Debatte um Masern-Impfpflicht für Kinder

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Das Bundesgesundheitsministerium hat die neuerliche Debatte über eine Impfpflicht gegen Masern begrüßt. Ein Sprecher wies in Berlin allerdings darauf hin, dass die Gespräche darüber noch liefen und er daher keinen Sachstand wiedergeben könne. Jedenfalls mache sich das Ministerium große Sorgen über die Zunahme der ansteckenden Krankheit. Bereits in der vergangenen Legislaturperiode wurden verschärfende Regeln beschlossen, darunter eine verpflichtende Impfberatung für Eltern, die ihre Kinder in Kitas schicken wollen.

11 Masernfälle bereits seit Jahresbeginn

In Sachsen wurden in diesem Jahr bereits 11 Masernfälle registriert. Im gesamten Jahr 2018 waren es nur acht Erkrankungen, sagte Jörg Förster vom Sächsischen Sozialministerium auf unsere Anfrage. Deshalb wird weiter auf Aufklärung gesetzt. Bereits im Mai startet deshalb eine neue Impfkampagne.

In Dresden gab es zu Jahresbeginn Masernfälle an der TU Dresden.

Die bundesweit diskutierte Einführung einer Impfpflicht sieht Förster aufgrund des Grundrechtes auf körperliche Unversehrtheit im Moment als noch nicht umsetzbar. Anlass für die Debatte ist eine verstärkte Häufung von Masern-Fällen unter anderem in Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Grüne skeptisch

Die Grünen im Bundestag gehen auf Distanz zu Forderungen aus der SPD, die Impfung von Kindern gegen Masern zur Pflicht zu machen. Statt auf Zwang und Sanktionen zu setzen müsse man das Vertrauen in eine gute Beratung stärken und auf herrschende Verunsicherungen eingehen, sagte die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND/Montag). «Dazu brauchen wir eine Aufwertung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und bessere personelle Ausstattung.»

Schulz-Asche betonte zugleich, impfen sei ein Akt gesellschaftlicher Solidarität. «Je mehr Menschen geimpft sind, desto größer ist der Schutz für die Bevölkerung, auch gerade für diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.»

Der SPD-Fraktionsvize und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte dem RND gesagt, er sei über eine Impfpflicht mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Gespräch und «zuversichtlich, dass wir demnächst einen entsprechenden Vorschlag vorlegen können». Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur, man sei besorgt über die steigende Zahl der Maserninfektionen in Deutschland, die zu viele Menschen «auf die leichte Schulter» nähmen. «Eine Debatte über mögliche Maßnahmen ist nur zu begrüßen», sagte er.

Angesichtes einer Häufung von Krankheitsfällen in mehreren Regionen hatte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin kürzlich eine Impfpflicht gefordert. Masernerkrankungen seien extrem ansteckend und potenziell tödlich. Infolge einer Masernerkrankung könne es teils erst Jahre später zu einer Gehirnentzündung kommen, für die es keine Behandlung gebe und an der betroffene Patienten ums Leben kämen. (red mit dpa)