Angeklagter im Prozess um Mordfall Heike Wunderlich bricht Schweigen

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Im Prozess um den fast 30 Jahre zurück­lie­genden Mord an Heike Wunder­lich hat der Angeklagte sein Schweigen gebro­chen. Der gesund­heit­lich angeschla­gene 61-Jährige äußerte sich zwar weiterhin nicht zu den Tatvor­würfen.

Im Rahmen einer sogenannten Verständ­nis­prü­fung aber beant­wor­tete er am Donnerstag am Landge­richt Zwickau Fragen zum Inhalt des Verfah­rens­tages. Dabei ging es um Angaben und Aussagen einer früheren Freundin des Opfers, die als Zeugin vernommen wurde.

Nach Ansicht der Neben­klage ist der Beschul­digte trotz der Folgen eines Schlag­an­falls zeitlich, räumlich und örtlich orien­tiert. Daher liege kein Grund vor, das Verfahren nicht fortzu­setzen. Es mag sein, dass der Mann nicht alles mitbe­komme, sagte Neben­klage-Anwalt Herbert Posner. Aber: «Nur, weil es langsam geht, heißt es nicht, dass es nicht zu Ende geführt wird.»

Dem Angeklagten Helmut S. wird vorge­worfen, am 9. April 1987 die damals 18 Jahre alte Frau in der Nähe von Plauen verge­wal­tigt und anschlie­ßend erdros­selt zu haben. Der Frührentner aus Gera ist seit einem Schlag­an­fall 2012 gehan­di­capt. Ein Gutachten hatte ihm attes­tiert, nur zwei Stunden pro Tag mit einer Pause dazwi­schen verhand­lungs­fähig zu sein.

Nach neun Monaten in Unter­su­chungs­haft und drei Verhand­lungs­tagen hatten die Staats­an­walt­schaft und die Neben­klage Zweifel am Grad der Einschrän­kungen geäußert. Beide Parteien wollten es genauer wissen - und hakten am vierten Verhand­lungstag nach. Was kann der Angeklagte, was nicht? Kann er dem Prozess inhalt­lich folgen? In welchem Umfang kann er kommu­ni­zieren?

Staats­an­walt Holger Illing sowie die Anwälte der Familie des Opfers, Posner und Guido Zengerle, befragten den Frührentner. Einige Fragen konnte er beant­worten, nach überlegen, stockend, abgehackt und aufgrund einer rechts­sei­tigen Lähmung nicht leicht zu verstehen. Einen zusam­men­hän­genden Satz sprach er nicht. Der Angeklagte war der Befra­gung der Zeugin gefolgt, indem er den Kopf mal in Richtung des Richters wendete, mal in Richtung der Zeugin. Dabei war nicht zu erkennen, wie viel des Inhalts er mitbekam.

Illing: «War Heike Wunder­lich mit einem Fahrzeug unter­wegs?» Angeklagter: «Ja.» Illing: «Was für ein Fahrzeug?» Angeklagter: «Moped.» Der Staats­an­walt wollte das Ergebnis mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht bewerten.

Die Zeugin war mit Heike Wunder­lich am Tag von deren Tod zusam­men­ge­wesen. Sie war von ihr mit ihrem Moped nach der Abend­schule nach Hause gebracht worden. In der Befra­gung ging es neben der Rekon­struk­tion des Tattages um mögliche Männer-Bekannt­schaften und Sexual­kon­takte der Getöteten. Die damalige Freundin beschrieb Heike Wunder­lich als zurück­hal­tend, aber beliebt. Fremde habe sie aus Vorsicht nicht mit ihrem Moped mitge­nommen.

Der Angeklagte soll an diesem Freitag von der Justiz­voll­zugs­an­stalt Zwickau wieder ins Haftkran­ken­haus Leipzig überführt werden. Der Prozess wird am 5. Januar (9.00 Uhr) mit dem fünften Verhand­lungstag fortge­setzt.