Di, 10.01.
Nächstenliebe im Gefängnis
von Elisa Eichberg
Seit 20 Jahren gehen sie von einem Gefängnis ins nächste – zuerst ging es in die JVA Chemnitz, später Stollberg und zuletzt auch in die JVA Dresden. Annemarie und Edelbert Franzmann gehen aber freiwillig dorthin. Die beiden Rentner arbeiten ehrenamtlich beim „Schwarzen Kreuz“ - einem Verein, der sich um Strafgefangene kümmert: „Wir sind oft die einzigen Gesprächspartner für die Insassen", erzählt Annemarie Franzmann. " Die Familien haben sich meist von ihnen getrennt, darum wollen sie dann einen ehrenamtlichen Mitarbeiter haben. Wir müssen das auch erst verarbeiten, was sie uns erzählen. Manchmal hab ich nach dem Gespräch noch einen Brief geschrieben und der Gefangene hat geantwortet.“
Die ehrenamtlichen Helfer vom „Schwarzen Kreuz“ begleiten die Strafgefangenen auch bei ihren Ausgängen, etwa zum Einkaufen oder bei Behördengängen. Berührungsängste kennen die beiden 75-jährigen nicht. Edelbert Franzmann: „Auch wenn wir mit ihnen in den Ausgang gehen, ich wüsste gar nicht warum. Ich betreue Momentan einen Schwerverbrecher – so wird er bezeichnet – der über 20 Jahre zu sitzen hat. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich vor ihm Angst haben muss.“