• So bilderbuchmäßig ist der Sachsenherbst. Aber um in genießen zu können, sollte man Erkältung und Co. bekämpfen, bevor sie sich breitmachen.

Der Herbst 2018 kommt: In Sachsen diesmal ohne Triefnase

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Der Sommer 2018 neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Im Löbauer Herrmannbad sonnt sich niemand mehr auf der Liegewiese, keine Kinder hüpfen mehr von den Startblöcken. Bei anderen Freibädern im Land sieht es ähnlich aus. Wer frühmorgens das Schlafzimmerfenster aufreißt, dem wird schnell eine Gänsehaut über die Schultern kriechen. Bonjour, Herbst. Natürlich hat er viele schöne Seiten und erst recht diejenigen, die unter Hitze und Dürre des Rekordsommers litten, werden erleichtert aufatmen. Aber Herbst bedeutet eben auch wieder Schniefnasenzeit. Warum das so ist und wie man es dieses Jahr richtigmachen sollte, um nicht bei jeder Niesorgie im Büro mit dabei zu sein, zeigen wir jetzt.

1. Etwas Krankheitskunde

Um Krankheiten bekämpfen zu können, muss man sie verstehen. Das soll das erste Kapitel unseres Artikels übernehmen.

Grippe oder Erkältung?

Die meisten Sachsen nutzen die Begriffe ziemlich synonym: Grippe, Erkältung. Allerdings gibt es signifikante Unterschiede. Sowohl darin, was diese beiden Krankheiten auslöst und ausmacht als auch, wie man sie behandeln oder bereits vorbeugen kann:

  • Grippe wird ausschließlich durch Influenza-Viren ausgelöst. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie „von jetzt auf gleich“, oft binnen weniger Stunden, kommt. Neben Husten, Halsschmerzen steigt auch die Temperatur in Richtung echtes Fieber (>38°C). Einzigartige und verräterische Grippe-Signalgeber sind Kopf- und Gliederschmerzen sowie die Anwesenheit der Triefnase. Eine „richtige“ Grippe kann wochenlang ans Bett fesseln und sogar lebensbedrohlich sein – die Grippesaison 2017/18 forderte im Freistaat fast 170 Tote. Das Problem daran: Man kann sich wegen der Übertragungswege schlecht wirkungsvoll schützen. Grippe ist sehr infektiös.
  • Erkältungen oder „Grippale Infekte“ können indes durch über hundert unterschiedliche Virenformen ausgelöst werden. Und fast immer gilt die alte Regel „Kommt eine Woche, bleibt eine Woche, geht eine Woche“. Das heißt man erkennt Erkältungen daran, dass die Symptome sich langsam anbahnen. Die Hauptpunkte sind hier die der Atemwege. Besonders der Schleim, das Niesen. Gegen Erkältungen kann man sich (etwas) leichter schützen, denn die Auslöser sind nicht so potent wie das Influenza-Virus.

Falls sich übrigens noch weitere Symptome dazugesellen (etwa starker Durchfall), kann mitunter auch eine andere Krankheit vorliegen oder etwa eine Misch-Ansteckung. In dem Fall bitte den Hausarzt aufsuchen.

Ist Kälte daran schuld?

Es ist nasskalt, Wind weht, eben so richtig herbstlich-ungemütlich. Das kann, je nach Großwetterlage, schon im September auftreten und sich in Sachsens Hochlagen auch schon arg nach Novemberwetter anfühlen. Wenn da Grippe oder Erkältung eintrudeln, ist für viele klar: das Wetter ist der Übeltäter.

Wie bereits erklärt, werden Grippe und Erkältung jedoch ausschließlich durch Viren ausgelöst. Direkt mit der Kälte hat das nichts zu tun, kann eine Erkrankung aber durchaus begünstigen:

  • Menschen halten sich bei kühlem Wetter mehr in geschlossenen Räumen auf, lassen Fenster und Türen zu. Luftaustausch wird dadurch verringert, die „Virenzahl pro Volumen Atemluft“ steigt und durch die länger drinnen verbrachte Zeit auch das Ansteckungsrisiko.
  • Durch das frühe Drinnen-Bleiben ab September wird das Immunsystem vom niedrigschwelligen Kontakt mit Erregern abgeschottet. Wenn dann die richtige Krankheitssaison beginnt, weist es mehrwöchige Lernlücken auf, die das Eindringen frischmutierter Erreger erlauben.
  • Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus. Das ist kritisch, denn die Feuchtigkeit unserer Atemwege ist eine der stärksten Barrieren gegen Eindringlinge.
  • Die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ist an die Temperatur gekoppelt. Warum das so ist, ist wissenschaftlich noch nicht gänzlich verstanden. Man weiß nur, dass die immunologische Reaktion auf Erreger bei niedrigen Temperaturen geringer ausfällt.

