Hilbert bei OB-Wahl in Dresden vorn: 2. Wahlgang am 10. Juli

Bei der Oberbürgermeisterwahl in Dresden hat am 12. Juni keiner der Bewerber die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Deshalb wird es am 10. Juli einen zweiten Wahlgang geben.

Die meisten Stimmen konnte der amtierende Oberbürgermeister Dirk Hilbert auf sich vereinen. Er kam auf 32,5 Prozent. Hilbert trat für das Bündnis "Unabhängige Bürger für Dresden" an, das auch von der CDU unterstützt wird.

Auf den weiteren Plätzen liegen Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) mit 18,9 Prozent, SPD-Innenexperte Albrecht Pallas (15,2 Prozent), der AfD-Europaabgeordnete Maximilian Krah (14,2 Prozent) und der Linken-Kandidat André Schollbach (10,3 Prozent).

Deutlich weniger Stimmen erhielten Martin Schulte-Wissermann für die Piraten-Partei (2,9 Prozent) und die Einzelkandidaten Marcus Fuchs (3,4 Prozent) - Organisator der Dresdner "Querdenker"-Demos - und Sascha Wolff (1,3 Prozent).

Im zweiten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit. Das heißt, der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt. SPD, Grüne und Linke haben sich schon vor der Wahl darauf verständigt, dass sie den stärksten Bewerber aus ihrem Trio gemeinsam unterstützen. In diesem Fall ist das Eva Jähnigen von den Grünen.

Bis Freitag, 17. Juni 2022, 18 Uhr konnten zugelassene Wahlvorschläge zur Oberbürgermeisterwahl geändert oder zurückgezogen werden. Vier Bewerber haben ihren Wahlvorschlag für den zweiten Wahlgang am Sonntag, 10. Juli 20022 zurückgezogen. Damit stehen beim zweiten Wahlgang fünf Wahlvorschläge auf den Stimmzetteln:

1.        Hilbert, Dirk (Unabhängige Bürger für Dresden e. V.)
2.        Jähnigen, Eva (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
3.        Dr. Krah, Maximilian (Alternative für Deutschland)
4.        Pöhnisch, Jan (Die PARTEI)
5.        Marcus Fuchs (Marcus Fuchs. Dresden verdient Größe #197).

Wahlbeteiligung

In Dresden waren 432.294 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. Damit lag die Zahl der Wahlberechtigten genau 3.800 unter der zur Oberbürgermeisterwahl 2015 (436.094 Wahlberechtigte im ersten Wahlgang).    
Die Wahlbeteiligung lag mit 47,4 Prozent fast vier Prozentpunkte unter der zur Oberbürgermeisterwahl 2015, damals beteiligten sich 51,1 Prozent der Dresdner Wahlberechtigten im ersten Wahlgang. Die Wahlbeteiligung bei Oberbürgermeisterwahlen liegt immer unterhalb der anderer Wahlen, beispielsweise nahmen zur Bundestagswahl 2021 rund 80 Prozent der Wahlberechtigten an der Wahl teil.

Die höchste Wahlbeteiligung wiesen Gönnsdorf/Pappritz mit 59,4 und Loschwitz/Wachwitz mit 59 Prozent auf. Die geringste Wahlbeteiligung hatten die Stadtteile Prohlis-Süd mit 27,2 Prozent sowie Gorbitz-Süd mit 27,8 Prozent. Außer in der Friedrichstadt ging im Vergleich zum 1. Wahlgang der OB-Wahl 2015 in allen Stadtteilen die Wahlbeteiligung zurück (plus 1,3 Prozentpunkte). Am stärksten ging die Wahlbeteiligung in der Wilsdruffer Vorstadt/Seevorstadt-West und in Niedersedlitz zurück (minus 7,5 und 7,3 Prozentpunkte).

