Halbe Million Euro für Zungenforschung an der TU

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An der TU Dresden startet ein neues Projekt - das 900.000 Menschen allein in Deutschland den Alltag erleichtern könnte. Gesundheitsministerin Barbara Klepsch hat Zuwendungsbescheide in Höhe von rund 526.000 Euro für das Projekt "Zungenmaus - Entwicklung eines altersgerechten Assistenzsystems zur Gerätebedienung auf Basis von Zungenbewegungen" übergeben. Die Mittel stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Forscher wollen ein System entwickeln, bei dem Haushaltsgeräte oder Computer allein durch die Bewegung der Zunge gesteuert werden können. Solche System könnten Menschen mit motorischen Schwächen der Hände helfen. Allein in Deutschland sind fast 900.000 Menschen von Rheuma, Parkinson oder dem Funktionsverlust von Gliedmaßen betroffen, teilte das Sozialministerium mit.

Details zu dem Projekt aus der Mitteilung des Ministeriums

Forscher der TU Dresden entwickeln im Projekt „Zungenmaus“ ein altersgerechtes, technisches Assistenzsystem, mit dem auf Basis von Zungenbewegungen Geräte bedient werden können. Mit der „Zungenmaus“ soll ein kleines Sensorplättchen zukünftig die Hand ersetzen können.
Es wird hinter den oberen Schneidzähnen befestigt und enthält auf einer flexiblen Leiterplatte eine Sensorik, die Zungenbewegungen exakt vermisst und dadurch einen Eingabemodus ermöglicht.
Die Bewegungen werden in Steuerbefehle umgewandelt und können beispielsweise einen Cursor auf einer grafischen Benutzeroberfläche steuern, wie bei einer Computermaus.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Patientenkomfort. Das Sensorplättchen soll problemlos eingesetzt, entnommen und nicht als störend empfunden werden. Der Einsatz muss auch mit Zahnprothesen ohne Schwierigkeiten möglich sein.
"Die Entwicklung einer Zungenmaus, wie wir sie in diesem Projekt anstreben, ist erst durch die neueren Entwicklungen in den Bereichen der Optoelektronik und des maschinellen Lernens möglich geworden“, erklärt Jun.-Prof. Peter Birkholz vom Institut für Akustik und Sprachkommunikation der TU Dresden. „Diese erlauben einerseits, die Sensorik klein und damit komfortabel tragbar zu machen, aber auch eine Steuerung von Geräten durch die Zunge, die intuitiv ist." Nach kurzer Eingewöhnungs- und Anlernphase wird die Nutzung kinderleicht und – weil der Zungenmuskel nicht ermüdet – über lange Zeiträume möglich.

„Was sich nach einem Spaßprodukt anhört, kann für viele Menschen mit eingeschränkter Motorik eine enorme Erleichterung darstellen“, so Dr. Rico Petrick, Geschäftsführer der Linguwerk. Menschen, die Computer oder Haushaltsgeräte nicht mehr normal bedienen können, sind bisher auf die Hilfe anderer angewiesen. „Bisherige altersgerechte Bedienkonzepte wie große Tasten und die Steuerung über Sprache oder Augenbewegungen, besitzen spezifische Nachteile, wie z.B. eingeschränkte Funktionalität oder hohe Preise“.

Die Förderung des Projektes unterstreicht die Schwerpunktsetzung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) im Bereich Telemedizin, E-Health und technischer Assistenzsysteme.