Unterm Strich sieht es also folgendermaßen aus: Nasskaltes Herbstwetter ist eine Art selbsterfüllende Prophezeiung, die unser Erkältungsrisiko erhöhen kann. Dementsprechend lassen sich aber auch Bekämpfungsstrategien sehr gut planen.

Was hat es mit der Impfung auf sich?

Derzeit werden bei fast jeder Apotheke im Freistaat und den Hausärzten wieder die Werbeplakate hervorgeholt: „Lassen Sie sich gegen Grippe impfen“, lautet ihr Tenor und viele folgen – selbst wenn die empfohlene Kernzielgruppe der Impfungen sich nur auf besonders exponierte/gefährdete Personengruppen beschränkt.

Das Problem indes erwächst aus mehreren Tatsachen heraus: 

  • Vom Influenza-Erreger gibt es unzählige Varianten. Impfungen schützen aber immer nur gegen eine oder wenige darunter.
  • Beinahe alljährlich wandeln sich die Grippe-Erreger, sie mutieren und führen dazu, dass neue Impfungen entwickelt werden müssen. Jede Impfung hilft nur gegen die „Trend-Erreger“ eines Jahres und muss danach aufgefrischt werden.

Grippewellen sind nicht zyklisch und erfassen auch nicht das ganze Land. Wenn in Nordwestdeutschland eine Welle rollt, kann in Sachsen auch gar kein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen.
Hinzu kommt, dass die Impfung selbst zwar keine Grippe auslösen kann, das ist virologisch unmöglich. Aber sie kann grippeähnliche Symptome hervorrufen. Deshalb gilt: Sofern nicht gerade eine Grippewelle bei uns anrollt und man zu Risikogruppen gehört, ist die Impfung nicht zwingend notwendig.

2. Vorbeugende Maßnahmen

Vieles kann man bei Erkältungen und teils auch einer Grippe dadurch vermeiden, dass man die Abwehrkräfte seines Körpers auf ein hohes Level bringt – und zwar genau jetzt, wo der Herbst noch nicht in voller Stärke angekommen ist.

Nicht zu viel Wärme

Kälte schwächt das Immunsystem, das wurde bereits erläutert. Ebenso, dass Heizungsluft diesem weiter zusetzt. Doch was sollte man nun tun? Ganz einfach: Dass Heizungsluft die Schleimhäute trocknet, lässt sich kaum vermeiden – selbst mit Luftbefeuchtern.

Wohl aber kann der Körper geschult werden, auch bei Kälte die Immunabwehr hoch zu halten. Ginge das nicht, wären sämtliche Bewohner Kanadas, Sibiriens usw. ja im Winter dauererkältet.

Ergo: Auch, wenn es im Verlauf von September und Oktober vor allem abends schon reichlich „schattig“ sein kann, sollte man davon Abstand nehmen, deswegen gleich die Heizung einzuschalten. Schon deshalb, weil es nur gefühlt kalt ist:

  • Zehn Grad kommen uns im Frühherbst frostig kalt vor, weil wir gerade erst einen Sommer hinter uns haben.
  • Zehn Grad im Januar indes empfinden wir als reichlich mild.

Es gibt zudem genug Maßnahmen, mit denen man sich anderweitig warmhalten kann, angefangen bei der Sofa-Kuscheldecke. Doch all diese Schritte sollte man erst dann gehen, wenn einem wirklich kalt ist. Sprich, man zittert, hat eisig kalte Hände, Füße und eine ebensolche Nasenspitze. Vorher ist zusätzliche Wärme nicht nötig. So kann sich der Körper nach wenigen Tagen an die kühleren Temperaturen gewöhnen – mitunter wird uns dann der ganze Winter nicht mehr so kalt vorkommen.

Raus in die Welt

Je mehr Kontakt der Körper mit anderen Menschen, mit den immunologischen Herausforderungen vor der Haustür hat, desto mehr werden die Abwehrkräfte geschult. Er lernt Erreger kennen, kann Strategien entwickeln. Das ist gerade jetzt so wichtig wie an keinem anderen Punkt im ganzen Jahr. Denn Grippewellen beginnen meist erst im Januar, die Erkältungssaison hingegen in den nasskalten Zwischenphasen, in denen es weder richtig kalt noch warm ist (bei Frost sterben viele Erreger ab bzw. werden inaktiv). Sprich, im Spätherbst ab November bzw. im Februar und März.

Das bedeutet: jetzt sollte man raus in die Welt gehen. Ob man bei einem Einkaufsbummel durch Sachsens Innenstädte mit den Erregern in Kontakt kommt oder auf den schönsten Wanderrouten im Freistaat, ist zweitrangig. Wichtig ist nur, dass man sich dorthin begibt, wo das Immunsystem lernen kann.