Die vorläufige Wahlbeteiligung durch Briefwahl wurde auf zunächst auf 21,5 Prozent aller Wahlberechtigten geschätzt. Um 12 Uhr hatte bereits etwa ein Drittel der Wahlberechtigten abgestimmt, d. h. zusätzlich zu den Briefwählern hatten etwa 12 Prozent der Wahlberechtigten bis 12 Uhr ein Wahllokal aufgesucht. Zur Oberbürgermeisterwahl 2015 lag die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt beim ersten Wahlgang bei insgesamt knapp 28 Prozent, die Briefwahlbeteiligung wurde damals auf rund 13 Prozent geschätzt, d. h. etwa 15 Prozent hatten bis 12 Uhr bereits im Wahllokal gewählt. Um 14 Uhr lag die geschätzte Wahlbeteiligung bei insgesamt 38,7 Prozent und damit noch um etwa drei Prozentpunkte über der von 2015. Um 16 Uhr lag die Beteiligung mit 43,6 Prozent dann etwa einen halben Prozentpunkt unter derjenigen von 2015. Die Briefwahl nahm im Vergleich zu 2015 also zu, dagegen wählten deutlich weniger Wahlberechtigte in einem Wahllokal.

Briefwahl

Einen Wahlschein hatten 97.879 Wahlberechtigte angefordert. Zur Oberbürgermeisterwahl 2015 waren es noch rund 60.000. Beantragt wurden die Wahlscheine zum größten Teil - zu fast zwei Dritteln - über das Internet, etwa ein Drittel nutze die Rückseite der Wahlbenachrichtigung und stellte den Antrag postalisch.
Während zur Wahl 2015 noch etwa 10.500 die Wahl im Briefwahlbüro nutzen, waren es zu dieser Wahl etwa 7.100. Bei der Bundestagswahl 2021 suchten etwa 8.700 Wahlberechtigte das Briefwahlbüro auf, während es zur Bundestagswahl 2017 noch über 17.000 waren. Vermutlich steht der Rückgang der Wähler im Briefwahlbüro im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Der Anteil an allen Wahlberechtigten, die per Briefwahl wählen, betrug damit etwa 20 Prozent, er lag beim ersten Wahlgang 2015 noch bei 12,9 Prozent. Der Anteil der Briefwähler an allen Wählern betrug diesmal etwa 42 Prozent, 2015 war es noch rund ein Viertel. Genau 87.303 Wähler mit Wahlschein beteiligten sich an der Wahl. Etwa elf Prozent der Wahlscheine blieben ungenutzt.

Die höchste Anzahl beantragter Briefwahlunterlagen lag in Dresden bisher bei über 165.000 zur Bundestagswahl 2021, damals wählten rund 37,4 Prozent aller Wählerinnen und Wähler per Briefwahl.

Ergebnisse Gesamtstadt

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (Unabhängige Bürger für Dresden e. V) erhielt fast ein Drittel, genau 32,5 Prozent, der Stimmen. Bürgermeisterin Eva Jähnigen (GRÜNE) kam auf 18,9 Prozent, gefolgt von Albrecht Pallas (SPD) mit 15,2 Prozent. An vierter Stelle liegt der Kandidat der AfD, Dr. Maximilian Krah mit 14,2 Prozent. Auch André Schollbach (DIE LINKE) erhielt mit 10,3 Prozent der Stimmen ein zweistelliges Ergebnis. Der Einzelkandidat Marcus Fuchs (Marcus Fuchs. Dresden verdient Größe #197) erreichte 3,4 Prozent, Dr. Martin Schulte-Wissermann (PIRATEN) 2,9 Prozent. Die Kandidaten Jan Pöhnisch (Die PARTEI) und Sascha Wolff (SASCHA WOLFF - VIELFALT FÜR DRESDEN) liegen mit 1,3 Prozent etwa gleich, in absoluten Stimmen liegt Sascha Wolff mit 11 Stimmen vor Jan Pöhnisch.

