getränke konsu­mieren.

Erst am Dienstag wurde ein aktueller Fall aus den USA bekannt: Ein 16-Jähriger starb im Bundes­staat South Carolina an den Folgen einer Überdosis Koffein. Der Teenager brach im Unter­richt zusammen, nachdem er einen Milch­kaffee, eine Zitro­nen­li­mo­nade mit hohem Koffe­in­ge­halt und einen Energy-Drink getrunken hatte. Die große Menge an Koffein in kurzer Zeit habe mit hoher Wahrschein­lich­keit Herzrhyth­mus­stö­rungen ausge­löst, erklärte ein Gerichts­me­di­ziner.