Helfer zuführen

Auch die richtige Ernährung kann zu einer guten Immunabwehr beitragen. Jetzt sollte man darauf achten, dem Körper ganz gezielt die notwendigen Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente (zusammengefasst als Mikronährstoffe) zuzuführen.  

Das ist ein komplexes Thema für sich, denn das nötige Wissen über die Stoffe ist faszinierend und umfangreich. Aber etwas Einlesen lohnt sich: Denn jeder einzelne der dutzenden Helfer hat seine eigene Aufgabe im Körper, wird anders verbraucht und muss dementsprechend gezielt zugeführt werden. Das ist besonders wichtig, wenn man den vorherigen Punkt sehr sportlich nimmt, denn bei mehr Bewegung steigt auch automatisch der Mikronährstoffverbrauch.

Eine gute Basis ist es schon, wenn man täglich frisches Obst und Gemüse bzw. Säfte konsumiert. Viele Stoffe sind direkt am Immunsystem beteiligt (etwa Zink), andere hingegen eher indirekt über andere Stoffwechselvorgänge. So ist Magnesium etwa primär nur an Muskel- und Nervenfunktionen beteiligt. Aber ein Mangel zeigt sich auch in schlechterem/kürzeren Schlaf, worunter dann wiederum direkt das Immunsystem leidet. Das bringt uns auch zum nächsten Punkt:

Guter Schlaf

Schlaf ist wichtig fürs Gehirn, für unsere Erinnerung und für die geistige Aufnahmefähigkeit. Aber er stellt auch die Phase des Tages dar, während der unser Immunsystem bzw. die Heilungsfunktionen auf Volllast laufen. Während wir schlafen, leisten unsere Abwehrkräfte Schwerstarbeit und die Heilkräfte sorgen dafür, dass eingefangene Erreger viel wirkungsvoller als am Tag bekämpft werden können.

Deshalb sollte man sicherstellen, dass sowohl die Qualität des Schlafs wie die Dauer auf einem maximal hohen Level sind. Bekommen wir zu wenig davon, schwächt dies unser Immunsystem. Das macht im Sommer nichts aus, kann aber im Herbst genau der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt:

  • Das Schlafzimmer sollte mindestens 16, maximal 18°C aufweisen. Wem das zu kalt ist, der sollte sich durch dickere Schlafkleidung oder mehr Decken dagegen wappnen, nicht aber durch Heizen.
  • Der Sauerstoffgehalt sollte so hoch sein wie möglich. Deshalb unmittelbar vor dem Zubettgehen (auch bei kalter Witterung) nochmal für zehn Minuten richtig gut durchlüften.
  • Idealerweise geht man an jedem Tag zur gleichen Zeit ins Bett und steht ebenso einer Routine folgend morgens auf. Wer dies unter der Woche richtig „einstellt“, kommt mitunter ganz ohne Wecker aus – das lässt sich aber nur schaffen, wenn man auch am Wochenende oder im Urlaub so verfährt.

Guter Schlaf ist übrigens auch eine Kopfsache. Bedeutet, das Gehirn muss das Schlafzimmer ausschließlich mit „Schlaf“ verbinden und nicht etwa noch „Bügeln“ oder „Fernsehen vom Bett aus“.

Oberstes Gebot Reinlichkeit

Erreger für Grippe und Erkältungen befinden sich zwar in der Atemluft. Allerdings nicht für eine allzu lange Zeit, weil auch sie etwas schwerer als diese sind und deshalb mit der Zeit absinken – bis sie durch einen Luftstoß (etwa eine sich öffnende Tür) wieder von neuem aufgewirbelt werden. Tatsächlich gibt es keine Oberfläche, die frei von Erregern wäre. Daher sollte man mit Reinlichkeit dagegen vorgehen, damit man die Virenlast, die in den Körper eindringt, so gering wie möglich hält.

Die gute Nachricht: Viele Grippeviren halten es auf Oberflächen nicht sonderlich lange aus, sie sterben schon nach wenigen Stunden ab. Die schlechte Nachricht: Von all den Erkältungserregern sind manche wesentlich härter im Nehmen. Sie bleiben teilweise Tage auf Türklinken, Handydisplays und Ähnlichem aktiv. Einmal zugegriffen und danach unachtsam im Gesicht herumgewischt und Sachsens Arbeitnehmer-Krankentage-Statistik hat einen neuen Fall.

