Donny McCaslin: Bowies Werk wird überdauern

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New York (dpa) - Nur wenige Menschen waren David Bowie in den letzten Monaten vor seinem Tod im Januar so nahe wie Donny McCaslin. Der Saxofonist und Bandleader arbeitete mit ihm am letzten Album «Blackstar», das nur zwei Tage vor dem Tod des legendären Musikers erschien.

Lustig, klug, bescheiden und großzügig sei Bowie gewesen, sagt McCaslin im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Bowies Werk, da ist er sich sicher, werde die Zeit überdauern.

Frage: Ihr im Oktober erschienenes Album «Beyond Now» ist für Sie ein ganz besonderes - warum?

Antwort: Davor hatte ich mit David Bowie an seinem Album «Blackstar» gearbeitet, und das war eine tiefgreifende Erfahrung für mich. Seine Songs waren immer dabei, während ich meine eigenen schrieb. Nach seinem Tod hatte ich mit den anderen Musikern vom «Blackstar»-Album - Tim Lefebvre, Jason Lindner und Mark Guiliana - eine Woche lang jeden Abend einen Auftritt in New York. Und wir haben darüber nachgedacht, wie wir ihn ehren können. Dann haben wir jeden Abend «A Small Plot of Land» gecovert - für uns war das eine Möglichkeit, unsere Gefühle auszudrücken. Es war kathartisch, dieses Lied zu spielen.

Frage: Ist Ihr Album eine Hommage an Bowie?

Antwort: Ja, das fühle ich so. Ich möchte seine Furchtlosigkeit als Künstler ehren, die ihm dabei geholfen hat, die Grenzen von Musik, Mode und Videokunst zu sprengen. So war es auch bei «Blackstar». Für jemanden wie mich, der das in seiner Arbeit auch versucht, war es sehr bestätigend, das von Nahem zu sehen und zu leben.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Bowie?

Antwort: Wie er an seine Arbeit herangegangen ist. Man hat sofort gespürt, wenn er einen Raum betreten hat. Man konnte seine Präsenz spüren, seinen Fokus, aber alles mit einer ruhigen Gelassenheit - das war einfach wunderbar! Aber auch die Menschlichkeit, die er uns entgegengebracht hat. Von der ersten Minute an hat man sich wohl gefühlt. Er hat uns ermutigt, Risiken in unserer Arbeit einzugehen, und war dann sehr glücklich mit allem, wie es war. Außerdem war er auch sehr lustig, sehr klug - wir haben über alles gesprochen: Filme, Bücher, Politik - alles. Er war großzügig, bescheiden, konnte über sich selbst lachen - all das war wirklich beeindruckend und anregend.

Frage: Sie waren einer der wenigen Menschen, die ihm in seinen letzten Monaten sehr nahe waren. Für die Welt kam sein Tod schockierend plötzlich, für Sie auch?

Antwort: Darüber möchte ich nicht sprechen. Bowie hat seine Privatsphäre immer sehr geschützt, und ich möchte das respektieren. Aber ich kann sagen, dass immer, wenn wir zusammen waren, er präsent und fokussiert war. Das war beeindruckend. Es gab zum Beispiel im Sommer 2014 einen Tag, an dem wir den Song «Sue (Or in a Season of Crime)» aufgenommen haben. Erst haben wir fünf oder sechs Stunden lang die Instrumentalteile aufgenommen, und er saß die ganze Zeit im Regieraum und hat zugehört. Danach sollte er eine Probeversion des Gesangs aufnehmen. Und der ist bei diesem Lied eine ganz schöne Herausforderung! Er steht also auf nach sechs Stunden, singt ein paar Noten zum Aufwärmen, legt los - und am Ende wird das die finale Version.

Frage: Was ist Bowies Vermächtnis?

Antwort: Er wird einer dieser Künstler sein, deren Werk die Menschen noch in Generationen hören werden. Ein Künstler, der sein Denken immer weiter vorangetrieben hat und keine Angst davor hatte, Risiken einzugehen. Er hat die Grenzen gesprengt und sein Publikum mitgenommen. Die Qualität seiner Arbeit wird Generationen überdauern, weil er so ein einzigartiger Musiker war.

ZUR PERSON: Donny McCaslin (50), geboren in Kalifornien, ist ein gefeierter Jazz-Saxofonist. Er hat viele Alben herausgebracht und war mehrmals für den Grammy nominiert. Mit David Bowie arbeitete er an dessen letztem Album «Blackstar». Im Oktober erschien McCaslins jüngstes Album «Beyond Now» als Hommage an Bowie.