• Foto: kmk

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  • Spreehotel Bautzen. Foto: dpa

    Spreehotel Bautzen. Foto: dpa

Angeklagte gestehen versuchten Brandanschlag auf Bautzener Asylbewerberheim

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Sie sollen versucht haben,  das als Asylbewerberheim genutzte Spreehotel in Bautzen in Brand zu setzen. Außerdem wird ihnen eine Vielzahl von Einbrüchen vorgeworfen – davon allein über 20 in Gartenlauben. Heute Vormittag begann der Prozess am Landgericht in Bautzen. Auf der Anklagebank sitzen vier junge Männer aus Bautzen (25), Löbau und Zwickau (beide 21 Jahre alt). Ihre Biographien ähneln sich. 

Förderschule, Drogen, Schulden

Förderschule, Drogen, Schulden. Zwei der Angeklagten saßen schon im Knast, waren in der Psychiatrie. Einer ist Gebäudereiniger, die anderen sind arbeitslos, leben von Hartz-IV. Ob Lebensmittel, Haushalts- und Unterhaltungsgeräte, Werkzeug, Bier und Schnaps – sie nahmen sich, was sie brauchten. Eine halbe Stunde brauchte der Staatsanwalt, um die Anklage zu verlesen. 

Die Angeklagten sollen  vier mit Diesel gefüllte und mit Stoffresten verschlossene Bierflaschen angezündet und auf das Spreehotel-Gelände geworfen haben.  Die Molotow-Cocktails zerschellten auf dem Fußweg vor dem Gebäude und gingen aus. Den Kraftstoff besorgten sich die Drei in einer Tankstelle in Bautzen.

Bewährungsstrafen bei Geständnissen

Alle drei Angeklagten räumten die Taten ein  Zuvor waren ihnen vom Gericht Bewährungsstrafen in Aussicht gestellt worden - unter der Bedingung, dass sie gestehen. Die Prozessparteien - Richter, Staatsanwalt und Verteidiger - hatten diese Vereinbarung in einem sogenannten Rechtsgespräch getroffen. Solche "Deals" werden oft in meist aufwendigen Strafverfahren geschlossen. Damit soll die Prozessdauer verkürzt werden.

"Aufmerksamkeit erreichen"

Als Motiv für die Molotow-Attacke auf das Asylbewerberheim nannten alle drei Angeklagten übereinstimmend, dass sie Aufmerksamkeit erreichen wollten. Es sei ihnen aber nicht darum gegangen, die Bewohner zu verletzen oder Sachschaden anzurichten. "Wir hatten Ärger und Alkohol getrunken, wollten uns etwas beweisen, aber nicht die Asylbewerber in Lebensgefahr bringen", so der aus Zwickau stammende Angeklagte. Die Erklärungen der Drei wirkten auf den Prozessbeobachter wie von ihren Anwälten vorformuliert.

Männer mit schwarzen Quarzhandschuhen

Der aus Löbau stammende Angeklagte erklärte auf beharrliches Nachfragen der Richter, dass er von zwei Männern mit schwarzen Quarzhandschuhen bedroht worden sei. Sie seien in seine Wohnung gekommen, hätten ihn auf die Laubeneinbrüche angesprochen. Die Männer hätten gedroht, dass sie die Einbrecher "kalt machen" würden. Sie könnten aber "aus dem Schussfeld kommen" , wenn sie "das Kanakenheim" anzünden, so die Aussage des Löbauers damals bei der Polizei. Heute konnte er sich an diese Aussage nicht mehr erinnern.

"Die beiden Männer kamen nicht wieder"

"Wir wurden bedroht, hatten Angst, dass wir eins aufs Maul kriegen. Wir wollten, dass uns die Männer in Ruhe lassen. Wir hatten die Flaschen nur zu einem Viertel gefüllt", so der aus Bautzen stammende Angeklagte. Nach der Molotow-Attacke rannten die Drei weg. "Wir hatten unser Ziel erreicht. Die Männer kamen nicht wieder".

Das Trio brach übrigens nicht nur in Gartenlauben ein.Mit einem gestohlenen Auto fuhren sie zu anderen Tatorten,  stiegen z.B. in eine Fleischereifiliale in Kleinwelka und Malschwitz ein, knackten einen Verkaufsstand im Irrgarten Kleinwelka und brachen  in die Beachbar am Bautzener Stausee ein. Dort stemmten sie einen Tresor auf und nahmen 600 Euro mit.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.