  • Alles, was mutmaßlich von vielen anderen Menschen berührt wird (auch Zahlenfelder, etwa am Geldautomat usw.) nach Möglichkeit nur über ein Einwegtaschentuch berühren.
    Ist ein Kontakt unvermeidbar, entweder die Hände gründlich waschen oder (besser) mit einem Spray desinfizieren.
  • Nicht ohne vorherige Handreinigung ins Gesicht fassen.
  • Nase nur in Einwegtaschentücher schnäuzen und dies auch nur einmal. Das mehrfache Verwenden desselben Tuchs stellt ein enormes Infektionsrisiko dar.
  • Oberbekleidung, die man inmitten vieler Menschen trug, beim Nachhausekommen in der Diele ablegen und häufiger waschen.

Man muss es wegen ein paar Erkältungsviren nicht übertreiben. Zu viel Hygiene sorgt nur dafür, dass das Immunsystem nichts zu tun hat. Aber etwas mehr Vorsicht sollte man gerade in der Erkältungszeit einführen.

Schwitzen und Abhärten

Warum das Immunsystem bei Kälte weniger leistet, ist wie erwähnt noch nicht ganz erforscht. Warum es jedoch bei Hitze auf Hochtouren arbeitet, weiß man indes sehr genau:

 

  • Das Schwitzen sorgt dafür, dass der Stoffwechsel angefeuert wird und dass Giftstoffe und Erreger schneller aus dem Körper transportiert werden.
  • Die Durchblutung wird verbessert. Dadurch profitieren alle nachgeschalteten Körpersysteme, auch die Immunabwehr. Abwehrstoffe können dann schneller zum Einsatzort transportiert werden.
  • Damit der Körper besser atmen kann, verflüssigt er die Schleimproduktion in Nase und Rachen. Die Nase läuft und nimmt dabei sämtliche Viren mit, die schon im Atemtrakt stecken.

Sind Grippe oder Erkältung schon da, hilft das Schwitzen zwar nicht, kann wegen der Anstrengung die Heilung sogar verzögern. Aber im Vorfeld ist es ein großartiger Helfer. Und das Beste: Schwitzen geht auf vielerlei Arten:

  • Die beste davon ist natürlich Sport, idealerweise zusammen mit anderen, damit das Immunsystem durch „deren“ Viren weiter geschult wird. Aber auch schon ein regelmäßiger einsamer Waldlauf ist fast ebenso gut – neben der Tatsache, dass Sport allgemein die Gesundheit stärkt.
  • Auf einem zweiten Platz folgt die gesundheitsfördernde Wirkung der Sauna, die zudem auch noch den Vorteil hat, dass durch den anschließenden Sprung ins kalte Wasser auch noch die eigene Toleranzschwelle für Temperatur-Extreme erhöht wird. Einfach ausgedrückt: Wer dieser Tage einmal wöchentlich sauniert, dem kommt die heraufziehende Herbstkühle lange nicht so schlimm vor.
  • Platz drei gebührt den Wechselduschen: etwa 30 Sekunden kalt und 300 Sekunden warm. Zweimal morgens wiederholen und gut abtrocknen hat einen ähnlichen Effekt wie die Sauna.

Dabei sei allerdings auch unterstrichen, dass Abhärtung des Körpers nichts mit dauerhaftem Frieren zu tun hat. Wer also trotz unpassender Witterung im Oktober noch im T-Shirt draußen ist, tut seinem Immunsystem gar nichts Gutes, sondern schwächt es nur künstlich – da kann man vorher so viel sauniert oder trainiert haben, wie man möchte.

Die richtige Kleidung

Was kann man schließlich kleidungstechnisch für den Erkältungsschutz tun? Primär das Befolgen eines Satzes: „Man friert nicht darin, schwitzt aber auch nicht“ (letzteres würde im Freien zu Auskühlung führen).

Von unten nach oben bedeutet das:

  • Geschlossene Schuhe und(!) Socken. Kalte Füße sind die Basis allen Übels.
  • Lange Hosen. Und zwar nicht aus dünnem Sommerstoff. Jeans ist ideal, dazu auch moderne Outdoor-Synthetik. Zum Rock bitte eine Strumpfhose.
  • Zwiebellook für den Oberkörper. Perfekt sind (Unterhemd), T-Shirt und ein Flanellhemd, über das man abends einen Pulli ziehen kann.
  • Als Regenschutz darüber eine wirklich taugliche Regen- oder Hardshell-Jacke. Wer das nicht kann, sollte immer einen Regenschirm mitführen.

Zudem gilt: Die Sachen, die man den ganzen Tag über getragen hat, beim Heimkommen gleich wechseln und waschen. Und im Büro immer etwas Trockenes deponieren.

Wenn man all diese Schritte beherzigt, dann kann der Herbst 2018 durchstarten. Und diesmal nur von seinen schönsten Seiten und nicht wie sonst mit Rotznase, Taschentuchbergen und typischem „Mies-Feeling“.