Im Vergleich der abgegebenen Stimmen per Urnen- und Briefwahl fallen die jeweiligen Unterschiede bei den Kandidaten André Schollbach, Dr. Martin Schulte-Wissermann, Jan Pöhnisch und Sascha Wolff sehr gering aus. Dirk Hilbert erhält 35,7 Prozent der Briefwahlstimmen, aber nur 30,1 der Urnenwahlstimmen, auch seine Konkurrentin Eva Jähnigen erreicht mit 21,1 Prozent zu 17,3 Prozent einen höheren Briefwahlanteil. Bei Albrecht Pallas besteht nur ein Prozentpunkt Unterschied zugunsten der Briefwahl. Dr. Maximilian Krah erreicht bei der Urnenwahl (18 Prozent) ein deutlich höheres Ergebnis als bei der Briefwahl (neun Prozent), ebenso Marcus Fuchs mit 4,1 zu 2,4 Prozenten.

Ergebnisse in den Stadtteilen

In 53 Stadtteilen erreichte der Amtsinhaber, Dirk Hilbert, den höchsten Stimmenanteil aller Bewerber/-innen. Am höchsten waren seine Stimmenanteile in Weixdorf (45,0 Prozent) und in Altfranken/Gompitz (44,3 Prozent), gefolgt von Klotzsche (41,7 Prozent). Am wenigsten Stimmenanteile erhielt er in der Äußeren Neustadt (12,5 Prozent) und in der Leipziger Vorstadt (13,8 Prozent).

Eva Jähnigen erhielt in acht Stadtteilen die Mehrheit der Stimmen. Am höchsten waren die Anteile in der Äußeren Neustadt (45 Prozent), in der Leipziger Vorstadt (38,7 Prozent) sowie in Pieschen-Süd (34,1 Prozent). Am geringsten war der Zuspruch für sie in den Stadtteilen Prohlis-Süd und Prohlis-Nord (6,4 und 7,4 Prozent).
In Plauen konnte Albrecht Pallas mehr als ein Viertel der Stimmen erreichen (25,7 Prozent). In der Südvorstadt-West und in Räcknitz/Zschertnitz erhielt er 20,1 Prozent. In Schönfeld/Schullwitz sowie Gorbitz-Nord/Neu-Omsewitz waren seine Stimmenanteile am geringsten (10,9 und 11,5 Prozent).

In Schönfeld/Schullwitz sowie Gorbitz-Nord/Neu-Omsewitz lagen die Stimmenanteile von Dr. Maximilian Krah mit 25,1 und 24,5 Prozent am höchsten, jedoch noch unterhalb des Amtsinhabers. Dirk Hilbert konnte hier 37,6 Prozent bzw. 31,2 Prozent verbuchen. In der Äußeren Neustadt sowie in der Leipziger Vorstadt erhielt der AfD-Kandidat dagegen nur 2,6 und 5,8 Prozent der Stimmen.

André Schollbach erhielt in Prohlis-Süd den höchsten Zuspruch (15,9 Prozent). In vier weiteren Stadtteilen erreichte er mehr als 15 Prozent der Stimmen. In Schönfeld/Schullwitz (6,0 Prozent) sowie eher in Stadtteilen am Stadtrand waren seine Stimmenanteile am niedrigsten.
Die vier weiteren Kandidaten konnten in keinem Stadtteil mehr als zehn Prozent erreichen. Mit 8,3 Prozent erreichte Dr. Martin Schulte-Wissermann in der Äußeren Neustadt das höchste Ergebnis dieser Kandidaten. Marcus Carsten Fuchs konnte mit 7,3 Prozent in Schönfeld/Schulwitz sein höchstes Ergebnis erzielen. Sascha Wolff erhielt in Pieschen-Süd (2,3 Prozent) und Jan Pöhnisch in der Leipziger Vorstadt (2,5 Prozent) den höchsten Zuspruch.